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TV-Kritik: "Familie ist kein Wunschkonzert": Mit höchst fragwürdiger Szene

Von Ein Moment in diesem sonst nicht schlechten Film sorgt für Kopfschütteln: Soll hier Kriminalität als Kinderspiel erscheinen?
Die Schwestern Philomena (Gro Swantje Kohlhof) und Laura (Karin Hanczewski, re.) machen sich auf zur Silberhochzeit ihrer Eltern. Foto: (ARD Degeto/Programmplanung und P) Die Schwestern Philomena (Gro Swantje Kohlhof) und Laura (Karin Hanczewski, re.) machen sich auf zur Silberhochzeit ihrer Eltern.
Ein Road Movie am Freitagabend? Dieses Genre fristet im deutschen TV eher ein Schattendasein. Im vergangenen Jahr etwa war die ARD "Unterwegs mit Elsa", im Vorjahr 2015 machten sich Heiner Lauterbach und Friedrich von Thun in "Letzte Ausfahrt Sauerland" auf den Weg. Exemplarisch steht das Unterwegssein meist für einen beschleunigten Lebensabschnitt, in dem oft lange aufrecht gehaltene Lebenslügen zerbrechen, Neues entsteht und Fahrzeuge zur Behausung werden.
 
Die Behausung in diesem steht in ihrem schrottreifen Zustand für das Leben ihrer Mitfahrer: Ein uralter Feuerwehrbus, den Rick (Sebastian Fräsdorf), Philosophiestudent im 18. Semester, im Netz ersteigert hat. Es fahren mit: Kristin (Claudia Eisinger), die eine Karriere als Wissenschaftlerin anstrebt und zum denkbar unpassendsten Zeitpunkt ein Kind von Rick erwartet. Dazu Laura (Karin Hanczewski), die sich und ihren Schwestern Kristin und Philomena (Gro Swantje Kohlhof) ständig vormacht, wie toll und perfekt ihr Leben eigentlich wäre.
 

Eine Tochter gehört nur halb dazu

 
Das Quartett ist unterwegs zur Silberhochzeit ihrer Eltern. Wobei Philomena eigentlich nur halb dazugehört: Durch einen DNA-Test im Rahmen eines Polizeipraktikums hat sie festgestellt, dass sie ein Kuckuckskind ist – eine Bombe, die sie zuhause platzen lassen will. Ein vergleichsweise originelles Motiv in einem Plot, der überwiegend auf bewährte Zutaten setzt. Da sind wieder drei Töchter wie in „Matthiesens Töchter“, da findet der Zuschauer auch wie gewohnt die weniger auf Individualität, sondern vor allem auf Gegensätzlichkeit gebürsteten und dabei leicht überzeichneten Charaktere.
 
Während eines Tankstopps gesellt sich noch die französische Anhalterin Charlotte (Morgane Ferru) zum Mädeltrio – und das Drehbuch baut zu ihrem Eintritt in die Handlung eine höchst bedenkliche Szene ein, wenn es einen Ladendiebstahl an einer Tankstelle als spaßigen Streich erscheinen lässt. Ansonsten lässt die Geschichte Figuren und Plot aber durchaus gekonnt zusammenkommen: Nach kurzer Fahrzeit brennt der Uralt-Bus aus und die Konflikte, die zuvor etwas Reißbrettartiges hatten, bekommen richtig Zunder.
 

Das Beste am Film: Gro Swantje Kohlhof

 
Auf den ersten Blick nebensächliche und überflüssige Szenen wie das Begräbnis einer toten Maus geraten dabei ganz unangestrengt zu einer kurzen und glaubwürdigen Reflektion über Familie und Lebensglück. Dann kann der Film auch seinen stärksten Trumpf ausspielen: Gro Swantje Kohlhof, die allein schon mit ihrem intensiven Spiel das Interesse des Zuschauers fesselt. Die Regie setzt dazu auf ausgewählte Kameraeinstellungen, die Landschaft und die Enge im Feuerwehrwagen oder im Polizeibus in wirkungsvollen Kontrast setzt. Dabei wirken auch Szenen wie aus Musikvideos zu Hits wie „Nothing else matters“ von Metallica nicht deplatziert.
 
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