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TV-Kritik: "Für immer dein": Faszinierendes Drama

Von Lügen, Enttäuschungen und zerrüttete Beziehungen: Dieser Krimi spielt clever mit dem Verlust von Illusionen.
Der Film spielt immer wieder die Entfremdung von Ehepaaren durch: Auch Robert (Walter Sittler) und Emma (Frida Hallgren) bleiben nicht verschont. Foto: Stephan Rabold Der Film spielt immer wieder die Entfremdung von Ehepaaren durch: Auch Robert (Walter Sittler) und Emma (Frida Hallgren) bleiben nicht verschont.
Wenn Krimis in Skandinavien spielen, nimmt ja die Landschaft oft eine tragende Nebenrolle ein. Die endlosen dunklen Wälder, gerne in der Manier von Italiens legendärem Horror-Filmer Mario Bava inszeniert, bügeln da schon manche erzählerische Schwäche aus. Seltsam, dass der 21. Krimi aus der ZDF-Reihe "Der Kommissar und das Meer" ausgerechnet in dieser Hinsicht schwächelt: Die Geschichte beginnt mit einer Silvester-Feier, aber nirgendwo liegt Schnee. Ist so was glaubhaft, ausgerechnet in Schweden?
 
Dazu kommen einige oberflächlich inszenierte Szenen: Warum etwa steht Kommissar Robert Anders (Walter Sittler) alleine vor der Wohnung eines Verdächtigen, aber Polizisten unten auf der Lauer? Aber trotz oder gerade wegen dieser kleinen Fehler beweist der Film sehr schnell seine hohe Klasse: Er entwickelt nämlich durch die Hintergründe seiner Charaktere eine so hohe Spannung, dass der Zuschauer die genannten Schwachpunkte schon bald wieder vergisst. Erst rennt ein Mann durch den Wald und stoppt ein Auto.  Doch das ist noch nicht die eigentliche Geschichte.

 Der Kommissar und das Meer - Für immer dein in der ZDF-Mediathek

 

Eine Mutter empfindet Eifersucht

 
Die beginnt mit dem Mord an einem jungen Mann und seiner Freundin: Mats Levander (Julius Fleischhanderl) hat die attraktive Lena mit zur Silvesterfeier bei seinen wohlhabenden Eltern gebracht, um sie als seine zukünftige Verlobte vorzustellen. Seine Mutter Kerstin (Angela Kovács) ist alles andere als begeistert – ihr Mann Martin (Mikael Birkkjær) vermutet Gefühle von Eifersucht. Während der Feier verschwinden die beiden, bis Martin die Leichen seines Sohnes und dessen Freundin im Wald entdeckt.
 
Robert Anders, der mit Partnerin Emma Winarve (Frida Hallgren) ebenfalls auf der Party war, sucht nach möglichen Mordmotiven und stößt dabei tief in die Vergangenheit seines Freundes Martin vor. Dabei stößt er auf viele ungelöste Konflikte: Martin hat Kerstin vor allem aus Ehrgeiz geheiratet, weil er die Klinik ihres Vaters übernehmen wollte. Zuvor war er ausgerechnet mit Lenas Mutter zusammen. Sehr bald entwickelt sich die Geschichte zu einem handfesten Beziehungsdrama, in dem noch ein anderes Paar eine wichtige Rolle spielt.
 

Auch der Kommissar bleibt nicht verschont

 
Die gegenseitigen Verdächtigungen, Verletzungen und Eifersüchteleien entfalten dabei eine beträchtliche Wirkung, zumal auch die Schauspieler die Emotionen sehr glaubwürdig vermitteln. Immer wieder untergräbt das Drehbuch das Gefühl von Sicherheit in Beziehungen, auch bei Robert Anders selbst: Ist das, was Emma mit dem Chorleiter Jonas Norén (Lauri Tanskanen) verbindet, wirklich nur reine Freundschaft? Immer wieder spielt die Geschichte Gefühle von Verlorenheit und Enttäuschung durch.  Und das macht sie wirklich sehr gut.
 
So gut sogar, dass zeitweise die Suche nach den Tätern – am Ende sind es zwei – etwas aus dem Blick gerät. Auch die gelungenen Dialoge tragen ihren Teil dazu bei. Kriminalistische Elemente spielen dagegen keine große Rolle, da die Täter nicht aus eisiger Berechnung gehandelt haben. Dagegen verstärken die als Film-Musik eingesetzten Chorgesänge noch den Eindruck, einem tiefsinnigen Schicksalsdrama beizuwohnen. Zusammen mit der zwar mitunter etwas sorglosen, aber flüssig erzählenden Regie ergibt das eine sehr stimmungsvolle Kriminalgeschichte.
 
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