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TV-Kritik: "Ein Mann unter Verdacht": Voller Raffinesse

Von Ein cleverer und wendungsreicher Plot, ein kräftiger Schuss Sex und die mit Spielfreude agierende Besetzung machen diesen Film sehr sehenswert.
Für welche Seite wird Lavinia (Petra Schmidt-Schaller) sich entscheiden? Foto: Marion von der Mehden Für welche Seite wird Lavinia (Petra Schmidt-Schaller) sich entscheiden?
Wenn in einem TV-Krimi am Anfang eine überaus gediegene Atmosphäre herrscht, wenn alles einen Eindruck macht wie von einem guten Set-Designer entworfen, wenn Gläser klingen, Champagner fließt und natürlich der Film was taugt, dann kann man sicher sein, dass da bald etwas zerbricht. Dass sich ein Traum als Alptraum herausstellen wird. Denn all das Gediegene soll ja dem Zuschauer im Wesentlichen verdeutlichen, dass es letztlich keine Sicherheit gibt und da jemandem ein Fall ins Bodenlose bevorsteht.

Den ganzen Film sehen Sie hier
 
So auch Architekt Thomas Altmann (Mark Waschke). Ein durchtrainierter Typ und auf den ersten Blick ein Erfolgsmensch wie aus dem Bilderbuch. Doch als seine Frau Anja (Deborah Kaufmann) spurlos verschwindet und er unter Verdacht gerät, sie getötet und die Leiche beseitigt zu haben, bröckelt die glanzvolle Fassade sehr schnell. Die spurlos Verschwundene hatte ein Alkoholproblem, Altmanns Schwiegervater (Hans Zischler) verachtete seinen Schwiegersohn und es heißt, Thomas Altmann habe eine Affäre gehabt.

Die Kunst der Andeutung

Thomas wirft im Gegenzug seinem Schwiegervater vor, er habe Anja als Kind unsittlich berührt. Aber kann man Thomas wirklich trauen? Er verstrickt sich in Widersprüche, und die Figuren um ihn herum sind ebenfalls undurchschaubar. Da ist seine Anwältin, die sehr attraktive Lavinia Bertok (Petra Schmidt-Schaller). Und da ist ein Ermittler-Duo, das ebenfalls ein seltsames Spiel zu spielen scheint. Andererseits könnten die Sätze, die sie wechseln, auch einfach nur Mutmaßungen sein, wie sie bei Polizisten eben vorkommen.
 
Eine klare Verdachtslage, eine überschaubare, aber gut herausgearbeitete Figurenkonstellation und  eine Menge Verdachtsmomente mal in die eine, dann wieder in die andere Richtung:  Es gibt viele Arten, einen Thriller zu drehen, aber diese ist bestimmt nicht die schlechteste. Zumal Drehbuchautor Stefan Kolditz und Regisseur Thomas Stuber die Kunst der Mehrdeutigkeit hier auf ein hohes Niveau führen: War die schöne Anwältin sowohl Thomas‘ als auch Anjas Geliebte? In die Blicke und Gesten von Thomas, Lavinia und Anja kann man alles hineininterpretieren, auch eine erotisch aufgeladene Ménage-à-trois.

Petra Schmidt-Schaller, die in ZDF-Montagsfilmen schon mehrfach glänzen konnte, macht vor diesem Hintergrund auch als kühl-beherrschte Femme fatale eine gute Figur. Sie agiert wie auch die anderen Schauspieler durchweg beherrscht und kühl, aber mit jenem gelegentlichen Zucken, die ein enormes inneres Brodeln vermuten lässt. Aber man wird einfach nicht schlau aus ihr. Auch aus Mark Waschke nicht, der wie auch als "Tatort"-Kommissar Robert Karow als schwer durchschaubarer Charakter agiert. Immer wieder geht es dabei um das Thema Vertrauen. Bis zum Schluss auch davon nichts mehr übrigbleibt. So wenig wie von der glanzvollen Fassade zu Beginn. Schön gemacht ist das!

 
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