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"Familie!": Alptraum trautes Heim

Rasant erzählt, gut besetzt und toll gespielt: Der erste Teil macht richtig Appetit auf die Fortsetzung am Mittwoch.
Die Stimmung ist gespannt, als Melanie (Anna Maria Mühe) und Lennart (Jürgen Vogel) versuchen, ihre Familien miteinander bekannt zu machen. Foto: Hans-Joachim Pfeiffer Die Stimmung ist gespannt, als Melanie (Anna Maria Mühe) und Lennart (Jürgen Vogel) versuchen, ihre Familien miteinander bekannt zu machen.
So was sieht man selten: Einen Film, der versucht, seinem Titel in jeder Hinsicht gerecht zu werden. Da gibt es etwa als Mutter Lea Behrwaldt (Iris Berben), die bestens arrivierte Anwältin am Steuer ihres glänzenden Porsche Panamera, die aber ein Geheimnis mit sich herum trägt. Ebenso wie ihre Mutter Alba (Marie Anne Fliegel), die in einer über hundert Jahre alten Villa lebt und mit jeder Bewegung souveräne Arroganz versprüht.
 
Kein Wunder, dass ihr Enkel Lennart (Jürgen Vogel) nicht bei ihr wohnen will, obwohl seine Mutter ihn mit allen Mitteln dazu überreden will: Ist Lennart, Besitzer eines Restaurants, doch eben Vater einer kleinen Tochter geworden. Das hält ihn aber nicht davon ab, eine überaus intime Beziehung zu seiner Köchin Nida (Natalia Belitski) zu pflegen. Die hat ebenfalls familiäre Probleme am Hals, besonders in Gestalt eines üblen Schlägers, der die Spielschulden ihres Mannes eintreiben will.
 

Familienmodelle unter der Lupe

 
Und auch Lennarts Freundin Melanie Dombrowsi (Anna Maria Mühe), die ein Kind von ihm bekommen hat und (noch?) nichts von dem Verhältnis ihres Freundes weiß, ist nicht auf Rosen gebettet: Ihr Vater Dieter (Werner Wölbern) hat ein manifestes Alkoholproblem, weswegen sie sich schwer tut, ihren Eltern auch nur kurzfristig die Aufsicht über ihr Kind zu überlassen. Zusätzlich hat sie noch einen älteren Sohn aus einer früheren Verbindung.
 
Jede Menge Potential für Konflikte also. Der Film bringt dennoch das Kunststück fertig, die verschiedenen Handlungsstränge clever miteinander zu verflechten und auch noch stringent zu erzählen. Immer wieder fällt dabei das Wort Familie, es geht um Pläne, Entscheidungen, ja um das sich Festlegen auf – ja, worauf eigentlich? Einen konkreten Lebensentwurf, Kind, Liebe, Partnerin? Lennart, der Hauptcharakter Dramas, hat da so seine Probleme. Seine Hauptsorge dürfte darin  bestehen, sich immer eine Hintertür offen zu halten.
 

Nur nicht festlegen

 
So was ist keine leichte Strategie. Jean Genet brachte einst wohl den Reiz des Nicht-Festlegens am dichtesten auf den Punkt: "(Aber) es ermöglicht auch die Verantwortungslosigkeit“ antwortete er auf Hubert Fichtes Frage, warum er sich keine Wohnung leistete. Die Fluchtwege Lennarts, die er sich da offen halten will, sind logisch begründet. Der durchschnittliche Zuschauer dürfte sie kennen: Vor allem sein Beruf als Koch und Inhaber eines gut gehenden Restaurants.
 
Da ist ihm eine Gesellschaft, die ihn feiert und vor der er sich elegant verneigen kann, deutlich wichtiger als seine Freundin Melanie und das Kind, dessen Vater er ist. Der Begriff „mein Kind“ scheint noch nicht wirklich in ihm gefestigt zu sein. Selbst sein Motorrad scheint ihm mehr zu bedeuten. Jürgen Vogel, bekanntermaßen auch privat ein Fan schwerer Maschinen, gibt diesen Lennart mit Hingabe. War Vogel früher auch in komischen Rollen zu sehen, so scheint er nun auf misstrauische, nervöse Typen festgelegt zu sein.
 
Wahrscheinlich, weil er in diesen Rollen auch ganz gut rüberkommt. Sein reduziertes Spiel passt perfekt zu der schnörkellosen Art und Weise, wie Regisseur Dror Zahavi den ersten Teil dieses Zweiteilers inszeniert hat. Am Ende liegt Lennart nach einem schweren Motorrad-Unfall im Koma und wird von alptraumhaften Bildern gequält. Es hat mit dem Familiengeheimnis zu tun, dass seine Mutter und Großmutter mit allen Mitteln vor ihn geheim halten wollen. Ob das Thema Familie im zweiten Teil auch noch so ausgebreitet wird wie hier, stellt sich am Mittwoch noch heraus. Ohne Zweifel aber erfüllt der erste Teil den Anspruch, spannende Unterhaltung zu bieten.
 
Der Film in der ZDF-Mediathek


 

 
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