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TV-Kritik: "Eine gute Mutter": Mütter auf Abwegen

Von Der Titel ist reine Ironie. Vom erweiterten Suizid bis zum Esoterik-Wahn: Hier agieren Mütterfiguren durchweg am Rande des Nervenzusammenbruchs.
Ohne Erotik: Ronny (Gerdy Zint) und Mona (Petra Schmidt-Schaller) kennen sich nur flüchtig – und haben dennoch gleich Sex miteinander. Foto: (NDR Presse und Information) Ohne Erotik: Ronny (Gerdy Zint) und Mona (Petra Schmidt-Schaller) kennen sich nur flüchtig – und haben dennoch gleich Sex miteinander.
Eine gewisse Kongruenz ist unverkennbar: In "Fürchte dich", dem Grusel-"Tatort" vom letzten Sonntag, ging es im Kern um die Wiederkehr einer Mutter als Horrorgestalt – einer zahnlosen Hexe wie im Schauermärchen. Was dramaturgisch ziemlich holzhammermäßig konstruiert war, handelte es sich bei dem Geist doch um eine Frau, die bei der verzweifelten Suche nach ihrem vermeintlich verschwundenen Sohn tödlich verunglückte.
 
Aber zusammen mit dem Motiv des Brudermords am Ende wohl verdeutlichen sollte, dass das wahre Grauen mitunter in der eigenen Familie liegt. Davon könnte in "Eine gute Mutter" auch Mona Doermer (Petra Schmidt-Schaller ein Lied singen. Die Mutter mit zwei Kindern zeigt sich schon am Anfang ziemlich überfordert, auch nur im halbwegs passablen Zustand den Bus zu erwischen. Angebotene Lebensmittel und Süßigkeiten für die Kinder lehnt sie streng ab, aber sie mischt ihren Kindern zerstoßene Tabletten in die Abendmilch.
 

Die Mutter mit Wikinger-Tick

 
Sie reist in das windige Kaff am Meer, um ihre Mutter zu beerdigen, sagt sie. Dabei erfreut ihre Mutter sich bester Gesundheit. Mona will sich schlichtweg umbringen und ihre Kinder gleich mit. Doch dann ist ihre Tochter Marlen (Lisa Marie Trense) spurlos verschwunden, was die Oberkommissarin Greta Burmeester (Mina Tander) auf den Plan ruft. Auch die hat Stress mit ihrer Mutter Elsbeth (Judy Winter), die sich mit Runen bemalt und im Ruderboot nach Walhalla treiben lassen will.
 
Und natürlich herrscht auch bei Mona ein gespanntes Mutter-Tochter-Verhältnis, nicht nur zwischen Mona und ihren Kindern, sondern auch zwischen Mona und ihrer Mutter Judith (Jenny Elvers).  Greta Buremester ist noch dazu schwanger, denkt aber daran, ihr Kind abzutreiben. Mütter gibt es also reichlich in diesem Drama, und doch kommen mütterliche Gefühle überall zu kurz. Natürlich auch zwischen Judith und ihrer Tochter, wenn die Mutter sich bei einer Unterredung auf der Wache eiskalt gibt.

 
Die Tochter galt als "Matratze"

 
Sie trägt ihrer Tochter immer noch nach, dass die sich einst schon mit 14 Jahren den Spitznamen "Matratze" erarbeitet hatte. In der Figurenzeichnung trägt der Film also phasenweise schon etwas dick auf, zumal hier noch der zugewucherte Axel Milberg als voyeuristischer Hotelbesitzer agiert. Aber die Geschichte funktioniert, weil sie eine schmerzliche Wahrheit hautnah vermittelt: In der Familie fühlt man sich nackt.
 
Im schlimmsten Fall kann man hier nämlich niemandem mehr etwas vormachen, da hilft auch keine professionelle Distanz mehr. Schlimm genug, wenn man sich selbst ein Versagen eingestehen muss. Aber noch schlimmer, wenn man sich vor der Familie, vor der Mutter dazu bekennen muss. Das Drehbuch fährt hier Szenen von qualvoller Intensität dazu auf. Besonders, wenn Mona nach dem Besuch ihrer Mutter bei der Polizei wie verrückt hinter ihr herrennt.
 

Die Zombie-Mutter

 
Bei aller Psycho-Dramatik passt hier Figurenzeichnung und Krimi ziemlich gut zusammen. Das Ergebnis wirkt deshalb weit schlüssiger und nachvollziehbarer als in "Fürchte dich". Und Petra Schmidt-Schaller gerät schauspielerisch in Hochform, wenn sie optisch wie eine Mischung aus Junkie samt Kippe und Pulle und Zombie mit schwarzumrandeten Augen das Unglück geradezu anzuziehen scheint.
 
Es gehört zwar auch zu den Übertreibungen des Films, wenn Mona sich etwa mit einem Schausteller (Ronny Zink) einlässt, den sie erst kurz zuvor kennengelernt hat. Aber man nimmt Schmidt-Schaller diese Szene ab. Es geht dabei ziemlich leidenschaftslos und unromantisch zu, nichts als eine kalte und schnelle Nummer zwischendurch. Man kann sich vorstellen, wie Mona zu ihrem Spitznamen gekommen ist: Nicht aus Lust, sondern weil sie keinen anderen Weg zur Kommunikation hatte.
 
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