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TV-Kritik: "Eva über Bord": Was alles schieflief

Von Einerseits toll, dass sich die ARD mal an dieses Genre wagt. Das Ergebnis kann aber nur eingeschränkt überzeugen.
Abenteuer in ferner Exotik, gedreht in Thailand: Eva (Julia Hartmann) und Nik (Stephan Luca) fliehen durch den Dschungel. Foto: ARD Degeto/Thanaporn Arkmanon Abenteuer in ferner Exotik, gedreht in Thailand: Eva (Julia Hartmann) und Nik (Stephan Luca) fliehen durch den Dschungel.
Was, eine Abenteuer-Komödie am Freitagabend in der ARD? Na, die trauen sich was von der Degeto. Das Genre kam in den achtziger Jahren zur großen Blüte, als Steven Spielberg mit "Jäger des verlorenen Schatzes" die Comics, Serials und Pulp-Magazine wie "Adventure" von der Stummfilmzeit - Fritz Langs "Die Spinnen" - bis in die Fünfziger wiederaufbereitete und einen Megahit an der Kinokasse landete. Anschließend versuchten unzählige Filmemacher, sich an die Fersen von Indiana Jones zu heften. Tom Selleck, ursprünglich als Indy vorgesehen, begab sich auf die "Höllenjagd bis ans Ende der Welt", Michael Douglas und Kathleen Turner waren "Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten".
 
Einen solchen trägt auch die naive Reporterin Eva (Julia Hartmann) um den Hals: Es handelt sich um die gepresste Asche ihres verstorbenen Hundes. Auch sonst versucht der Film erst gar nicht, seine großen Vorbilder zu leugnen: Schon während des Vorspanns trällert die Melodie von Cole Porters "Anything goes", der auch "Indiana Jones und der Tempel des Todes" von 1984 einläutet – für manche der Höhepunkt dieses Genres schlechthin. An dessen Qualitäten reicht "Eva über Bord" natürlich nicht heran.

Auch Polanski beging diesen Fehler

Die Versatzstücke des Genres haben Drehbuch und Regie allerdings gar nicht mal schlecht zusammengefügt. Es ist vieles da, von der naiven Heldin  -  Julia Hartmann als klassische bedrängte Schönheit – über Stephan Luca als muskulöser und bärtiger Macho-Held bis zu schwüler Exotik. Als Bösewichter tritt eine Bande malayischer Piraten in Erscheinung. Wer das Genre aber wirklich liebt und in den achtziger Jahren ausgiebig studierte, merkte schon damals schnell, dass es gar nicht so einfach ist, seinen Regeln gerecht zu werden.
 
Nicht selten kamen sogar innerhalb einer Reihe qualitativ extrem unterschiedliche Werke heraus: Zwischen "Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten" und dessen Fortsetzung "Auf der Jagd nach dem Juwel vom Nil" liegen Welten.  Und auch "Eva über Bord" hat einigermaßen zu kämpfen. Der Film leidet darunter, dass er sein Abenteuer-Genre nicht wirklich ernst nimmt. Ein Fehler, den auch schon ausgerechnet ein Regisseur vom Format eines Roman Polanski mit seinem Riesenflop „Piraten“ beging.

Nur Spaß statt Spannung

Es gehört nämlich weit mehr zum Konzept eines guten Abenteuerfilms als nur turbulente Bewegung: so etwa Gefühle von echter Gefahr, Situationen, die wirklich lebensgefährlich anmuten, ein gewisser wohliger Gruselfaktor. Spielberg oder in Romanform ein Autor wie George MacDonald Fraser mit seinen "Flashman"-Büchern haben diese Regeln immer eingehalten. Andere dagegen haben sie ignoriert. Ein Film kann auf diese Weise aber auch bei hohem Aufwand keine Spannung erzeugen, mit fatalen Folgen: Schnell wirkt die erstrebte Turbulenz nur noch bemüht und angestrengt.
 
Das Problem wird in diesem Film schon im Auftakt ersichtlich, wenn Julia Hartmann durch den Dschungel rennt mit bewaffneten Verbrechern hintendran. Ihr gesprochener Kommentar dazu soll ironisch wirken, klingt aber eher flau und beraubt die Szene auch noch umgehend ihrer Wirkung. Ein Auftakt mit Signal: Statt sich wirklich auf das Abenteuer-Genre einzulassen, reiht der Film nämlich eine Kette an müden Witzen aneinander. Selbst eine Szene mit einer sich übergebenden Heldin fehlt nicht.

Einiges passt schon

Dazu kommen dramaturgische Unzulänglichkeiten: Es passiert zu viel und zu schnell, eine Dramatik versprechende Szene wie ein Seesturm wird nur angerissen und abgehakt statt in der Geschichte wirklich eine Rolle zu spielen. Allerdings ist "Eva über Bord" nicht völlig misslungen. Einige Momente etwa mit Treibsand und Ballonflug lassen schon erahnen, was da möglich gewesen wäre, und Julia Hartmann und Stephan Luca präsentieren sich in bester Spiellaune.
 
Auch die Musik klingt nicht schlecht: Sie lehnt sich an die Klänge von Indiana-Jones-Komponist John Williams an, findet aber einen eigenen Stil. Passt aber auch nicht immer zu den Szenen, die sie untermalt. Fans solcher Filme dürften sich das insgesamt durchdachter und auch etwas erwachsener wünschen. Aber immerhin ein achtbarer Versuch.
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