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TV-Kritik: "Doppelzimmer für drei": Ein Film, der sich lohnt

Von Souverän erzählt und sehr schön gespielt: Drei Frauen fahren nach Amsterdam, wo sie sich ihren Lebensentwürfen stellen müssen.
Anne Arnstedt (Simone Thomalla, r.) und Hilde Paul (Gesine Cukrowski, r.) machen Fotos von Conny (Nadine Wrietz) für ein Dating-Portal.  Bild: ZDF und Boris Laewen Foto: Boris Laewen Anne Arnstedt (Simone Thomalla, r.) und Hilde Paul (Gesine Cukrowski, r.) machen Fotos von Conny (Nadine Wrietz) für ein Dating-Portal. Bild: ZDF und Boris Laewen

Ein wenig wundert man sich schon über diesen Film und seinen Sendeplatz. Eigentlich erwartet der Zuschauer eine Geschichte dieser Art eher am Freitag im Ersten: Drei Frauen, enge Freundinnen, die nach Amsterdam reisen. Dort hat Anne Arnstedt (Simone Thomalla) zusammen mit ihrem Mann Nico (Matthias Komm) befruchtete Eizellen einfrieren lassen, um sich später noch einen Kinderwunsch zu erfüllen.

Jetzt ist Nico tot. Eine kleine Unachtsamkeit hat ihn das Leben gekostet und Anne, die seinen Tod mitangesehen hat, ihre Arbeit als Sommelier in einem schicken Restaurant: Sie hat durch den Schock ihr Geschmacks- und Geruchsempfinden komplett verloren. Ihre Freundinnen sind Hilde Paul (Gesine Cukrowski), eine ehemalige Polizistin mit ausgeprägtem Kontrollwahn ihren Kindern gegenüber, und die übergewichtige Conny Theis (Nadine Wrietz).

Etwas dünne Handlung, aber gute Geschichten dahinter

Die Reise nach Amsterdam entpuppt sich denn auch bald als Selbstfindungstrip, wobei die holländische Metropole natürlich eine überaus fotogene Kulisse abgibt. Die Kamera schwelgt gerne in den Postkartenbildern. An Zeit dazu mangelt es nicht, die Handlung ist mitunter ein wenig dünn geraten. Weswegen das Geschehen an einigen Stellen schon etwas sanft vor sich hinplätschert, untermalt von den passenden Tönen. .

Dennoch lohnt sich das Ansehen auf alle Fälle.Es sind nämlich interessante Geschichten, die sich Autorin Melanie Brügel hier um ihre Protagonistinnen ausgedacht hat. Wobei die lässige Erzählweise sogar noch dazu beiträgt, dass hier nichts aufgesetzt wirkt. Bei Anne geht es um die Bewältigung eines schweren Verlusts samt Trauerarbeit, bei Hilde um das allmähliche Loslassen ihrer erwachsen werdenden Kinder.

Nadine Wrietz als großer Pluspunkt

Besonders gut ist Conny gelungen, die so sehr mit ihrem Gewicht und Äußeren hadert, dass sie sich beim Flirt hinter einem falschen Bild versteckt. Nadine Wrietz schafft es mühelos, sich als Conny mit ihrer Einsamkeit, Verwundbarkeit und Bedürfnis nach Intimität ganz nach vorne zu spielen. Conny hätte als Figur möglicherweise sogar einen Film alleine tragen können. Allerdings drängt Wrietz ihre Filmpartnerinnen nicht beiseite.

Es ist auch das Zusammenspiel zwischen Wrietz, Thomalla und Cukrowski , das diesen Film so sehenswert macht. Man fängt deswegen bald an, sich für die drei Frauenfiguren und ihre Schicksale zu interessieren. Deswegen fällt es auch nicht besonders ins Gewicht, dass sich am Ende die Probleme der Frauen ein wenig schnell und komplett gelöst präsentieren: Besonders bei Anne hat Brügel das sehr schön eingeleitet, wie sie und ihre Freundinnen merken, dass sie ihren Geruchssinn wieder spürt. Das Ergebnis ist ein Film, der sich lohnt.

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