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TV-Kritik: "Familientreffen": Oft richtig schwach

Von Dieser Film kommt am Montag im ZDF und war bereits bei Arte zu sehen. Aber trotz der Besetzung sollte sich niemand zu viel davon erwarten.
Hannelore Elsner. Foto: Tobias Hase Hannelore Elsner. Foto: Tobias Hase
Es scheint eine Art Gesetz in solchen Familienfilmen zu sein: je nobler der heimatliche Hort und je gediegener die Umgebung, desto tiefer die Abgründe, die sich hinter der hochkulturellen Fassade auftun. Es sei denn natürlich, der Familienpatriarch wird von Friedrich von Thun gespielt: Da kommt meistens die Soft-Version des Konzepts dabei heraus, wie in "Familie Sonntag auf Abwegen" und "Das beste aller Leben". Hier aber hat Günther Maria Halmer die Patriarchen-Rolle, und die edle Familienvilla verströmt Hochkultur pur: Hannes Westhoff war einst erfolgreicher und gefeierter Konzertpianist. Da könnte man einiges erwarten. Vor allem bei der Besetzung.
 
Westhoff wird 70, und nicht nur seine dauerbeschwipste Ex-Frau (Hannelore Elsner) ist angereist, sondern auch seine drei Söhne. Frederick (Barnaby Metschurat) kommt mit seinem Lebensgefährten Vincent (Daniel Krauss), und natürlich ist der Alte schwulenfeindlich. Sohn Gregor (Marc Hosemann)steckt in Geldnöten, was der Vater schon kennt. Und Max (Lars Eidinger)bringt seine Freundin mit. Das heißt, eigentlich handelt es sich bei Jenny (Jördis Triebel) ja um dessen Krankenschwester. Max ist krebskrank und hat nur noch wenige Tage zu leben. Was der Vater aber erst erfährt, nachdem Max ihn vor den Ehrengästen zu seinem Geburtstag bloßgestellt hat.

Film verpasst? Hier geht´s zu "Familientreffen" in der Arte-Mediathek
 

Vorbild: „Die Katze auf dem heißen Blechdach“

 
 
Filme dieser Art haben ein großes Vorbild: Tennessee Williams‘ berühmtes und mehrfach verfilmtes Theaterstück "Die Katze auf dem heißen Blechdach".  Dort ist es der Sohn, der - übrigens aus verdrängter Homosexualität - zur Flasche greift, und der Vater derjenige, an dem der Krebs nagt. Die Konflikte aus "Familienfest" wirken also eher nach Schema F konzipiert. Was allerdings nicht schadet, wenn das Drehbuch die Figuren entsprechend mit Leben zu füllen versteht. Genau daran mangelt es „Familienfest“ aber erheblich: Seine Charaktere kommen höchstens ansatzweise über die angelegten Klischees hinaus.
 
 
Ein paar feine Zwischentöne gelingen nur in der Gestalt des Patriarchen selber. Günther Maria Halmer gibt Hannes Westhoff eher als resignierten und müden Kulturmenschen denn als kraftvoll einschüchternden Tyrannen. Die Showdown-Stimmung, die der Film schon kurz nach dem Start einzunehmen versucht, erscheint deswegen nicht gerade logisch. Eine dumme Bemerkung des Vaters über den Lebensgefährten des Sohnes sorgt schon bald für völlig hysterisches Gekeife am Tisch. Dabei spielt Michaela May die zweite Frau des Starpianisten derart überzogen, dass  Fremdschämen angesagt ist.  
 

Oft schwache Dialoge

 
Die Szene geht nämlich auch sonst völlig daneben. Warum um Himmels Willen muss jemand, der etwas zum Thema Courage zu sagen hat, sich dabei auf einen Politiker berufen? Und warum klingen die Dialoge oft so schrecklich gestelzt? Das ist einfach nur peinlich blöd. Man kann verstehen, warum die Ex das alles nicht nüchtern erträgt und sich am Esstisch eine Zigarette anzünden muss. Der Film trudelt anschließend ziemlich kraftlos von einem Konfliktherd zum nächsten. Er kann der Vielzahl seiner Themen wie Homophobie, Loser-Sohn und Sterbe-Drama gar nicht gerecht werden. Es ist einfach zu viel auf einmal.
 
Die überladene Geschichte hatte eine Kino-Auswertung, deren Erfolg sich in Grenzen hielt. Einen sehr viel besseren Beitrag zu den Themen Patriarch, Familientreffen und Lebenslügen lieferte das ZDF im Jahr 2015 mit dem Film "Ein großer Aufbruch". Übrigens auch mit Hannelore Elsner in der Rolle einer Ex-Frau, und diesmal mit Heroin-Vergangenheit. Aber dieser ZDF Montagsfilm ist dennoch ein sehr gutes Beispiel dafür, wie eine Geschichte Erzählmuster souverän in Handlung übersetzt.
 
 
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