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TV-Kritik: "Ex Machina": Ein "Tatort" war besser

Von Das Regie-Debüt von Alex Garland beschäftigt sich mit einem klassischen Science-Fiction-Thema. Warum dabei trotz guter Geschichte der Funken nicht überspringen will.
Der weibliche Android Ava (Alicia Vikander), der mit künstlicher Intelligenz ausgestattet ist, wird am Ende gefährlich. Foto: Liam Daniel Der weibliche Android Ava (Alicia Vikander), der mit künstlicher Intelligenz ausgestattet ist, wird am Ende gefährlich.
Das Thema ist so alt wie der Science-Fiction-Film selbst: Spätestens mit der von Brigitte Helm gespielten Maschinenfrau in Fritz Langs Monumentalepos "Metropolis" haben Roboter und künstliche Intelligenzen mitunter auch etwas Verführerisches, um nicht zu sagen Erotisches. Das gilt auch für Ava (Alicia Vikander). Der Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson) soll sie eine Woche lang auf ihr Denkvermögen testen.
 
Calebs Arbeitgeber Nathan, Firmengründer der Internet-Suchmaschine Buebook, hat sie entwickelt. Nathan erscheint so ganz anders als der auf den ersten Blick so nüchterne und sachliche Caleb; Oscar Isaac verkörpert ihn als trinkfesten und seine Muskeln trainierenden Kumpeltyp. Dieser Kumpeltyp weiß aber genau, wo Calebs Schwächen liegen: Er hat Ava exakt nach Calebs pornographischen Vorlieben anhand von dessen Suchmaschinen-Anfragen gestaltet, wie er Caleb am Ende gesteht.
 

Roboterfrau genau nach Wunsch gestaltet

 
Das Potential für bösartige Schlusspointen dieser Art liegt im Thema und hat filmhistorische Vorbilder wie etwa die durch Roboter ersetzte Ehefrauen in "Die Frauen von Stepford" nach dem Roman von Ira Levin. Am Ende von Michael Crichtons Regie-Debüt "Westworld" rettet der Held inmitten amoklaufender Roboter eine gefangene Frau und will ihr gegen ihren Widerstand Wasser zum Trinken geben.
 
Doch auf die Gerettete hat der Schluck Wasser eine vernichtende Wirkung – auch sie selbst war ein Roboter. Als Retter fühlt sich auch Caleb gegenüber Ava, die ihn im Laufe von nur einer Woche so weit in ihren Bann ziehen kann, dass er sogar mit ihr fliehen will. Insgesamt ergibt sich eine nicht neue, aber immer noch faszinierende Figurenkonstellation: Ein schillerndes Beziehungsdreieck zwischen Schöpfer Nathan, seinem Geschöpf Ava und dem jungen und dem unerfahrenen Caleb.
 

Leblose Parabel

 
Leider schöpft Regisseur Alex Garland, der auch das Drehbuch zu seinem Film verfasste, das Potential bei weitem nicht aus. Unter anderem ist es die optische Gestaltung, die einen echten Zugang zu "Ex Machina" und seinen Figuren verhindert: Sie wird durchgehend von einer sterilen, artifiziellen Kargheit geprägt, die dem Geschehen wohl einen kühl-eleganten Hintergrund verpassen soll. Doch  der Film kommt dadurch weniger als eine erzählte Geschichte an sich  zu Geltung.
 
Stattdessen wirkt "Ex Machina" vor allem als Parabel auf die Zusammenhänge zwischen Emotion, Verführung – wer kontrolliert und verführt hier eigentlich wen? - Moral und Humanität. Im Vergleich zu "Westworld", der sich inhaltlich wie optisch auch als dreckiger kleiner B-Film gibt, fällt "Ex Machina" deswegen deutlich ab. Schon das Szenario des riesigen Anwesens in einsamer Wildnis, das nur per Hubschrauber erreichbar ist, wirkt wie aus einem Katalog. Zu einem so vitalen und virilen Kraftprotz wie Nathan passt das nicht.
 

Auch der Schluss befriedigt nicht

 
Die Geschichte an sich zeigt sich durchaus clever aus den Versatzstücken des Genres zusammengesetzt. Dem Film jedoch mangelt es an Leben. Daran können auch die recht guten Spezialeffekte nichts ändern. Und dass am Ende die Roboterfrau ohne weitere Probleme aus dem Anwesen flüchten kann, kann ebenfalls nicht befriedigen. Das Thema der künstlichen und sich verselbständigenden Intelligenz mit erotischer Note wurde sogar in einem "Tatort"-Experimentalfilm schon besser umgesetzt: in "Echolot" mit Adina Vetter.
 
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