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TV-Kritik: "Die vierte Gewalt": Saft- und kraftlos

Von Der Film um Macht und Moral im Pressewesen will ein Thriller sein. Und enttäuscht dabei trotz guter Ansätze fast auf ganzer Linie.
Journalist Jan Schulte (Benno Fürmann) mit Kollegin Britta (Jördis Triebel) und Chefredakteur Weishaupt (Oliver Masucci) im Büro des Herausgebers der REPUBLIK. Foto: NDR/Marc Meyerbröker Journalist Jan Schulte (Benno Fürmann) mit Kollegin Britta (Jördis Triebel) und Chefredakteur Weishaupt (Oliver Masucci) im Büro des Herausgebers der REPUBLIK.
Jan Schulte (Benno Fürmann)war einst Auslandskorrespondent in Nairobi, doch seit die Zeitung pleitegegangen ist, wurstelt er sich mühsam von Auftrag zu Auftrag. Er hat Infos bekommen, die Ministerin Elisabeth Stade (Victoria Trauttmansdorff) hätte ihrem schwerkranken Bruder an den Wartelisten vorbei zu einer Transplantation verholfen. Der verschuldete und abgehalfterte Schreiber möchte mit der Information in dem Magazin "DIE REPUBLIK" eine Festanstellung bekommen.
 
Doch Jans Kollegin und Freundin Britta (Jördis Triebel), die im Magazin festangestellt ist, behauptet, Schultes Unterlagen wären manipuliert. Schulte hat Kontakt zu der Abgeordneten Katharina Pflügler (Franziska Weisz) aufgenommen, die zu der Ministerin im engen Kontakt steht. Wichtige Beweise verschwinden aus dem Büro von Tobias Weishaupt (Oliver Masucci), Chefredakteur von "Die Republik". Bald danach stehen Artikel gegen die Ministerin in einem Boulevardblatt. Und die Ministerin stirbt bei einem Unfall. War es ein Selbstmord?

 
Massenweise Klischees

 
Es geht um jede Menge Querverbindungen sowie Loyalität gegenüber Kollegen, dem Chef und  Informanten, und das im weitesten Sinne. Kein schlechter Ansatz für einen Film, der als Beitrag zum Themenabend "Journalistische Verantwortung" gedacht ist. Schade nur, dass die Durchführung kaum hält, was die Ideen versprechen. Filme dieser Art geraten schnell in Gefahr, zu Thesenfilmen zu werden: Sie sollen nicht nur unterhalten, sondern auch einen gewissen Sachverhalt erläutern. Wogegen im Prinzip nichts einzuwenden wäre – nur leider kommen meistens mit jeder Menge Klischees vollgestopfte filmische Schlaftabletten dabei heraus.

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Hier zeigt sich schon die Hauptfigur bedenklich angelegt: Schulte erscheint wie der letzte Aufrechte in einer korrumpierten Presselandschaft. Er kann sich die teure Schule für seine Tochter eigentlich nicht leisten, leiert sich das Geld aber aus den Rippen. Ist ja schön, dass der Film auch die finanziellen Schwierigkeiten seines Hauptcharakters beleuchtet, aber warum muss Schulte so seltsam herumlaufen? Mit seinen langen Haaren und Bart erscheint er wie seinen Idealen treugebliebener Alt-68er. Seine Kollegen dagegen sind glatt rasiert, stromlinienförmig, arriviert.
 

Viele Dialoge, wenig Dynamik

 
Dennoch nutzt der Film die Reibeflächen nicht für echte Auseinandersetzungen. Es wirkt bemüht und unfreiwillig komisch, wenn Schulte das Magazin als "Hure der Pharmaindustrie" bezeichnet, zumal Fürmann auch in seiner Sprechweise bisweilen gewollt auf lässig macht. Fürmann wirkt auch nicht gerade, als würde er sich so zurechtgemacht in der Rolle besonders wohlfühlen.  Auch einige Sätze, die Devid Striesow als Frank Gruber sagen muss, hören sich ziemlich geschwollen an.

Die sehr vielen Dialoge klingen zwar trotzdem gelegentlich hübsch pointiert, bremsen die Dynamik des Films über weite Strecken aber insgesamt stark ein. Trotz im Prinzip spannender Verwicklungen kommt dadurch so gut wie keine Spannung auf. Erst nach über einer Stunde Laufzeit springt mal ein kleiner Funke über. Die Architektur in einem großen Pressegebäude ist natürlich auch nicht dazu angetan, Spannung zu wecken. Klare Linien, perfekte Ausleuchtung – in solcher Umgebung einen Thriller zu drehen, ist nicht einfach. Jedenfalls im deutschen TV.
 
Wie um Himmels Willen bringen das aber die Amis bloß trotzdem immer wieder fertig, dass Filme mit dieser Thematik aus Hollywood regelmäßig so wunderbar als dreckige, kleine B-Filme rüberkommen? Und damit auch so ganz anders als deutsche Filme wie dieser hier, aus denen immer ein trockenes Lehrstück über Macht und Moral werden muss? Von einem "Thriller", der er nebenher auch noch sein will, trennen "Die vierte Gewalt" wirklich Welten. Wirklich schade, dass er so bieder und kraftlos geraten ist. In der Geschichte hätte deutlich mehr dringesteckt.
 
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