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TV-Kritik: "Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach": Sehr ermüdend

Von Der bisher letzte Film des schwedischen Regisseurs Roy Andersson versucht sich in Vieldeutigkeit, ödet aber nur an.
König Karl XII. (Viktor Gyllenberg, Mi.) unterbricht seinen Eroberungsfeldzug in einer Kneipe. Foto: Studio24/Les Films du Losange König Karl XII. (Viktor Gyllenberg, Mi.) unterbricht seinen Eroberungsfeldzug in einer Kneipe.
Nein, eine nachvollziehbare Handlung hat dieser Film nicht, auch wenn es dabei am Rande auch um zwei blasse und frustrierte Verkäufer von Scherzartikeln geht. Oder gleich zu Beginn um den Tod in verschiedenen Varianten: Erst schlägt er bei einem korpulenten Mann zu, der eine Weinflasche entkorken will, dann wird er bald eintreten bei einer alten Frau, die im Sterben liegt und ihren Schmuck in einer Tasche in den Himmel mitnehmen möchte. Sie wimmert und wehrt sich, als ihre Kinder ihr die Tasche wieder wegnehmen wollen.
 
Im dritten Sketch hat er sich sein Opfer schon geholt. Das Opfer liegt in einer Art Bistro am Boden und es geht darum, wer nun das bereits bezahlte Krabbenbrötchen und das Bier des Toten bekommen soll. Es ist kaum zu übersehen: Roy Andersson; Regisseur und Autor dieses Werks, besitzt eine gewisse Affinität zu den dunklen Seiten des Lebens, dem Tod etwa. Die Farben sind denn auch durchweg verblasst, ausgewaschen wie lange zurückliegende Erinnerungen.
 

Statische Tristesse

 
Und die Sketche alle in einer einzigen Kameraposition aufgenommen, die stets die Protagonisten und ihre Umgebung einfängt. Andersson hat den Film komplett in einem Gebäude gedreht, in dem sich seit 30 Jahren seine Produktionsfirma befindet. Jahrgang 1943, gelang zwar bereits im Jahr 1970 mit "Eine schwedische Liebesgeschichte" der Durchbruch. Nach dem Scheitern seines nächsten Films an der Kinokasse konzentrierte er sich aber auf Werbeclips.

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Wie eine Aneinanderreihung von versuchten Werbespots aus den 1970er Jahren wirkt auch „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“ bisweilen. Nach speziellen Pointen und Aussagen zu suchen ist dabei zwecklos: Es sind quasi kleine Miniaturgemälde zu Tristesse und Verzweiflung. Das besitzt bisweilen einen absurd anmutenden Humor wie beim Auftritt des schwedischen Königs Karl XII, der vor rund 300 Jahren im Großen Nordischen Krieg gegen Peter den Großen den Kürzeren zog.
 

Karl XII in einer Bar

 
Was ihn und ein paar Männer aus seiner Armee in dem Film aber nicht daran hindert, sich in einer aktuellen Vorstadt-Bar breitzumachen. So ähnlich könnte man sich das zwar auch bei Monty Python vorstellen. Allerdings dürfte es vielen Zuschauern nicht leicht fallen, bis zu diesem Moment durchzuhalten. Die fehlenden Pointen der kleinen Geschichten in Verbindung mit der vollkommenen Statik der Bilder verbreiten schon bald mehr als nur einen Hauch von bleierner Langweile.
 
Anderssons Film stellt seine Tristesse in den Vordergrund, ohne dass er je erläutert, worum es dabei eigentlich geht. Der Regisseur täuscht philosophische Ansätze und Bedeutungsschwere vor, die er aber an keiner Stelle je einlöst. Das hinterlässt am Ende ein ziemlich unbefriedigendes Gefühl. Und daran ändern auch der Goldene Löwe bei den Filmfestspielen von Venedig und der Europäische Filmpreis von 2015 für die beste Komödie nichts, die Anderssons Film beide gewonnen hat.  
 
 
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