Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 21°C

TV-Kritk: "Falsche Siebziger": Heimatfilm als knallböse Groteske

Von Was machen, wenn man die Rente eines Verstorbenen noch gut gebrauchen könnte? Man lässt ihn wieder auferstehen – und geht dabei über Leichen.
Der Tod hält hier reiche Ernte. Vom links: Sebastian Bezzel (Hubertus Hochstetter), Gundi Ellert (Falsche Anna / Vevi Schlattner), Fred Stillkrauth (Cajetan Hochstetter / Johannes Tiefenbach), Kathrin von Steinburg (Iris Schranner), Markus Krojer (Daniel Hochstetter), Gerhard Wittmann (Karl Kainz), Ilse Neubauer (Kath Kainz / Marlies Braun). Foto: Bild: BR/h & v entertainment GmbH/Raymond Roemke Der Tod hält hier reiche Ernte. Vom links: Sebastian Bezzel (Hubertus Hochstetter), Gundi Ellert (Falsche Anna / Vevi Schlattner), Fred Stillkrauth (Cajetan Hochstetter / Johannes Tiefenbach), Kathrin von Steinburg (Iris Schranner), Markus Krojer (Daniel Hochstetter), Gerhard Wittmann (Karl Kainz), Ilse Neubauer (Kath Kainz / Marlies Braun).

Nein, auf dem Land herrscht keine Idylle. Schon im alten Heimatfilm nicht, dort ging es zwischen Grafen, Wilderern und Bauern eher zu wie im Wilden Westen. Und im neueren Heimatfilm, eher an der Gegenwart als an Ganghofer orientiert, ebenso wenig. Da haben die Leute mit Arbeits- und Perspektivlosigkeit zu kämpfen. Und wenn es richtig dick kommt, auch noch mit einem Berg Schulden. So wie Hubertus (Sebastian Bezzel), der regelmäßig Besuch von einem Strizzi samt Handlanger bekommt.

Film verpasst? Hier geht es zur Mediathek
 
Dem schuldet er nämlich viel Geld, was ihm der geistig nicht allzu helle Handlanger zum Auftakt des Films auch nachdrücklich zur Erinnerung bringt. Und Regisseur Matthias Kiefersauer (auch Drehbuch zusammen mit Alexander Liegl) liefert mit diesem Einstieg schon mal ein echtes Glanzstück an richtig bösem Witz. Und legt später noch einmal kräftig nach, wenn Hubertus‘ Vater (Fred Stillkrauth) samt einer Bekannten (Ilse Neubauer) durch einen Fahrfehler seines Enkels Daniel (Markus Krojer) ums Leben kommt.
 

Der Trick mit den Doppelgängern

 
Der Vater hatte indessen eine üppige Rente, die der abgebrannte Filius gut hätte gebrauchen können. Da außer den beiden auch Anna (Gundi Ellert) kürzlich verschieden ist, verfallen die Hinterbliebenen auf einen ganz schlauen Dreh: Sie melden den Tod ihrer Angehörigen nicht, sondern lassen sie weiterleben und engagieren jeweils Doppelgänger, um die Geschichte auch nach außen hin glaubwürdig zu verkaufen.
 
So kommen also Vevi, Marlies und Johannes hinzu, ebenfalls von Ellert , Neubauer und Stillkrauth gespielt. Aber auch wenn es jetzt neue Protagonisten gibt, die Probleme bleiben erstmal dieselben. Was Kiefersauer aus der grotesken Ausgangssituation macht, nötigt dabei Bewunderung ab. Um die Mitte herum schwächelt der Film leider ein wenig. Da hat Kiefersauer das Potential des bösen Geldverleihers und seines Handlangers leider nicht wirklich erkannt.

 
Zum Ende immer fieser

 
Gegen Ende zieht er dann aber in Sachen Witz und Spannung noch einmal kräftig die Schraube an: Bei den drei Toten vom Anfang bleibt es nicht. Den Schauspielern ist das Vergnügen an der giftigen Satire deutlich anzumerken. Vor allem Sebastian Bezzel, als Franz Eberhofer in den Rita Falk-Verfilmungen öfters mal eine Spur zu lakonisch angelegt, kann sich hier als deutlich facettenreicherer Schauspieler präsentieren.
 
Das die Geschichte noch ein gutes Ende nimmt, dürfte viele Zuschauer erfreuen: Kiefersauer schafft es, seinen Leuten am Rande des Scheiterns Herz und Seele einzuhauchen. Man leidet mit ihnen. Es ist ein ziemlich wilder Mix aus Sozialdrama und schwarzer Komödie, was die ARD hier serviert hat. Aber  Kiefersauer hat der Sache ordentlich Pfeffer gegeben, und deswegen funktioniert das Ganze auch ziemlich gut.
 
 
Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse