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TV-Kritik: "Die schützende Hand": Eine heikle Gratwanderung

Von In seinem dritten Spielfilm-Auftritt fasst der eigenwillige Ex-Ermittler ein besonders heißes Eisen an: Den Tod der Neonazis Mundlos und Böhnhardt.
Der Tathergang kann nicht stimmen. Dengler (Ronald Zehrfeld) und Olga (Birgit Minichmayr) versuchen, ihn zu rekonstruieren. Bild: ZDF und Julia Terjung Foto: Julia Terjung Der Tathergang kann nicht stimmen. Dengler (Ronald Zehrfeld) und Olga (Birgit Minichmayr) versuchen, ihn zu rekonstruieren. Bild: ZDF und Julia Terjung
Wie starben Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt wirklich? Der Selbstmord der beiden Neonazis wirft durch die seltsamen Umstände bis heute viele Fragen auf. Ein Thema, an dem Krimi-Autor Wolfgang Schorlau natürlich nicht vorbeigehen konnte. Wenn Schorlau seinen ehemaligen BKA-Ermittler Georg Dengler ins Rennen schickt, drehen sich die Plots, die der 66-jährige Autor daraus strickt, immer um heiße Eisen. Und das ohne Rücksicht darauf, dass sich jemand die Finger daran verbrennen könnte.

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"Die schützende Hand" ist Schorlaus achter und bisher letzter Dengler-Roman und schlug ein wie eine Bombe: Über 150.000 verkaufte Bücher seit dem Erscheinen des Buches im April 2017 sprechen eine deutliche Sprache. Wie in den Vorgänger-Filmen "Die letzte Flucht" und "Am zwölften Tag" schrieb Lars Kraume das Drehbuch und führte Regie. Und zeigt Dengler, wieder von Ronald Zehrfeld gespielt, einerseits in gewohnter Bulligkeit, andererseits in neuen Facetten.

Hacker können nützlich sein

Sein neuer Auftrag, die Todesumstände von Mundlos und Böhnhardt aufzuklären, schreckt viele Leute an höherer Stelle auf. Seiner Hacker-Freundin Olga (Birgit Minichmayr) verschafft er mit einem Trick Zugang zum Rechner einer Sekretärin. Weitere Hilfe bekommt er von Marius Brauer (Tom Wlaschiha), einem jungen LKA-Mann. Gemeinsam stellen sie das Ende der beiden Neonazis im Wohnmobil nach. Sie stoßen auf Ungereimtheiten – und geraten selbst ins Visier.
 
Im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Dengler-Filmen verläuft die Handlung diesmal deutlich ruhiger. Es gibt weniger Schauplätze und Zehrfeld agiert nicht ganz so körperbetont, was das Brodelnde in Denglers Charakter aber noch stärker betont. Bei der Erläuterung der Ungereimtheiten für Zuschauer, die darüber nicht auf dem Laufenden sind, darf Dengler durch das Nachstellen der Situationen im Wohnmobil glücklicherweise eine aktiv handelnde Rolle einnehmen. Was den Film in diesen Passagen im Vergleich zu dem RAF-"Tatort"-Krimi "Der rote Schatten" deutlich filmischer wirken lässt.

Viele Promis in Nebenrollen

Dass sich in dem "Tatort" nämlich ein Kommissar minutenlang regungslos Erklärungen anhören musste, was an den Umständen der Todesnacht von Stammheim alles Fragen aufwirft, war dort ein klarer Minuspunkt. "Die schützende Hand" profitiert zudem von Krimi-Gesichtern wie Gört Schubert, Leonard Lansink und Rainer Bock, wobei besonders Letzterer dem Ganzen zeitweise einen gewissen verschwörungstheoretischen Ansatz verleiht: Als Strippenzieher und Vertuscher im Hintergrund ist Bock einfach eine sichere Bank.
 
Die Grenzen zur blanken Spekulation überschreitet Kraume aber nicht. Der Regisseur verbindet Thriller-Elemente und die Fragen um den NSU-Komplex zwar ziemlich geschickt, wobei er aber stets auf dem Boden der Tatsachen bleibt. Mit Tom Wlaschiha, bekannt aus "Game of Thrones", und Jürgen Prochnow bekommt der ZDF-Fernsehfilm der Woche sogar noch einen kräftigen Schuss Hollywood.  Es wird also nicht einfach sein, das Niveau dieses Thrillers auch in künftigen Dengler-Filmen zu halten.
 
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