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TV-Kritik: "Die falsche Zeugin": Helen Dorn wird zum Problem

Die Handlung an sich ist gar nicht so schlecht. Woran die Hauptfigur und ihre Krimi-Reihe aber dennoch zu scheitern droht.
Helen Dorn (Anna Loos, l.) rettet Alena (Cosmina Stratan, r.) aus einem illegalen Versteck. Foto: Frank Hempel Helen Dorn (Anna Loos, l.) rettet Alena (Cosmina Stratan, r.) aus einem illegalen Versteck.
Frankfurt.  Erst wird einem Mann am Düsseldorfer Flughafen von dem achtjährigen Roman das Handy gestohlen. Dann hetzt der Bestohlene durch den Flughafen möglichst diskret hinter dem Jungen her, um sich sein Handy wieder zurückzuholen. Was dazu führt, dass ihn Alena (Cosmina Stratan), die Mutter des Jungen, in einer Kabine aus Panik hinterrücks niederschlägt. Und als der Mann gefunden wird, ist er tot. Und gibt Helen Dorn vom LKA Rätsel auf: Er hieß Hans Maurer (Hubertus Hartmann) und sollte eigentlich längst tot sein.
 
Währenddessen wird eine Frau in ihrer Wohnung von Gangstern unter dem Kommando von Hagen de Winter (Dominic Raacke) brutal zu Tode gefoltert. Der Tote war im Zeugenschutzprogramm und sollte gegen den Verbrecher aussagen: Hagen de Winter betreibt ein pädophiles Netzwerk und versorgt hochrangige Klienten mit Kindern, nach denen sonst niemand sucht. Weswegen sich auch das BKA, vertreten durch eine bemerkenswert gebieterisch auftretende  Christina Hecke, für den Fall interessiert. Noch am Flughafen trifft Helen Dorn aber auch auf einen alten Kollegen ihres Vaters, der sich am Ende tragisch in den Fall verwickelt zeigt.

Die Hauptfigur verflacht

Helen Dorn zum sechsten: Es ist nicht einfach, die Reihe zufriedenstellend fortzusetzen. Während der Erstling "Das dritte Mädchen" die Latte in jeder Beziehung sehr hoch legte, fielen die Fortsetzungen deutlich ab. Insbesondere die im Erstling so spannungsgeladene Zusammenarbeit Helen Dorns mit ihrem Kollegen Gregor Georgie (Matthias Matschke) geriet immer mehr in den Hintergrund. Was dazu führte, dass Helen Dorn charakterlich zunehmend verflachte und Anna Loos fast nur noch mit gefrorener Mimik durch die Szenerie stapfte.
 
Diese Nachteile zeigen sich nach Matschkes Weggang in diesem Film besonders. Helen Dorn ist fast ständig gegenwärtig und schafft es sogar, eine wichtige Verbindung zu dem Jungen aufzubauen. Aber es findet kaum eine echte Interaktion mit ihren Kollegen statt außer der stereotypen Mahnung zur Zusammenarbeit. Was natürlich nichts nutzt. Helen Dorn ist eine einsame Wölfin, die sich ohne Begleitung in eine Roma-Siedlung begibt, in der ein Boss ein brutales Regiment auch gegen seine eigenen Leute führt. 

Wenig glaubhaft: Helen Dorns Alleingänge

Sie geht auch heroisch alleine gegen de Winter und seine Leute vor. Diese Aktionen wirken aber nicht sehr glaubwürdig und lassen Anna Loos auch wenig schauspielerischen Raum: Sie hat außer in den Szenen mit dem Jungen und am Ende kaum weniger zu tun, als eine mürrische Miene zur Schau zu tragen und die Pistole im Anschlag zu halten. Dominic Raacke als Fiesling passt zwar vom Typ her, hat aber viel zu wenige Szenen, um sich als Schurke wirklich in Szene setzen zu können.
 
Während der letzte Helen Dorn-Krimi  hier eine gewisse Ambivalenz bot, setzt dieser Film voll auf Stereotypen. Hier besteht für zukünftige Helen Dorn-Filme dringend noch Nachbesserungsbedarf. Ansonsten funktioniert der Film aber gar nicht schlecht. Von der hochrangigen Klientel hätte man zwar gerne mehr gesehen, aber Cosmina Stratan als besorgte und liebevolle Mutter gibt der Geschichte eine gewisse emotionale Bindung.
 
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