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TV-Kritik: "Die große Geldflut": Wann geht die soziale Bombe hoch?

Von Die Politik des uferlosen Geldes verschärft gesellschaftliche Gegensätze massiv. Die Doku zeigt die Folgen, schwächelt aber bei der Darstellung der Ursachen.
Zu den Maßnahmen gegen die Folgen der uferlosen Geldvermehrung gehören verschiedene Vollgeld-Initiativen, darunter in der Schweiz. Foto: (SWR-Pressestelle/Fotoredaktion) Zu den Maßnahmen gegen die Folgen der uferlosen Geldvermehrung gehören verschiedene Vollgeld-Initiativen, darunter in der Schweiz.
Es begann am 15. August 1971. Die Kriege der USA in Korea und Vietnam hatten das Land Milliarden gekostet. US-Präsident Richard Nixon sah keinen anderen Weg mehr, den Vietnamkrieg zu finanzieren, als den bis dahin herrschenden Goldstandard des Landes aufzukündigen. Was die ARD-Dokumentation zeigt, sind die fatalen Auswirkungen dieser Entscheidung. Mit der Koppelung der Währung an Gold und damit an die Realwirtschaft begann der langsame Abstieg der Mittelklasse, der nach dem Zweiten Weltkrieg einen beispiellosen Boom erlebt hatte, und zugleich der Aufstieg der "Global Player".
 
Die Politik von Margaret Thatcher in Großbritannien schloss sich nahtlos an. Das billige Geld der EZB seit der Finanzkrise des Jahres 2008 beschleunigt diese Entwicklung zu einem Flächenbrand, und der Film zeigt das deutlich. Die Preise für Aktien, Immobilien und alles, womit sich spekulieren lässt, sind in absurde Höhen geschossen. In London kostet ein simples Ein-Zimmer-Apartment mittlerweile schon eine Million, ein Einfamilienhaus sechs bis sieben Millionen. Wer dort Immobilien besaß, konnte sie mit märchenhaften Gewinnen verkaufen.
 

Immobilienpreise explodieren

 
Zugleich wurde die Stadt für Normalverdiener unbewohnbar. Die Mieten kann sich niemand mehr leisten, den Kauf schon gar nicht. Wer in London Immobilien kauft, wohnt nicht darin. Sie sind blanke Geldanlage. Und London ist kein Einzelfall, auch in Deutschland und anderen Ländern wirkt sich die Geldflut auf diese Weise aus. Eine gigantische Umverteilung von Vermögen von unten nach oben. Selbst große Traditionsfirmen wie WMF werden zu lässigen Spielbällen. In den letzten elf Jahren wechselte die Firma dreimal den Besitzer.

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Mit jedem Verkauf explodierten die Profite der Verkäufer. Zugleich verschlechterten sich Löhne und Arbeitsbedingungen. Die Dokumentation greift die WMF als eine unter vielen heraus, aber die Liste an Beispielen ließe sich beliebig verlängern. Das uferlos geschöpfte Geld fließt zumeist in die Spekulation und damit in Bereiche, die mit der normalen Arbeitswelt längst nichts mehr zu tun haben. Als Folge klafft die soziale Schere immer weiter auseinander.
 

Wer hat. dem wird gegeben

 
Wer schon vorher Vermögen und damit meist auch den Durchblick hatte, konnte gewaltig verdienen. Sparer und Mittelständler haben dagegen das Nachsehen. Die Dokumentation zeigt zwar die Auswirkungen, schwächelt aber, wenn es um die Darstellung der Ursachen geht. So schiebt der Film die Verantwortung für die uferlose Geldschöpfung in erster Linie den privaten Banken zu.  
 
Verschiedene Vollgeld-Initiativen wollen, dass nur noch die Zentralbank das Recht zur Geldschöpfung haben soll. Die Bedeutung von Leitzins und Strafzinsen - beides wird von der Zentralbank festgelegt - lässt der Film dabei aber unter den Tisch fallen. "Die große Geldflut" kann darum nur einen Anstoß dazu liefern, sich mit der Materie näher zu befassen. Realistisch ist jedoch der düstere Blick in die Zukunft: Ein gutes Ende wird die Entwicklung garantiert nicht nehmen.
 
 
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