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TV-Kritik: "Feierstunde": Voll ins Schwarze

Von Münster mal ganz anders: Boerne sorgt diesmal als Opfer eines verzweifelten Amokläufers für echte Hochspannung.
Professor Harald Götz (Peter Jordan) hat gewalttätige Fantasien. Durch die Krankheit seiner Frau zermürbt, hegt er einen immer stärkeren Groll auf Boerne. Foto: WDR/Willi Weber Professor Harald Götz (Peter Jordan) hat gewalttätige Fantasien. Durch die Krankheit seiner Frau zermürbt, hegt er einen immer stärkeren Groll auf Boerne.
Krimi-Fans ahnen in der Regel schon, was sie erwartet, wenn sie sich sonntags zum "Tatort" und "Polizeiruf" niederlassen. Da sind Ulrich Tukur und Matthias Brandt für Experimente zuständig, Til Schweiger für Action und die Münsteraner für den Humor. Ein Schema, an das sich die laufende Saison aber nicht halten will: Der Science-Fiction-Versuch "HAL" aus Stuttgart war da bisher der augenfälligste Versuch. Aber "Feierstunde" zeigt: Selbst auf Thiel und Boerne kann man sich nicht mehr verlassen.
 
Köchelten die Krimis aus Münster in Sachen Spannung ohnehin seit einiger Zeit auf Sparflamme, schwächelte das Duo neuerdings auch, was den Humor betraf. Zeit für eine Frischzellenkur also. Keine Jagd nach einem Täter also, die nicht auf Touren kommen will. Boerne gerät in tödliche Gefahr. Der Täter: Professor Harald Götz (Peter Jordan), dessen an ALS dahinsiechende Frau Selbstmord begeht. Für Götz ein Schock: Jahrelang wollte er nach einem Heilmittel für die tödliche Nervenerkrankung forschen, bekam aber keine Gelder bewilligt.
 

Welche Rolle spielt die Therapeutin?

 
Der arrogante und erfolgreiche Boerne ist ihm schon lange ein Dorn im Auge. Er fantasiert davon, ihn brutal zu ermorden. Doch als Boerne drei Millionen Euro für ein Forschungsprojekt an Mumien bewilligt bekommt, dreht Götz endgültig durch. Er verschafft sich Zutritt zu der geschlossenen Feier Boernes und nimmt den Professor und seine Gäste als Geiseln. Thiel sucht nach Götz, als dessen tote Ehefrau entdeckt wird, und nimmt dabei auch zu dessen unergründlicher Psychotherapeutin Dr. Corinna Adam (Oda Thormeyer) Kontakt auf. Doch schnell spitzt sich währenddessen die Geiselnahme dramatisch zu.

Tatort verpasst? Hier geht es zur Mediathek
 
Man kann sich nur wundern, wie toll dieser "Tatort" funktioniert: Hatte die Krimi-Reihe doch beim Thema Geiselnahme oft keine glückliche Hand und mit "Hochzeitsnacht" und "Frohe Ostern, Falke" sogar zwei echte Rohrkrepierer fabriziert. "Feierstunde" macht dagegen fast alles richtig: Vor allem setzt er auf schnörkellosen Spannungsaufbau und einen Plot, der überhaupt nicht versucht, Handlungselemente aus "Stirb langsam" zu kopieren. Dazu kommen überzeugende und vor allem in ihrer überraschenden Vielschichtigkeit spannende Charaktere, zu denen diesmal auch Boerne gehört.
 

Gags sind selten, aber sie treffen

 
In Sachen Humor nimmt sich der "Tatort" aus Münster diesmal bemerkenswert zurück. Und funktioniert dennoch auch in dieser Hinsicht bestens, gerade weil er sich ernst nimmt und als Spannungsfilm so gut ausfällt. Immer wieder zieht die Geschichte ein neues Ass aus dem Ärmel. Einzelne Witze lockern den Thrill nicht auf, sondern spitzen ihn eher noch zu. Die auf wenige Stunden Laufzeit zusammengeraffte Handlung lässt dabei keine Sekunde locker.
 
Vereinzelte schwächere Szenen – etwa das Gespräch Boernes mit dem toten Götz – fallen bei der Qualität kaum ins Gewicht. Peter Jordan zeigt den Amokläufer ganz ohne jede Übertreibung als geradezu furchterregend normal. Und Jan Josef Liefers demonstriert einen bemerkenswerten Balance-Akt zwischen Boerne, wie man ihn eben kennt, und völlig neuen Seiten. Das alles zusammen mit der flotten Regie ergibt einen Krimi, wie man ihn so gut aus Münster schon lange nicht mehr gesehen hat.
 
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