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TV-Kritik: "Ellas Baby": Erwachsenwerden ist manchmal schwer

Von Die Schwangerschaft des Teenagers Ella beschert verursacht im Leben ihres Vaters ein kräftiges Durcheinander. Und ergibt einen der besten Freitagsfilme überhaupt.
Es klappt nicht: Roman (Benno Fürmann) und Ariane (Katharina Schüttler) versuchen verzweifelt, ein Baby zu bekommen. Foto: ARD Degeto/Reiner Bajo Es klappt nicht: Roman (Benno Fürmann) und Ariane (Katharina Schüttler) versuchen verzweifelt, ein Baby zu bekommen.
Ein Ausspruch, der die fröhliche Runde zum Gefrieren bringt: "Ich bin schwanger!" Das werdende Leben in ihrem Bauch hat Ella (Tijan Marei) von einem Aufenthalt in Frankreich mitgebracht. Der Vater heißt Pierre, sonst weiß sie herzlich wenig von ihm. Es ging ihr dabei nicht um die große Liebe, genauer betrachtet nicht einmal um guten Sex: Es ging darum, das erste Mal und damit einen wichtigen Schritt ins Erwachsenenleben – oder zumindest das, was man so dafür hält - hinter sich zu bringen.
 
Dazugehören, Teil einer Szene zu werden: Vom Erwachsenwerden als endlosem Prozess handelt im Prinzip auch der ganze Film. Auch Ellas Vater Roman (Benno Fürmann) gründete seine Familie, bevor er wirklich im Berufsleben angekommen war. Sehr zum Ärger seines eigenen Vaters Karl (Peter Franke). Auch Roman will etwas hinter sich bringen, woran ihm nicht wirklich etwas liegt und eigentlich auch nur, um dazuzugehören: seine Führerscheinprüfung, wobei er ebenfalls eine Menge Chaos verursacht.

Wie sich die Lebensentwürfe überschneiden

Ansonsten bestreitet er seinen Lebensunterhalt als Fahrradhändler und Tüftler, und man kann sich vorstellen, dass er mit diesem Lebensweg für seinen Vater ebenso eine Enttäuschung war wie jetzt seine Tochter Ella für ihn. Überhaupt ist es eine der vielen Stärken dieses Films, dass Autorin Elena Senft in ihrem Drehbuch die Lebenswege und Erwartungen ihrer Figuren sehr spannungsreich miteinander verflochten hat.

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Ellas Mutter hat ihre Familie längst verlassen, der Vater sich eine Freundin zugelegt. Die Zahnärztin Ariane (Katharina Schüttler) bemüht sich sehr darum, so etwas wie die ältere Freundin Arianes zu werden, aber die lebt in ihrer eigenen Welt, in ihren eigenen Problemen. Eine besonders schöne Szene: Nach ausführlichen Erklärungen ihrerseits merkt Ariane plötzlich, dass Ella ihr gar nicht zugehört hat, nicht zuhören konnte: Sie hatte unter ihren langen Haaren noch ihre Kopfhörer im Ohr.

Wenn die Freundin neidisch auf das Unglück der Tochter wird

Von solchen fein beobachteten und perfekt in die Handlung eingearbeiteten Details gibt es in dem Film ziemlich viele. Sie verleihen den Figuren ein beträchtliches Identifikationspotential. Die Lebenswelt von Teenagern und ihren Eltern überschneiden sich dabei auf bizarr-humorige Weise. Roman möchte mit seiner Freundin Ariane gerne noch ein Kind und unternimmt erhebliche Anstrengungen in Sachen Familienplanung, aber der Erfolg will sich nicht einstellen.
 
Wie hier die Geschichte allein schon das Annähern zwischen Ella und Ariane aufgebaut hat, entwickelt einen richtig starken Sog. Ariane wird neidisch auf Ellas Schwangerschaft, sie wollte mit Roman eine eigene Familie gründen. Aber Erwachsenwerden hat auch mit dem Begraben von Wünschen und Illusionen zu tun – und oft auch mit dem Begraben von lieben Menschen. Das Drehbuch gestaltet diesen Prozess mit vielen sensiblen und hintergründig-komischen Dialogen und Szenen. So, wenn Roman seiner Tochter am Esstisch ein Gurkenglas öffnet.
 
So einfühlsam wie das Buch zeigt sich auch die Regie. David Dietl, ein Name, der verpflichtet: Schließlich hat sein Vater Helmut Dietl dem deutschen Fernsehen mit "Monaco Franze" und anderen Serien und Filmen etliche Höhepunkte geschenkt. Er hätte Grund, stolz auf seinen Sohn zu sein: Zusammen mit der hervorragend agierenden Besetzung ist David Dietl einer der besten ARD-Freitagsfilme überhaupt gelungen.
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