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"Die Wahrheit": Mord ohne Mörder

Von Der neueste München-"Tatort" verknüpft einen authentischen Kriminalfall mit einem Klassiker des amerikanischen Polizeifilms.
Ayumi Schröder (Luka Omoto) muss miterleben, wie ihr Mann Ben (Markus Brandl) von einem unbekannten Täter ohne erkennbaren Grund zusammengestochen wird. Foto: BR/X Filme/Hagen Keller Ayumi Schröder (Luka Omoto) muss miterleben, wie ihr Mann Ben (Markus Brandl) von einem unbekannten Täter ohne erkennbaren Grund zusammengestochen wird.
Die Suche nach einem Täter. Das Durchforsten von Zeugenaussagen nach irgendetwas Brauchbarem. Das Abgleichen von Eindrücken, Erinnerungen, um irgendwie etwas wie den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden. War der Mörder groß oder klein? Dünn oder sportlich? Seine Jacke dunkelgrün oder eher hell? Wie oft hat er zugestochen? Und vor allem warum? Die Kommissare Ivo Batic (Miroslaw Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) aus dem Münchner „Tatort“ wissen es auch nicht.
 
Ebenso wenig wie Ayumi Schröder (Luka Omoto) und ihr Sohn Taro (Leo Schöne), denen Ehemann und Vater genommen wurde. Von einem Mann, der vor einem Supermarkt bäuchlings und scheinbar hilflos auf dem Boden robbte. Als Ben Schröder (Markus Brandl) dem nur schwach erkennbaren Mann helfen will, sticht der plötzlich mehrfach mit einem Messer auf ihn ein und flüchtet anschließend. Zeugen der Tat existieren diesmal viele, aber das hilft den Ermittlern in dem Fall nicht viel. Jeder hat ämlich was anderes gesehen.
 

Ein Mordverdächtiger wird zum zweiten Opfer

 
Der Münchner Krimi setzt seine Fahnder diesmal einer Hochdosis Frust aus. Immer wieder laufen die Spuren ins Leere. Vom intriganten Chef Karl Maurer (Jürgen Tonkel) mit der Leitung des Falls betraut, kommt Leitmayr nur mühsam vorwärts. Aber sehr schnell ins Visier seines Vorgesetzten, als es ein weiteres Todesopfer gibt. Einer, bei dem sich die Ermittler sogar schon sicher waren, den wahren Täter zu haben. Arrogant, provokativ, geltungssüchtig. Es könnte sich diesmal um einen Serienmörder handeln.
 
Oder auch nicht. Ein wenig erinnert der Fall an den berüchtigten und bis heute noch nicht aufgeklärten Isarmord, der auch schon dem kürzlich ausgestrahlten ZDF-Krimi „Wo bist du, Feigling“ aus der Serie „München Mord“ als Vorlage diente. Das Drehbuch verknüpft den authentischen Kriminalfall zugleich mit einem Klassiker des US-Polizeifilms: In „Blue Steel“ von Kathryn Bigelow wird ebenfalls ein Mann, der durch Zufall in den Besitz einer fremden Tatwaffe gelangt, dadurch zum Mörder. Wobei der Handlungsstrang hier im „Tatort“ allerdings nicht befriedigen kann. Der Mörder tritt kaum in Erscheinung und wird gegen Ende ziemlich plötzlich aus dem Hut gezogen.
 

Am Ende eine Dosis Schlitzerfilm

 
Zur Einstimmung kommen dann vorher ein paar Szenen, die aus „Halloween“ oder einem anderen Schlitzerfilm der 70er Jahre stammen könnten. Und zu der Motivation dieses Täters dürfen die Ermittler dann ein paar Sätze von sich geben, die klingen wie aus einem Lehrbuch für freudsche Interpretationen für Anfänger. Das alles wirkt wie mit der heißen Nadel gestrickt und dann auf Knall und Fall noch in die Geschichte hineingeworfen. Da zeigt der Fall noch Luft nach oben. Besser können sich Nemec und Wachtveitl in Szene setzen. Streitereien zwischen den Polizisten und gesundheitliche Probleme Batics sind eng mit dem Fall verknüpft und erscheinen dadurch nicht wie sonst so oft als blankes Füllmaterial.
 
Die Regie verzichtet abgesehen von den bereits geschilderten Szenen auf Effekthascherei und erreicht gerade dadurch in vielen Momenten eine durchdringende Wirkung – etwa wenn Batic vom Tod Ben Schröders erfährt. Glaubwürdig und tastend verlaufen die Versuche Batics, zu der Witwe Schröders so etwas wie einen persönlichen Kontakt aufzubauen. Positiv fallen auch die oft guten Dialoge auf, wie auch die philosophischen Einschübe. Was sich auf die Qualität dieses Krimis auswirkt: Auch wenn der „Tatort“ im Vergleich zu „Wo bist du, Feigling“ durch seine gegen Ende holprige Erzählweise etwas abfällt, kann er insgesamt noch überzeugen.

Der "Tatort" in der Mediathek
 

 

 
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