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TV-Kritik: "Einer für alle, alle für Rostock": Fast die Bestnote

Von Der neue "Polizeiruf 110" fesselt durch eine schillernde Milieustudie mit jeder Menge an Knalleffekten. Und eine ebensolche Liebesgeschichte.
In der Ultra-Szene herrschen knallharte Regeln für jeden, der dazugehören will: Stefan Momke (Lasse Myhr) und Jan Ahrens (Till Wonka) wissen das. Foto: NDR/Christine Schroeder In der Ultra-Szene herrschen knallharte Regeln für jeden, der dazugehören will: Stefan Momke (Lasse Myhr) und Jan Ahrens (Till Wonka) wissen das.
Endlich mal wieder ein Sonntagskrimi mit richtig guter Action! Rabiate Schlachtgesänge, drahtige Muskelpakete unter schweißglänzender Haut voller Tätowierungen, Schlägereien und Dreck: Willkommen in der Welt der radikalen Fußballfanatiker, der Hooligans und der Ultras. In dieser wird ein Teilnehmer an einer Schlägerei bei seiner Flucht vor der Polizei vor einen LKW geschubst, was er nicht überlebt.
 
Die Kommissare Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Alexander Bukow (Charly Hübner) stoßen bald auf Stefan Momke (Lasse Myhr), der gerade aus dem Knast kommt und schnurstracks wieder Verbindung zu seiner alten Flamme Doreen (Lana Cooper) aufnehmen will. Doreen lebt mittlerweile mit einem Sohn und neuem Mann und zeigt sich wenig geneigt, sich noch einmal auf Momke einzulassen.

Regeln wie beim Turnier im Mittelalter

Die Vergangenheit der beiden steht in Verbindung mit einem Polizisten, der Jahre zuvor bei einer Schlägerei zwischen Ultras ins Koma geprügelt wurde. Während die Fahnder versuchen, aus der komplizierten Verbindung der beiden und der Ehefrau des im Wachkoma liegenden Polizisten schlau zu werden, kämpfen sie zudem mit ihren eigenen Geschichten: Bukow mit seiner zerbrochenen Ehe, Katrin König mit einem Notwehr-Exzess.

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Es ist ein seltsames Milieu, in das der neue "Polizeiruf 110" aus Rostock die Zuschauer führt. Eine absonderliche Mischung aus brachialen Ritualen, brachialer Gewalt und archaischen Regeln wie bei mittelalterlichen Turnieren: Wer bei einer Schlägerei am Boden liegt, wird nicht mehr behelligt und bei der Polizei wird nicht gepetzt, egal, was passiert. Auch nicht bei einem verbrannten Fuß. Das Dazugehören, das Teilhaben an der Szene macht einen Großteil des Lebensgefühls aus.

Das Gefühl, Teil einer Szene zu sein

In diesem Punkt unterscheiden sich Ultras und Polizisten gar nicht mal wesentlich. Auch in der Beziehung zwischen Doreen und Momke kommt dieses Lebensgefühl zum Tragen. Die schillernde Mixtur aus  erloschener Liebe, sadomasochistischer Anziehung und Aggression entwickelt einen ungeheuren erzählerischen Sog, woran auch Lana Cooper und Lasse Myhr erheblichen Anteil haben. Diese Beziehung bildet auch den stärksten Teil dieses Krimis.
 
Mindestens ebenso gelungen zeigt sich die optische Umsetzung von Regisseur Matthias Tiefenbacher, der sich offenbar die Werke des US-Filmemachers Walter Hill ("Die Warriors") ziemlich genau angeschaut hat. Oder von John Frankenheimer: In dessen Thriller "Dead Bang – Kurzer Prozess" muss sich ebenfalls ein alkoholisierter Polizist nach einer wilden Rennerei übergeben.

Kleine Schwäche am Ende

Auch wie der Plot die Anziehung zwischen Doreen und Momke mit der Arbeit der Polizei verknüpft, verdient höchstes Lob. Nur das Ende und die Auflösung fällt gegenüber dem Rest ein wenig ab: Den Polizisten, der seinen Kameraden Jahre zuvor im Stich ließ, zieht das Drehbuch doch ziemlich unvermittelt aus dem Hut. Das ist aber nur eine lässliche Sünde, wenn der Rest so überzeugt wie hier.
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