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TV-Kritik: "Eins ist nicht von dir": Viel zu prätentiös

Von Falsch besetzt, holprig konstruiert und lahm erzählt: So verschenkt die ARD-Komödie trotz mancher guter Einfälle ihr Potential zu einer guten Geschichte.
Einer der besseren Momente des Films ist die Begegnung Ulis (Michael Gwisdek) mit einer würdevollen gealterten Prostituierten (Ursula Monn) in einer Bar. Foto: ARD Degeto/Nik Konietzny Einer der besseren Momente des Films ist die Begegnung Ulis (Michael Gwisdek) mit einer würdevollen gealterten Prostituierten (Ursula Monn) in einer Bar.
Eigentlich hätte da ja ein richtig guter Film herauskommen können. Die Idee klingt ja schon mal recht verheißungsvoll: Uli (Michael Gwisdek), frisch pensionierter Flugkapitän und ehemaliger Schwerenöter, wird beim Eintritt ins Rentenalter von seinen Kollegen mit einer Abschiedsparty überrascht. Zuhause wartet seine Frau Heidemarie (Barbara Schöne) mit einem festlichen Essen. Uli versucht nochmal, bei einer Stewardess zu landen, wird jedoch abgewiesen: Er ist sieben Jahre älter als ihr Vater.

Als er nach Hause kommt, liegt seine Ehefrau nach einem Herzinfarkt im Sterben: "Eins ist nicht von Dir" haucht sie - und stirbt. Drei Kinder haben Uli und seine Frau in die Welt gesetzt, die er nun alle der Reihe nach abklappert und sich von ihnen mit allerlei Tricks eine Gen-Probe für den Vaterschaftstest besorgt: Thomas (David Rott), eleganter Karrierist, verlobt mit Jessica (Karolina Lodyga), die er aber - wie Uli glaubt - mit einer anderen Frau betrogen hat.
 

Reise mit Geist der verstorbenen Frau

 
Der kam schon mal ganz nach ihm, ist sich Uli sicher. Dann wäre da noch Tochter Bettina (Petra Kleinert), übergewichtig, duldsam und unglücklich. Und Sohn Christian (Andreas Guenther), ebenfalls unzufrieden, weil er sich als Hausmann um zwei kleine Kinder kümmert, während seine Gattin als Ärztin Karriere macht. Natürlich sind am Ende alle einen Riesenschritt weiter: Uli, ständig begleitet vom spöttelnden Geist seiner Frau, erklärt, viel falsch gemacht zu haben, Thomas heiratet und Bettina lässt sich scheiden.
 
Ach ja, und natürlich sind doch alle drei Kinder von ihm. Das alleine wäre noch kein allzu großes Problem. Leider fangen die Probleme aber schon beim Hauptdarsteller an: Michael Gwisdek kann sicher gut Komödie, aber einen ehemaligen Frauenhelden nimmt man ihm, der wie ein freundlicher Großvater rüberkommt, leider nicht ab. Gwisdek agiert sehr phlegmatisch, und das strahlt im Handlungsverlauf immer stärker auf die Geschichte aus und nimmt ihr die Glaubwürdigkeit.
 

Holprig konstruierte Geschichte


Zumal sich der Plot als ziemlich unbeholfen konstruiert erweist. Uli führt ständig Gespräche - besser Selbstgespräche - mit seinem Hund oder seiner verstorbenen Frau. Immer wieder tauchen potentiell interessante Figuren auf, die dann aber weiter keine Rolle mehr spielen: So eine gealterte Prostituierte (Ursula Monn) oder ein schwuler Freund seiner Frau. So verschenkt der Film leichtfertig sein Potential, denn es gibt gefühlvolle Momente und intelligent verpackten Witz: Etwa wenn sich Sohn Christian mit seiner Frau streiten - quasi mit verteilten Rollen.


Als am Ende Uli vor seinen Kindern seine Beichte ablegt, wirkt das dann aber leider nur noch ungeheuer prätentiös. Die Verbindung aus Reisefilm und besinnlicher Komödie gerät durch zu gemächliches Erzähltempo, die verschenkten Nebenfiguren und die Fehlbesetzung Ulis mit Gwisdek aber schon lange vorher in eine Sackgasse, aus der sie nicht mehr herausfindet.
 
 
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