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"Ein Kommissar kehrt zurück": Fesselndes Psycho-Duell

Von Ein unaufgeklärter Mord lässt einen pensionierten Ermittler nicht ruhen. Uwe Kockisch und Silvester Groth spielen hier hervorragend gegeneinander an.
Kommissar Kovak (Uwe Kockisch, l.) verdächtigt den renommierten Physik-Professor Michael Adam (Sylvester Groth, r.) als Kindermörder. Foto: Daniela Incoronato Kommissar Kovak (Uwe Kockisch, l.) verdächtigt den renommierten Physik-Professor Michael Adam (Sylvester Groth, r.) als Kindermörder.

Innerhalb des Kriminalfilms gibt es quasi ein eigenes Untergenre: Der des gealterten Ermittlers, den ein alter Fall nicht loslässt. Bis zu seiner Pensionierung und manchmal auch darüber hinaus, so wie in diesem Film. Der unaufgeklärte Mord, der sich zur Obsession entwickelt. Der destruktive Kräfte freisetzt, Gespenster aus der Vergangenheit wieder lebendig macht. Gut gemacht, entwickeln solche Geschichte oft eine besondere Art von Heimtücke, etwa in "Das Mädchen aus dem Totenmoor".
 
 
Es ist zwanzig Jahre her, dass in einem Dorf ein zehnjähriges Mädchen ermordet wurde.  Kommissar Kovak (Uwe Kockisch) leitete die Ermittlungen, mit besonderem Focus auf Michael Adam (Silvester Groth), einem renommierten Physikprofessor. Doch die Ermittlungen wurden eingestellt – was Kovak der Beamtin Ella Schönemann (Sophie von Kassel) immer noch zum Vorwurf macht. Sie habe Angst gehabt, durch einen verlorenen Indizienprozess ihre Karriere zu ruinieren.
 
 

Der Ermittler wird zum Stalker

 
 
Denn jetzt kümmert sich der mittlerweile pensionierte Ermittler selbst wieder um den Fall, auf seine Weise. Er zieht in den Ort, in die Nähe des Professors, der sich kurz zuvor eine hübsche neue Freundin (Ulrike C. Tscharre) zugelegt hat. Er war verheiratet, aber die Ermittlungen gegen ihn haben seine Ehe zerstört. Kovak versucht gar nicht, sich vor Adam zu verbergen, ganz im Gegenteil: Er lauert ihm auf, spricht ihn an, geht als Patient zu seiner Freundin, die als Ärztin arbeitet. Er folgt Adam wie ein schlechtes Gewissen – denkt er.
 
 
Aber Adam schlägt zurück – mit den gleichen Mitteln. Es ist dieses Charakterduell zwischen zwei ausgezeichneten Schauspielern, die diesen Film weit über andere Krimis hinaushebt. Wie sie sich umschleichen, sich belauern, sich gegenseitig mit präzisen Informationen übereinander unter Druck setzen: Das ist Krimi-Handwerk vom Besten. Der Fall an sich wird da fast zur Nebensache. Es ist in beiden Fällen eine Frau, welche die beiden Männer so verwundbar macht.
 
 

Eine Affäre mit der Mutter des Opfers

 
 
Für Adam ist es seine neue Freundin, der er die Hintergründe verschweigt. Aber für Kovak ist es Rebecca Weiland (Jenny Schily), die Mutter des ermordeten Mädchens, mit der er eine heimliche Liebschaft pflegt, wovon wiederum ihr Mann Friedel (Oliver Stokowski) nichts ahnt. Das Spannungspotential, das die Geschichte aus diesen Verwundbarkeiten zieht, ist beachtlich. Es sind nur wenig handelnde Charaktere in diesem Spiel, und nichts lenkt von dem sich immer mehr steigernden Psycho-Duell ab.
 
 
Weil im Grund nur wenig passiert und die schon vom Typ her sehr gut besetzten Schauspieler ihre Emotionen sehr präzise dosieren, gewinnen selbst Kleinigkeiten eine starke Bedeutung. Wie etwa die Bruchbude, in die Kovak gezogen ist. Weniger eine Wohnung als vielmehr eine Zelle, den Büßerzellen in alten Klöstern nicht unähnlich. Ein finsteres Loch, dem nur ein Holzofen noch ein Funken Leben verleiht. So wie man annehmen muss, dass nur der unaufgeklärte Mord den pensionierten Kommissar noch am Leben hält. Dass nebenher auch noch ein wenig DDR-Geschichte in den Fall hineinspielt, verleiht der Geschichte noch dazu eine besondere Authentizität. Sehr sehenswert!
 

 Der Film in der Mediathek

 

 
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