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TV-Kritik: "Die Winters": Richtig gut geworden

Von Der ARD-Film inszeniert eine auseinanderbrechende Ehe als witzigen Selbstfindungstrip eines Hausmanns. Sehr sehenswert!
Matthias Winter (Walter Sittler, re.) stellt Sebastian (Bernd-Christian Althoff), den Liebhaber seiner Frau Tanja (Susanne Simon), zur Rede. Foto: ARD Degeto/Georges Pauly Matthias Winter (Walter Sittler, re.) stellt Sebastian (Bernd-Christian Althoff), den Liebhaber seiner Frau Tanja (Susanne Simon), zur Rede.
Es steht schlecht um die Ehe von Tanja (Susanna Simon) und Matthias Winter (Walter Sittler). Dabei hat es sich Matthias doch so schön in seinem Leben eingerichtet: Frühverrentet wegen Herzproblemen, kümmert er sich um den Haushalt und Tochter Marie (Sinje Irslinger). Die will nun  nach dem Abitur nicht studieren, sondern eine Ausbildung als Kfz-Mechatronikerin absolvieren. Ab da bricht die Welt des Alt-68ers Matthias komplett zusammen.

Seine Frau hat mittlerweile eine Karriere hingelegt und sich mit ihrem Kollegen Sebastian (Bern-Christian Althoff) einen Geliebten zugelegt, mit dem sie weit mehr verbindet als mit ihrem Ehemann. Sie nimmt sich eine neue Wohnung. Matthias‘ gemütlichen Trott, seine Unordnung und Sammelleidenschaft kann sie nicht mehr ertragen. Tochter Marie bekennt, dass sie auf Frauen steht. Und auch Matthias Herzproblem stellt sich als überwunden heraus: Der Ex-Lehrer muss sich auch noch um eine neue Arbeit bemühen.

Hier ist die Ehe nicht zu retten

Der zweite Teil von "Eltern allein zu Haus" stellt wie schon sein Vorgänger "Die Schröders" ein Ehepaar nach dem Auszug eines Kindes in den Mittelpunkt, verschärft die Gangart aber erheblich. Während die Schröders  ihre Eheprobleme am Ende noch in den Griff bekommen, steht die Beziehung zwischen Tanja und Matthias Winter schon am Anfang des Films vor dem Aus. Die Konstellation Karrierefrau und Hausmann macht sich als Zündstoff dabei hervorragend und verleiht der weiteren Entwicklung der Handlung eine starke Glaubwürdigkeit.

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Der Film dekliniert die Innenansichten einer solchen Beziehung säuberlich durch, ohne dabei aber je formelhaft zu wirken. Dafür sind die zahlreichen Bosheiten und Gags  viel zu gut ausgedacht. Matthias Winter steht von Anfang an auf verlorenem Posten, bekommt dadurch aber auch die Sympathie des Zuschauers. Man leidet mit ihm, wenn er seine Frau nachts mittels eines Dia-Projektors an glückliche Momente in ihrer Ehe erinnern will – und dann ihrem halbnackten Liebhaber gegenüber steht.

Prächtige Rolle für Walter Sittler

Walter Sittler passt diese Rolle noch besser als die des Fahnders in "Der Kommissar und das Meer". Susanna Simon ergänzt ihn perfekt als harte Karrierefrau, die aber immer wieder Ansätze von einem Rest Gefühl und Gewissensbissen durchschimmern lässt. Wenn sie am Ende ihrem durch seine neue und verständnisvolle Freundin und andere Veränderungen deutlich energischerem Mann gegenübersteht und Reue empfindet, die sie nicht ausspricht, spielt das Drehbuch von Nina Bohlmann ein weiteres Mal sehr geschickt mit den Gefühlen des Zuschauers.

"Die Winters" ist deshalb das Beispiel einer Ehekomödie, die Charakterzeichnung, Dialogwitz und innere Spannung aufs Beste miteinander vereint. Kann "Frau Busche", der letzte Teil der Komödientrilogie, nächsten Freitag dieses Niveau halten?


 
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