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TV-Kritik: "Ein Dorf unter Verdacht": Bitte keinen Super-Kommissar!

Von Die "Mordkommission Istanbul beschäftigt sich diesmal mit dem Mord an einem kritischen Blogger – und zeigt einen bedenklichen Ansatz.
Kommissar Mehmet Özakin (Erol Sander) und sein Kollege Mustafa Tombul (Oscar Ortega Sánchez) ermitteln an der Schwarzmeerküste. Foto: ARD Degeto/Gülnur Kiliç Kommissar Mehmet Özakin (Erol Sander) und sein Kollege Mustafa Tombul (Oscar Ortega Sánchez) ermitteln an der Schwarzmeerküste.
Die "Mordkommission Istanbul" ist quasi der Ursprung aller Regionalkrimis. Ein Konzept, mit dem die ARD/Degeto mittlerweile halb Europa samt einem Ausflug nach Israel abgedeckt hat. Aber ob Athen, Urbino, oder Tel Aviv: So recht ziehen wollten diese Krimis offenbar nicht. Außer Venedig (Donna Leon) und Istanbul kam es bisher nirgends zu einer Fortsetzung. Es scheint wohl an Erol Sander zu liegen, der sich smart und gut gekleidet von vielen seiner saufenden und von Depressionen geplagten Kollegen unterscheidet und damit als Identifikationsfigur taugt.
 
Private Probleme hatte der von Sander gespielte und glücklich verheiratete Kommissar Mehmet Özakin nicht – für lange Zeit jedenfalls. Die letzten Folgen deuteten aber eine zunehmende Entfremdung von dessen Ehefrau an, bis es in "Das Zeichen des Taurus" zum Bruch kam. Andere TV-Kommissare würden da schon wieder zur Flasche greifen, aber Kommissar Özakin lernt schnell eine neue Frau kennen. Praktisch, dass es sich bei Derya Güzel (Melanie Winiger) auch gleich um die neue Pathologin der Mordkommission Istanbul handelt.

Der kritische Blogger und seine Themen

Es geht hier um den Mord an Videoblogger Can Türkmann. Der beschäftigte sich mit heiklen Themen wie Frauenrechten, Homosexualität oder der zunehmend gefährdeten Demokratie in der Türkei. In seinem Heimatdorf Tepek recherchierte Türkman über ein stillgelegtes Bergwerk und machte sich deswegen auch dort Feinde. Özakin trifft auf eine Mauer des Schweigens. Wurden frühere Episoden eher durch Sander und die reichlich verwendeten Postkartenmotive von der Metropole am Bosporus zusammengehalten, zeigte sich spätestens in der Episode "Das Ende des Alp Atakan" ein neuer Ansatz: auch aktuelle Entwicklungen in der Türkei in die Handlungen einzuflechten.
 

Besonders spielt dabei natürlich religiöser Extremismus eine Rolle, der sich unter Erdogan zu einem handfesten Problem entwickelt. Die Ergebnisse fielen in den Filmen aber sehr durchwachsen aus. Besonders der lahme und vor Klischees und Logikmängeln überfrachtete Zweiteiler "Im Zeichen des Taurus" erwies sich als Bauchlandung. Verglichen damit gelingt "Ein Dorf unter Verdacht" schon ein wenig besser, ohne sich allerdings wirklich von seinem Vorgänger absetzen zu können. Dazu zeigen sich bedenkliche Ansätze, Özakin zum Supermann zu entwickeln.

Allmählich zu smart

 
Schon in "Im Zeichen des Taurus" entließ er sich nach einer Verletzung lässig-locker aus dem Krankenhaus und bewegte sich uneingeschränkt dynamisch durch die Szenerie. Und kaum von seiner Frau getrennt, lernt er die attraktive Güzel kennen. Dass, was bisher ein Pluspunkt der Reihe war – mal einen Ermittler zu haben, der einfach Normalität ausstrahlt, statt mehr mit sich als mit seinem Fall beschäftigt zu sein – dreht sich allmählich ins Gegenteil. Kommissar Özakin wird zu cool – er könnte etwas mehr Feinabstimmung gebrauchen.
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