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TV-Kritik: "Ein Fall für zwei": Gut wie selten

Von Warum die Folge "Machtlos" einen Höhepunkt in der Neuauflage des Krimi-Klassikers darstellt. Und was Detektiv Leo Oswald mit Indiana Jones gemeinsam hat.
Christian Hinz (Andreas Guenther). Foto: Simon Schmejkal Christian Hinz (Andreas Guenther).
Das horizontale Erzählen – also das Ausspinnen von Geschichten über handelnde Charaktere über viele Folgen hinweg – hat längst Einzug in die Krimi-Landschaft gehalten. Nicht jedem gefällt das, mit gutem Grund: Oft drängen die Privatgeschichten der Ermittler die Fälle völlig an den Rand, was unter anderem den Tatort" Duisburg massiv beeinträchtigt. Aber es geht auch anders. Die Serie „Ein Fall für zwei“ beweist es, wie gut ein Krimi mit horizontaler Handlung werden kann, wenn die Drehbuchautoren sich richtig was einfallen lassen.  Dabei fällt diese Folge gleich mehrfach positiv auf.
 
Zum einen variiert sie mit viel Geschick die eingeführten Erkennungszeichen von Detektiv Leo Oswald (Wanja Mues). Wobei die Macher beim ZDF diesen Charakter ja ähnlich wie George Lucas und Steven Spielberg ihren Kino-Helden Indiana Jones aus bewährten Zutaten verschiedener klassischer Serien zusammengesetzt haben. Den Fedora-Hut und die Lederjacke hat Indiana Jones mit vielen Actionhelden aus Hollywoods Goldener Ära der 30er und 40er Jahre und den Comics und Groschenromanen der gleichen Zeit gemeinsam. Und seine Peitsche stammt von Zorro.

 Machtlos in der ZDF-Mediathek
 

Bewährte Zutaten für Leo Oswald

 
Ganz ähnlich Leo Oswald: Erlebt auf einem Hausboot wie Sonny Crocket aus "Miami Vice", trägt einen Parka wie "Tatort"-Kommissar Horst Schimanski und fährt einen offenen Ford Escort, in den er über die geschlossene Fahrertür hineinsteigt ähnlich wie Dr. Udo Brinkmann aus der ZDF-Serie "Schwarzwaldklinik" in seinen offenen  VW Golf. Aber diesmal kommt er von einem Auslandsaufenthalt zurück und sein Boot ist weg. Dazu muss er sich bei seiner Freundin Nele (Sina Tkotsch) neue Kleidung besorgen und zeigt sich diverse Male im feinen Zwirn.
 
Auch am Ende – und die letzte Szene, die Leo Oswald – dessen unklare Vergangenheit immer wieder in die Fälle hineinspielt – am Bett seiner Mutter zeigt, hält noch mal einen richtigen Haken zum Abschluss bereit. Aber auch der eigentliche Fall aus "Machtlos" ist guter Krimi-Stoff. Es geht um Ronny Kunze (Niklas Kohrt), einen abgewrackten Tablettenfreak, Messie und Mietnomaden, der seinen Vermieter Christian Hinz (Andreas Guenther) zum Wahnsinn treibt. Bis eine Gasexplosion in seiner Wohnung ihn fast das Leben kostet.
 

Bewegende Auflösung

 
Hinze gerät umgehend unter Verdacht – er hat genügend Motive dafür, Ronny den Gashahn aufgedreht und ihm damit eine Falle gestellt zu haben. Leo Oswald und Rechtsanwalt Benni Hornberg (Antoine Monot) bekommen allerlei zu tun, wobei „Machtlos“ seine Geschichte bemerkenswert dicht und zügig erzählt. Es gibt dann aber nicht nur fein herausgearbeitete Charaktere wie den Immobilienmakler Alexander Becker (Roman Knižka), sondern auch eine heftige Auslösung, die man nicht so schnell vergessen wird.
 
 
Es ist eine Handlung mit einer nahezu unaufhaltsamen tragischen Entwicklung. Aber sie überzeugt auch  durch die gute Besetzung: Gerade Andreas Guenther, unter anderem als Anton Pöschel aus dem Rostocker „Polizeiruf 110“ bekannt, geht in der Rolle des hilflos wütenden und darum zur Gewalt neigenden Familienvaters voll auf. Eine ähnliche Rolle hat er bereits in der Folge „Tödliche Fürsorge“ aus der Serie „Der Staatsanwalt“ verkörpert.
 
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