E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 27°C

TV-Kritik: "Die vermisste Frau": Falscher Sender, falscher Platz

Von Eine sehr schöne Anfangsidee mit drei namhaften Schauspielern in einem bizarren Rollendreieck: Daraus hätte ein toller Film werden können. Warum es trotzdem nicht klappte.
Unter den wachsamen Augen des Profikillers Bruno (Ulrich Matthes) lernt Karen (Corinna Harfouch) das Schießen. Bild: ARD Degeto/Conny Klein Foto: (ARD Degeto/Programmplanung und P) Unter den wachsamen Augen des Profikillers Bruno (Ulrich Matthes) lernt Karen (Corinna Harfouch) das Schießen. Bild: ARD Degeto/Conny Klein

Die Grundidee stammt wahrscheinlich von Jules Verne, der sie in seinem Roman "Die Leiden eines Chinesen in China" präsentierte. Jemand will Selbstmord begehen und damit dafür sorgen, dass jemand anders das Geld aus einer Lebensversicherung bekommt. Weil er die Tat aber nicht selbst ausführen will, heuert er einen Killer auf sich selbst an. Daraus ergeben sich dann diverse Verwicklungen, meist komödiantischer Art. Wobei meist ein gewisser schwarzer Humor vorherrscht.

Diesen Ansatz variiert "Die vermisste Frau" durchaus elegant, und deswegen macht der Streifen anfangs auch noch Lust. Hier ist es Karen (Corinna Harfouch), die für ihren über Alles geliebten Mann Georg (Jörg Hartmann) ihr Leben geben will. Mit dem Geld von der Versicherung könnte Georg sich von seinen Schulden freikaufen. Allerdings ist eine Selbsttötung auch aus vollkommen altruistischen Motiven gar nicht so einfach: Sie will sich erschießen, aber sie schafft es nicht, abzudrücken.

Die Rache einer betrogenen Frau

Auch sich im betrunkenen Zustand zu ertränken, geht schief. Als plötzlich ein ganzer Suchtrupp auftaucht, flüchtet sie und steigt ausgerechnet in das Auto von Bruno (Ulrich Matthes) ein. Was sie noch nicht weiß: Bruno ist Profikiller und Georg hat ihn engagiert, Karen zu töten. Doch er führt seinen Auftrag aus gutem Grund nicht aus. Als Karen bald darauf, halbwegs von ihrem Suff genesen, Georg mit einer dunkelhäutigen Schönheit in den Armen sieht, dreht sie den Spieß um.

Man glaubt seinen Augen nicht zu trauen: Eine schwarze Komödie um Selbstmord und einen Profikiller am Freitagabend in der ARD? An einem Sendeplatz, der sich normalerweise für "Eifelpraxis" oder "Die Inselärztin" reserviert zeigt?  Nun, ein bisschen Abwechslung zum Wochenausklang ist natürlich kein Nachteil, und dieser Film ist ja auch wirklich mal anders. Nur heißt anders nicht automatisch auch besser.

Dabei verspricht die Besetzung allein schon hochklassige Unterhaltung. Die Zutaten stimmen einfach: Corinna Harfouch als liebesstarke Frau mit jüngerem Mann, Ulrich Matthes als bezahlter Mörder von finsterer Eleganz und viele atmosphärisch schön gefilmte Szenen – etwa wenn Karen nach ihrem misslungenen Freitod-Versuch barfüßig im Regen davonläuft - dazu unterschwelliger und punktgenau umgesetzter Humor: Das hätte was geben können.

Nur die Musik funktioniert noch

Dumm nur, dass dem Drehbuch nach knapp 40 Minuten die Ideen ausgingen. Nach der knappen ersten Hälfte kippt der Film ins Platte. Auch die sehr gute Musik von Oliver Heuss kann hier nichts mehr retten: Die Geschichte plätschert zunehmend vor sich hin, einzelne Szenen werden immer unlogischer und unzusammenhängender. Man merkt auch der Regie die Probleme an, aus dem Plot die nötigen 90 Minuten Laufzeit herauszuholen.

Am Ende klatscht "Die vermisste Frau" die handelnden Figuren vollkommen willkürlich zusammen, um noch irgendwie zu einem Abschluss zu kommen. Die Frauen kriegen alles, die Männer sind alle tot. Wie es dazu kam, hätte noch einiges mehr an Drehbucharbeit vertragen können. Und der Film einen anderen Sender und Sendeplatz: Als ZDF-Mitternachtsfilm wäre er bestimmt besser geworden. Dort muss ein Film auch nicht mit Gewalt 90 Minuten dauern.

Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse