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TV-Kritik: "Durchgedreht": Lahmer Saisonauftakt

Wollte die ARD wegen der Olympia-Konkurrenz keinen guten Fall verbraten? Die Kölner zeigten sich diesmal zäh und lustlos.
Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, l) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, r.) diskutieren: Wie sollen sie Anna dazu bringen, ihr Schweigen zu brechen? Foto: WDR/Martin Valentin Menke Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, l) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, r.) diskutieren: Wie sollen sie Anna dazu bringen, ihr Schweigen zu brechen?
Eigentlich fängt das ja noch halbwegs spannend an: Die kleine Anna Habdank (Julie-Helena) geht nachts zu ihrem Hasen an den Käfig (wieso eigentlich?), dann bekommt sie mit, das jemand sich zur Haustür hereinschleicht und nach oben geht. Am nächsten Tag kommt eine Bekannte der Familie und findet Mutter, Sohn und Tochter ermordet vor. Nur die kleine Anna hat überlebt und steht unter Schock, was nähere Befragungen durch die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) erstmal unmöglich macht.
 
Als Ballauf und Schenk die Familienverhältnisse näher untersuchen, stoßen sie auf diverse Verdächtige. Familienvater Sven Habdank (Alexander Beyer) ist Finanzbeamter und hat sich als Steuerfahnder nicht nur Freunde gemacht. So den Journalisten Ole Winthir (Peter Benedict) oder den bankrotten Bauunternehmer Bit Benteler (Max Herbrechter). Aber auch Sven Habdank selbst gerät ins Visier der Fahnder: Was will er zum fraglichen Zeitpunkt in Frankfurt gemacht haben? Offenbar kriselte es in seiner Ehe, und seine Frau hatte eine Beziehung zu einem anderen Mann.
 
Der Vorgänger war haushoch besser
 
Nach dem herausragend guten Teenager-Fluchtfilm "Kartenhaus" kommt diesmal also aus Köln ein klassischer Whodunnit mit mehreren Verdächtigen im Beziehungsgeflecht und einer überraschenden Auflösung. Von Beginn an legt sich eine Stimmung von Trauer, Abstiegsangst und Statusverlust wie Blei über das Geschehen. Normalerweise ist dergleichen ja von Vorteil. Regie und Drehbuch gehen hier aber nicht wirklich in die Tiefe, sondern häufen Verdächtige und mögliche Tatmotive ziemlich wahllos aufeinander.





Sehr viel Zeit vergeht mit den Eheproblemen Sven Habdanks und dem Hin und Her um einen Vaterschaftstest. Dazu kommen ständig ohne dramaturgischen Zusammenhang auftauchende Stimmungsbilder und Szenen, die erkennbar dazu dienen, eine trotz vieler Figuren reichlich dünne Handlung auf die erforderliche Laufzeit zu strecken. Was umso ärgerlicher ist, weil sich besonders der Täter überzeugend angelegt präsentiert. Ein Mann, der erst Unternehmer war, dann Angestellter in seinem Betrieb und zum Schluss seinen Job verliert, trägt eine Menge Tragik in sich.


 

Sehr gemächlich inszeniert

 
Dennoch will die Geschichte nicht wirklich zünden. Nebenfiguren wie Benteler können trotz ihres Potentials ebenfalls nicht wirklich zum Spannungsaufbau beitragen. Ihre Szenen bestehen im Wesentlichen aus gemächlich inszenierten bis stark zerdehnten Dialogen und können darum nur geringen erzählerischen Sog entwickeln. Es will einfach keine Dramatik und Spannung aufkommen. Erst gegen Ende tritt der Krimi mit einer Entführung samt Verfolgungsjagd endlich mal aufs Gaspedal.


Das gut eingefädelte tragische Ende versöhnt auch ein Stück weit mit den Schwächen der Geschichte, obwohl gleich zwei Selbstmorde im Handlungsverlauf zu viel sind. Den Oldtimern bleibt auch diese Folge treu, nur werden die diesmal nicht von Freddy gefahren. Schenks Range Rover wirkt passend zu dieser Kölner Episode ein wenig wie eine Behelfslösung. Bis auf den Schluss sind die Kölner, vor allem am überragenden Vorgänger gemessen, diesmal nicht in Form.

Der Film in der Mediathek


 
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