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TV-Kritik: "Für Dich dreh ich die Zeit zurück": Taschentücher bereithalten!

Von Mit knallbunter Nostalgie will Hartmut seiner demenzkranken Frau helfen und ihr noch einmal ganz nahe sein. Warum funktioniert dieser Film so gut?
Im Traum tanzt Hartmut (Erwin Steinhauer)  mit seiner Familie und Nachbarn im Stil der 70er Jahre verkleidet auf Dschinghis Khan in der bunt geschmückten Straße. Foto: ARD Degeto/Mona Film/Petro Domenigg Im Traum tanzt Hartmut (Erwin Steinhauer) mit seiner Familie und Nachbarn im Stil der 70er Jahre verkleidet auf Dschinghis Khan in der bunt geschmückten Straße.
Für Nostalgiker ist dieser Film natürlich ein Fest. Da sind die Möbel in Orange, die wild gemusterten Tapeten, die Hits aus den vor allem in der Erinnerung so bunten siebziger Jahren: All das lässt Hartmut (Erwin Steinhauer) wieder auferstehen, um seine Frau Erika (Gisela Schneeberger) aus dem Vergessen wieder zurückzuholen. Erika leidet nämlich unter Alzheimer und kennt mitunter nicht nur ihre Umgebung, sondern auch ihren Mann nicht mehr.

Hartmut will seine Erika aber nicht ins Heim abschieben. Sohn Thomas (Simon Schwarz) versucht nicht nur vergebens, seinen Vater dazu zu überreden, sondern hat auch schon mit seinem eigenen Leben genügend Probleme. Ebenso wie Enkelin lesbische Helena (Ella Rumpf), die mit ihrer Freundin einen Club eröffnen will, sich dieser Geschäftsidee aber nicht sicher ist und zudem von einem Seitensprung ein Kind erwartet.

Ähnlichkeit zu "Good Bye, Lenin!"

Nicht nur die Optik dieses Films samt berühmter Partyhits von ABBA, Queen und Dschinghis Khan weckt Erinnerungen, sondern auch die Grundidee: In dem Kassenhit "Good Bye, Lenin!" lässt der Held des Films einfach die DDR weiter existieren, um seiner Mutter das Weiterleben zu ermöglichen. Auf eine ähnliche Weise funktioniert auch "Für dich dreh ich die Zeit zurück".  

In beiden Fällen wird Ostalgie und Nostalgie nicht zum Selbstzweck, sondern sorgt auch schon für die emotionale Grundstimmung. Dazu setzt sich die Geschichte intensiv mit der Krankheit Alzheimer auseinander. Ähnlich wie in dem ZDF-Film "Von Erholung war nie die Rede" vom Vortag, in welchem auch ein an Alzheimer erkrankter Vater eine Rolle spielt, meistert sie den schwierigen Spagat zwischen tragischer Komik und berührenden Momenten recht gut.

Komödie mit schwierigem Thema

Vor allem, weil beide Filme, obwohl als Komödien angelegt,  die von dieser Erkrankung Betroffenen nicht zur Witzfigur degradieren. Allerdings rückt hier die Erkrankung viel stärker und realistischer in den Mittelpunkt. Dadurch, dass die Geschichte sich im familiären Rahmen bewegt und eher auf intime Momente, leise Zwischentöne, zarte Berührungen setzt, funktioniert der Film über weite Strecken hervorragend und lässt so manchen Zuschauer zum Taschentuch greifen.

Gegen Ende rücken aber die Probleme der lesbischen Enkelin als Füllmaterial zu stark in den Vordergrund. Aus dem schön angelegten Spannungsverhältnis zwischen Hartmut und Thomas, der sich, obwohl selbst alles andere als ein Erfolgsmensch, auch einmal gegen seinen Vater durchsetzen will, wäre noch mehr herauszuholen gewesen.

Sehr gut besetzt

Dass sich am Ende seine wahre Vaterschaft herausstellt, hätte auch nicht unbedingt sein müssen. Allerdings macht das famos agierende Trio Gisela Schneeberger, Erwin Steinhauer und Simon Schwarz diese eher nebensächlichen Probleme mehr als wett. Auch durch sie bleibt diese ARD-Komödie einer der sehenswertesten TV-Filme seit langem.
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