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TV-Kritik: "Die Notlüge": Wenn Mama Geburtstag hat

Von Die liebe Familie reist an und der Sohn will der Mutter das familiäre Kuddelmuddel ersparen. Er flunkert ihr deswegen was vor, aber sowas kann ziemlich in die Hose gehen.
Marianne (Christine Ostermayer, Mitte) weiß noch nicht, dass ihr Sohn Hubert (Josef Hader) gar nicht mehr mit Helga (Brigitte Hobmeier) zusammen ist. Foto: (SWR-Presse/Bildkommunikation) Marianne (Christine Ostermayer, Mitte) weiß noch nicht, dass ihr Sohn Hubert (Josef Hader) gar nicht mehr mit Helga (Brigitte Hobmeier) zusammen ist.

Große runde Geburtstage sind manchmal wie beim Militär ein Stubenappell. Da kommt im schlimmsten Fall alles, was man sonst gemeinhin unter den Teppich kehrt und versteckt, gnadenlos ans Tageslicht. Weswegen wohl jeder Durchschnittsbürger in solchen Situationen gerne mal zu einer kleinen Notlüge greift.  Auch wenn man schon längst den Kinderschuhen entwachsen ist, bleibt  man noch immer auch irgendjemandes Kind.

Mit entsprechenden Folgen: Hubert (Josef Hader), ein erfolgreicher TV-Moderator, besucht seine Mutter zu ihrem 80. Geburtstag. Mit dabei: seine schwangere Exfrau Helga (Brigitte Hobmeier) und ihr Gefährte Wolfi (Andreas Kindl). Dazu kommt der Patchwork-Nachwuchs und Huberts Freundin Patricia. Letztere wird gespielt von Pia Hierzegger, die auch das Drehbuch zu diesem Film verfasste. Das große Problem der zusammengewürfelten Truppe: Marianne (Christine Ostermayer) sollte eigentlich reiner Wein über die Familienverhältnisse eingeschenkt werden.

Kante zeigen? Besser nicht!

Aber im entscheidenden Moment kneift Hubert und tut so, als wäre er immer noch mit Helga zusammen, alles in bester Ordnung und Patricia und Wolfi nur sehr gute Freunde. Hubert ist nun mal jemand, der es allen möglichst immer recht machen will: im Grunde ein konfliktscheuer feiger Hund also. Doch wie im richtigen Leben geht er mit dieser Strategie den Konflikten gar nicht aus dem Weg, sondern verschiebt sie nur auf später. Und das zeigt der Film auf eine faszinierende Weise, nämlich als ziemlich böse Komödie.

Pia Hierzegger hat für ihre Verwicklungen nur ein kleines Ensemble an Charakteren zusammengestellt. Eine glänzende Entscheidung, weil so viel mehr Zeit für eingehende Charakteranalysen bleibt. Im entscheidenden Moment, als er seiner Mutter ins Gesicht lügt, stellt ihn niemand bloß. Aber im weiteren Verlauf der Geburtstagsfeier drängt immer mehr Ungesagtes, Verdrängtes an die Oberfläche, erscheinen Risse in der nach außen hin so heilen Welt, bröckeln die Fassaden.

Die gekränkte Freundin

Patricia etwa  zeigt angesichts Huberts Feigheit und seinen Lügen "Sie weiß gar nicht, dass es mich gibt!"  "Ja, ich wollt dich vorstellen, heut"  "Du hast gesagt, sie freut sich, mich kennenzulernen!" eine deutliche Gemütsverdüsterung und lässt gegenüber ihm sofort das Visier herunter: Allein schon wie Pia Hierzegger ihr mit sparsamster Mimik und angeklebter Warze Gestalt verleiht, hält die Spannung gleich auf mehreren Ebenen hoch.

Schließlich hat sich beim Ankommen noch ein Notarzt verabschiedet, der der herzkranken Jubilarin nach einem Schwächeanfall beigestanden hat und eindringlich mahnte, der Mutter jede Aufregung zu ersparen. Patricia indessen möbelt ihre schlechte Laune anschließend mit reichlich Sekt und Wein auf. Und auch zwischen Helga und Wolfi gibt es allerlei Unausgesprochenes. Vieles in dieser Komödie besitzt einen hohen Wiedererkennungswert.

Dass aber weder Hierzeggers Drehbuch noch Marie Kreutzers punktgenau zurückhaltende Regie es dabei zum Äußersten kommen lassen, gibt dem Geschehen noch eine gewisse Wärme: Schließlich hat man sich ja noch lieb, trotz allem – ist ja die Familie. So stören am Ende höchstens ein paar platte Szenen: Dass sich während einer Autofahrt kleine Jungen und beim Stopp auch schwangere Frauen übergeben müssen, mag ja realistisch sein. Aber witzig ist es nicht.

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