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TV-Kritik: "Finale Klarheit": Alte Wunden an allen Fronten

Von "Der Bergdoktor" sieht sich als Arzt mit einem Fall konfrontiert, der Parallelen zu seiner eigenen Familie besitzt: In beiden Geschichten geht es um den schwierigen Prozess der Wiederannäherung.
Martin (Hans Sigl, r.) versucht den Streit zwischen Thomas (Ludwig Trepte, M.) und seinem Vater Richard (Michael Mendl, l.) zu schlichten. Foto: Stefanie Leo Martin (Hans Sigl, r.) versucht den Streit zwischen Thomas (Ludwig Trepte, M.) und seinem Vater Richard (Michael Mendl, l.) zu schlichten.

Ein unwillkommener Gast tauchte bereits in der letzten "Bergdoktor"-Episode auf: Ludwig Gruber (Christian Kohlund), der Onkel von Dr. Martin Gruber (Hans Sigl) und dessen Bruder Hans (Heiko Ruprecht). Viele Jahre zuvor hat Ludwig die Familie verlassen, weil es damals eine schlimme Geschichte zwischen ihm und seinem Bruder gab. Hans hat noch zusätzlichen Grund, seinem Onkel gram zu sein.

Der Bergdoktor bezweifelt außerdem, dass Ludwig tatsächlich, wie er behauptet, unheilbar an Krebs erkrankt ist. Aber neben seinem Onkel Ludwig hat Martin Gruber noch ein anderes wichtiges Problem: Richard Bäumler (Michael Mendl) liegt nach einer verschleppten Infektion mit Meningitis seit Wochen im Wachkoma. Sein Sohn Thomas Bäumler (Ludwig Trepte) hat sich schon vor Jahren mit seinem Vater völlig zerstritten.

Der schwierige Prozess der Vergebung

Doch jetzt soll er sich vorübergehend um seinen Vater kümmern. Die Parallelen zwischen den beiden Handlungssträngen sind unübersehbar: In beiden Fällen geht es um innerfamiliären Zwist – hier mit dem Onkel, dort mit dem Vater - alte Kränkungen und lebensbedrohliche Krankheiten. Die Gemeinsamkeiten verstärken sich, wenn in den Dialog einfließt, dass auch Martin Gruber mit seinem Vater einst Probleme bekam, als er nicht den Hof übernehmen, sondern Medizin studieren wollte.

Eine unerwartete– und zuerst nicht sonderlich glaubwürdige Wendung tritt jedoch ein, wenn Richard Bäumler wieder aus seinem wochenlangen Koma aufwacht: Das Drehbuch liefert anschließend eine zumindest für medizinische Laien akzeptable Begründung dafür, dass Bäumler auch geistig wieder zurückkommt.

Frauen als Versöhner

Wichtiger ist allerdings der Prozess der Wiederannäherung, und da spielt "Finale Klarheit" sehr gekonnt mit Zwischentönen, ohne die melodramatischen Aspekte der Geschichte zu stark zu betonen. Eine wichtige Rolle spielen dabei die sehr gefühlvollen Szenen zwischen Thomas Bäumler und seiner Frau Nina (Henriette Müller). Dass Nina eine ähnlich versöhnungsstiftende Rolle einnimmt wie im Handlungsstrang um den Bergdoktor Martins Nichte Lilli (Ronja Forcher), gibt der Geschichte eine besondere Dichte und eine gewisse Warmherzigkeit. 

Zumal sich die Regie dabei auch mit der Musik sehr zurückhält. Mit Christian Kohlund und Michael Mendl treten hier auch zwei namhafte Schauspieler auf. Wenn es um eine durchweg gut gemachte Familienserie geht, setzt "Der Bergdoktor" also auch in seiner 11. Staffel wieder Maßstäbe.

 

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