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TV-Kritik: "Drogenrepublik Deutschland": So leicht ist es, an Stoff zu kommen

"Rabiat" heißt eine neue Reportage-Reihe der ARD. Der Auftakt widmet sich einem besonders heiklen Thema. Wobei das Konzept noch Schwächen zeigt.
"Drogenrepublik Deutschland" - Szenefoto. Foto: ARD Foto: (RB TV/Pressestelle) "Drogenrepublik Deutschland" - Szenefoto. Foto: ARD
Berlin. 

Der Ruf von Drogen könnte kaum schlechter sein. Sie machen süchtig, kosten viel Geld, zerstören Karrieren, Vermögen und Leben. Speed (Amphetamine), Kokain, Opioide und Ecstasy  verschaffen ihren Konsumenten einen Glücksrausch mit Absturzgarantie. In Großstädten wie Berlin ist es dennoch ein Leichtes, an verbotene Substanzen heranzukommen. Die Reporterin Anne Thiele hat sich für die neue Reportage-Reihe "Rabiat" auf den Weg gemacht.

Und lässt dabei viele Seiten zu Wort kommen. So ein Konsument von MDMA, einer Amphetamin-Verbindung. Es gerät schwärmerisch: "Das hätt ich mir wirklich niemals vorstellen können! Krass! Zuerst setzt so ‘ne Entspannung ein im Körper, alle Muskeln werden leicht,…und dann kommt so ‘ne komplette Euphorie!" Eine Wirkung, die nicht zuletzt auch Dealern ein mitunter beträchtliches Einkommen sichert.

Konsumenten aus allen Schichten

Die Warschauer Brücke in Berlin stellt sich als Hotspot der Drogenszene dar: Nur wenige Minuten braucht Anne Thiele, um mit einem Dealer ins Gespräch zu kommen. Einen Dealer namens Toni begleitet sie auf seine Touren. Er verkauft vor allem Kokain. Seine Kunden kommen aus allen Schichten: Putzfrauen, Studenten, Anwälte und Ärzte nehmen ihm die Ware ab. Toni gehört dabei zu den Dealern, die ihre Ware auch selbst gerne verkonsumieren.

Die Sendung leidet an einer gewissen Oberflächlichkeit. Was natürlich auch daran liegt, dass sich nur wenige vor laufender Kamera über ihre Drogenerfahrungen auslassen wollen. Zwar weißt Anne Thiele darauf hin, dass Kokain in Südamerika, wo die Substanz zumeist herkommt, verheerende Auswirkungen zeigt. Interessanter wäre aber gewesen, auch einmal Konsumenten zu befragen, die Kokain oder Amphetamine nicht nur zu hedonistischen Zwecken benutzen.

Drogen aus Neugier und als Heilmittel

Natürlich spielt Neugier oft eine verhängnisvolle Rolle. Velcro, ein Youtuber, war 17 Jahre alt, als er erstmals an einem Joint zog. Dabei blieb es jedoch nicht. Thiele stellt in der Sendung auch Kelvin vor, der mit Drogen gegen seine Depressionen kämpft. Was sich für zumindest für Laien ein wenig danach anhört, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Wie viele aber nehmen auch Drogen, um in Studium oder Beruf ihre Leistungsfähigkeit zu erhöhen?

Und funktioniert so etwas überhaupt? Ausgiebig widmet sich Thiele einem Trio, das sich aufputscht, um auf Partys zu gehen. So wie Hendrik, Marie und Christian, wie Anne Thiele das Trio nennt. Drei Akademiker, die im Berufsleben stehen und schon lange Drogenkonsumenten sind. Ihren Konsum aber unter Kontrolle haben. So scheint es zumindest. Selbstverständlich ist das nicht. Ben ist 27 Jahre alt und erstmals in seinem Erwachsenenleben trocken.

Jahrelang war er von Cannabis, Kokain und Alkohol abhängig. Neue bahnbrechende Erkenntnisse sind von der Sendung nicht zu erwarten. Man muss Anne Thiele aber bescheinigen, trotz der kurzen Laufzeit und einiger Allgemeinplätze Zuschauern einen guten Überblick über das Thema verschafft und sich auch um ungewöhnliche Perspektiven bemüht zu haben. Die Reportage-Reihe wird sechs Teile umfassen und nächsten Montag mit "Netzwerk pervers" fortgesetzt. Dabei wird es um die Sadomaso-Szene gehen.

Der Film ist in der ARD-Mediathek verfügbar.

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