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TV-Kritik: "Fremder Feind": Dieser Film ist perfekt!

Von Nach dem Tod seines Sohnes und dem Zerbrechen seiner Ehe zieht sich Arnold in die Einsamkeit der Berge zurück. Doch dort wartet findet er keinen Frieden – im Gegenteil.
Arnold (Ulrich Matthes) greift zur Waffe: In der Einsamkeit der Berge sieht er sich mit einem unwillkommenen Besucher konfrontiert. Bild: WDR/Schiwago Film Foto: (WDR Presse und Information/Redak) Arnold (Ulrich Matthes) greift zur Waffe: In der Einsamkeit der Berge sieht er sich mit einem unwillkommenen Besucher konfrontiert. Bild: WDR/Schiwago Film

Ein Thriller ist immer nur so gut wie sein Schurke, wie ein vielzitierter Satz von Alfred Hitchcock besagt. Mitunter wirkt ein Schurke aber auch gerade dadurch, dass er einfach nicht sichtbar wird – man nimmt ihn nur durch das wahr, was er macht. Etwa einen gigantischen Truck steuern wie in Spielbergs Regie-Debüt "Duell". Oder einem Unbekannten, der  eine Spur der Verwüstung hinterlässt, wie in diesem Film.

In der Mediathek gibt es den ganzen Film

Wobei es in Arnolds Leben im Grunde nicht mehr viel zum Zerstören gibt. Die familiäre Idylle, bekam schon die ersten Risse, als Sohn Chris (Samuel Schneider) seine Ausbildung abbrach und zur Bundeswehr ging. Ein Unding für seine pazifistisch bewegten Eltern. Sie wurde noch massiver erschüttert, als Chris sich freiwillig zum Einsatz in Afghanistan meldete. Und behauptete, ohne Soldaten gäbe es nicht weniger sondern mehr Kriege.

Das Gesicht des Krieges

"Fremder Feind" schildert diese letzte Begegnung mit dem Sohn in Form eines Rückblicks, in leuchtend fröhlichen Farben und scharfem Kontrast zu Arnolds aktuellem Leben. Erst ließ Chris nur in Form von launigen Emails aus Afghanistan von sich hören. Berichte von Langeweile, Spielen. Aber bald auch von einem verstümmelten Kameraden, der Selbstmord beging. Und dann noch vom ersten Toten, den er selbst zu verantworten hatte.

"Krieg" heißt der Roman von Jochen Rausch, nach dem dieser Film entstanden ist. Und weniger vom Krieg in der Ferne selbst erzählt, als vom langsamen Einsickern der Gewalt daheim: Nachdem das Berghaus Arnolds mehrfach von dem Unbekannten verwüstet wurde, der Hund mit einem Bolzen verletzt, greift Arnold schließlich selbst zur Waffe. In Rückblenden erfährt der Zuschauer nicht nur von Chris, sondern auch vom Verlauf von Arnolds Ehe.

Etwa von der Angst um den Sohn, die Arnolds Frau Karen (Barbara Auer) langsam in den Alkoholismus treibt. Von den versteckten Flaschen, dem Sex, der nicht mehr geht. Bis sich die düsteren Ahnungen bestätigen und eines Tages ein Offizier der Bundeswehr und ein Priester vor der Haustür stehen. Der Krieg ist weit entfernt und kommt doch immer näher. Er reißt Familien auseinander, besteht aus Wunden, Blut und Vergiftung. Er ist dreckig, ungepflegt und stinkt – ganz wie der unwillkommene Besucher.

Berge als Kriegsschauplatz

Die Art, wie das Drehbuch von Hannah Hollinger und Rick Ostermanns Regie Rauschs Roman auf den Bildschirm gebracht haben, besitzt durchweg Kino-Qualität. Der widerliche Unbekannte enrtwickelt sich zur Metapher des Krieges an sich. Nicht nur der überwältigenden optischen Wirkung wegen haben die Macher dieses Drama in einer schneebedeckten Gebirgslandschaft angesiedelt, die es in ähnlicher Form auch in Afghanistan gibt.

Und zum Schauplatz eines Kampfes wird, der sich in ähnlicher Form auch in Afghanistan abspielt. Und nicht nur optisch und durch die sagenhafte schauspielerische Präsenz von Ulrich Matthes als Arnold fesselt "Fremder Feind" mit jeder Minute stärker. Auch die Akustik stimmt perfekt, wenn sich die leise und unauffällige Musik Stefan Wills mit dem Heulen des Schneesturms vereint. "Fremder Feind" verdient in seiner Vielschichtigkeit die Höchstnote: ein perfekter Film.

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