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TV-Kritik: "Die Toten von Salzburg": Der Quotenhit

Makaber und manchmal auch richtig böse: Auf ORF war der Auftakt zu einer geplanten neuen Reihe schon ein Renner.
Hubert Mur (Michael Fitz, r.) verdächtigt die fast Ex-Frau (Isabel Karajan, l.) des Toten. Um an Antworten zu kommen, geht er oftmals den unkonventionellen Weg. Foto: Hubert Mican Hubert Mur (Michael Fitz, r.) verdächtigt die fast Ex-Frau (Isabel Karajan, l.) des Toten. Um an Antworten zu kommen, geht er oftmals den unkonventionellen Weg.
Die Bilder der Schauerromantik - 2012/13 im Frankfurter Städel-Museum zu bewundern -  machen sich halt einfach gut im Krimi zur Eröffnung: Da wabert undurchdringlicher Nebel, zieht eine Prozession durch düsteres Gelände, flattern Raben computeranimiert durchs Bild oder tun sich in echt an einem Leichnam gütlich – natürlich sind da nur die Raben echt, nicht der Tote. Wer denkt da nicht an Edgar Allan Poes Gedicht "Der Rabe"? Oder noch passender an Dario Argentos Schocker "Im Zeichen des Raben", der auch unter dem Titel "Terror in der Oper" lief und an einer Oper spielt?  Genau wie auch in diesem Film die Oper eine Rolle spielt.
 
Dabei könnte auch Wilhelm Buschs Hans Huckebein ganz gut passen: Der ist nämlich ein Unglücksrabe und das trifft auch für den Polizisten Major Peter Palfinger (Florian Teichtmeister) zu. Palfinger sitzt nämlich seit einem Unfall beim Paragliding im Rollstuhl und tritt seinen Dienst als neuer Leiter der Abteilung Gewaltverbrechen in Salzburg an. Bei der Bewerbung musste er die Behinderung nicht angeben. Die Begeisterung von Hofrat Anton Seywald (Erwin Steinhauer), seinem neuen Chef, hält sich beim ersten Treffen in Grenzen.
 

Ein Polizist wie die Axt im Walde

 
Was trifft auch auf Kriminalhauptkommissar Hubert Mur (Michael Fitz) aus Traunstein gilt. Bei dem Toten zu Beginn handelt es sich nämlich um Walter Holzer, einem Anlagebetrüger im großen Stil, der sich durch Flucht nach Bayern der Verfolgung durch österreichische Behörden entzogen hat. Geht so was tatsächlich? Sei’s drum. Jedenfalls gibt es jede Menge Verdächtige, denn Holzer hat viele Leute um ihr Geld betrogen und wollte sich von seiner Ehefrau trennen. Die wird übrigens von Isabel Karajan verkörpert, der Tochter Herbert von Karajans. Also die Macher dieses Films müssen schon richtig musikverrückt sein. Sehr schön! 
 
Palfinger und Mur sehen sich vor jede Menge Probleme gestellt. Möglicherweise steckt nämlich auch Palfingers Bruder mit drin, ein Mann der Kirche. Und Mur hat sicher viele gute Eigenschaften und auch verfügt auch über Kompetenz, aber nicht mal über eine Spur von Diplomatie. Ein klassisches Buddy-Picture also über zwei unterschiedliche Polizisten, die sich erstmal mühsam zusammenraufen müssen, und als Nebenfigur die Polizistin Irene Russmeyer (Fanny Krausz), die in der Oper eine kleine Nebenrolle spielt. Ein Behinderter als Ermittler ist dabei sicher eine Seltenheit, wenn auch als Krimiheld keine totale Neuigkeit: Im Rollstuhl ermittelte bereits Raymond Burr als „Der Chef“.
 

Die Behinderung ist nicht gefährlich

 
Auch abseits vom Polizeiberuf sind Krimihelden weiblich wie männlich manchmal gehandikapt: So als Blinde („23 Schritte bis zum Abgrund“ oder „Warte, bis es dunkel ist“) oder ebenfalls als Rollstuhlfahrer („Das Fenster zum Hof“).  Anders als diese Filme thematisiert „Die Toten von Salzburg“ aber die Nachteile, die sich für Palfinger durch seine Behinderung im Handlungsverlauf ergeben könnten, nur oberflächlich. Er hat zwar Probleme, aber nie gerät er etwa dadurch, dass er seine Beine nicht mehr bewegen kann, ernsthaft in Lebensgefahr. Möglicherweise kommt da in späteren Folgen noch was – der Film ist erst der Auftakt einer neuen Reihe.
 
Und man wundert sich über Palfingers unkomplizierte und verbindliche Freundlichkeit, die zu Murs permanenter Giftigkeit im schärfsten Gegensatz steht. Sicher war es eine gute Idee, die Probleme von Behinderten im Rahmen eines Krimis zu thematisieren. Aber vielleicht hätte das mit ein paar scharfen Kanten mehr bei Palfinger noch besser funktioniert. So sorgt aber immerhin Michael Fitz dank vieler böser Sätze Hubert Murs im Drehbuch für eine ordentliche Dosis Pfeffer und bringt das auch richtig gut rüber.
 
Ansonsten funktioniert die Geschichte dank schöner, teils auch makabrer Wendungen recht ordentlich. In Österreich war der Film auf ORF übrigens schon ein Quotenhit, genau wie einst die Serie „Vorstadtweiber“. Na wenn das mal keine Empfehlung ist…
 
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