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TV-Kritik: "Eine Sommerliebe zu Dritt“: Erotik light

Originell und gekonnt: Schon erstaunlich, wie locker der ARD-Film Dreiecksbeziehung und Bisexualität thematisiert.
Es kribbelt zwischen dem charmanten Bistrobetreiber Serge (Vladimir Korneev) und Jackie (Paula Kalenberg), die ihm mal schnell zur Hand geht. Foto: ARD Degeto/Erika Hauri Es kribbelt zwischen dem charmanten Bistrobetreiber Serge (Vladimir Korneev) und Jackie (Paula Kalenberg), die ihm mal schnell zur Hand geht.
Beziehungskomödien stehen regelmäßig am Freitagabend im Ersten auf der TV-Karte. Nur meist bleibt es, was das Resultat betrifft, beim achtbaren Versuch: Etwas Originelles oder gar zugleich Überzeugendes kommt selten dabei heraus. Nur allzu oft bleibt die Degeto-Unterhaltung im gewohnten Rahmen. Ausnahmen wie die Partnertausch-Komödie „Seitensprung mit Freunden“ (deren Premiere auf einen Samstag fiel) bestätigen eher noch die Regel.
 
„Eine Sommerliebe zu Dritt“ bildet jedoch eine weitere kräftige Ausnahme, und das obwohl sie schon in ihrem Titel den Inhalt zusammenfasst. Es geht um Jackie (Paula Kalenberg) und Martin (Florian Panzner), die wegen Martins Job als Messebauer und Teamleiter nach München umziehen. Bald gerät beider Leben kräftig durcheinander, und der Grund dafür ist der Bretone Serge (Vladimir Korneev), der eine Crêperie im Szeneviertel betreibt. Ein durchtrainierter Typ mit Dreitagesbart und wallenden Locken, halb Künstler und Genießer, halb Freibeuter.
 

Auch optisch viel savoir-vivre

 
Optisch ein ähnlicher Typ also wie Fritz Karl ihn als Lebemann in „Seitensprung mit Freunden“ spielte. Und inhaltlich ebenso: Serge flirtet Jackie unverhohlen an, französelt charmant, setzt gallische Leichtigkeit ein. Ein Element, dass der Film auch gekonnt optisch einbezieht, mit hübsch eingefangenen Lichtreflexen auf klingenden Gläsern, französischen Chansons, vielsagenden Blicken und Münchener Schauwerten. Passt insoweit auch gut zum Sendeplatz, als das ein kräftiger Schuss Touristenwerbung in vielen Freitagabend-Filmen der ARD zum Standard gehört.
 
Schadet ja nichts, im Gegenteil, zumal München optisch ja was zu bieten hat. Wie es weitergeht, ahnt man schnell, zumal Jackies Großmutter, die „Omma“ (Barbara Nüsse), ihre Enkelin in ihrer latenten Absicht zum Seitensprung noch bestärkt. Eine heftige Liebesszene zwischen Jackie und Serge ist darum vom Inhalt her keine echte Überraschung. Eher schon, wie gekonnt sie inszeniert ist und wie sehr Jackie bei alldem immer eine geerdete Person bleibt: Sie hat Gewissensbisse und man ahnt, dass es zu einem lauten Knall zwischen ihr und Martin kommen wird.
 

Wie Bisexualität glaubhaft wirkt

 
Was die Spannung trotz der mitunter dünnen Handlung auf erstaunlich hohem Niveau hält. Verblüffend auch, wie geschickt der Film die Auflösung in die Wege leitet (Drehbuch: Beatrice Meier), wie vorsichtig andeutend er Martins Bisexualität thematisiert – Serge bekennt sich völlig offen zu dieser Neigung – und wie er seinen Charakteren verschiedene Gedanken zu Ehe und Liebe in den Mund legt, ohne dem Zuschauer diese Ansichten aufzudrücken. Wie sich hier Leichtigkeit im Ton und Präzision im Ausdruck vereinen (Regie: Nana Neul), ist einfach richtig gut. Da passt sogar ein kräftiges und witziges Klischeebild, wenn gehauchtes Französisch gleich darauf auf ein krachledern-bayrisches „I mog Di“ trifft.
 
Sicher hätte Serge insgesamt etwas lebensechter ausfallen können: Er verkörpert ein wenig zu lässig und unkompliziert die vollkommene Leichtigkeit, um noch wirklich glaubhaft zu sein. Und auch in der Dreiecksbeziehung wäre mehr drin gewesen, hätte sich das Drehbuch noch eingehender auf das Trio eingelassen. Die Episode mit der Dirndl- und Lederschneiderei war schlicht überflüssig und reines Füllmaterial, auch wenn ein Dirndl Paula Kalenberg zweifellos hervorragend steht. Aber das ändert nichts daran, dass „Eine Sommerliebe zu Dritt“ einen der besten Freitagabend-Filme der ARD darstellt.
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