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"Gegen alle Flaggen": Piratenfilm basiert auf historischem Fakten

Der Hintergrund dieses Films ist unglaublich: Der größte Raub und die erste weltweite Menschenjagd der Geschichte.
Der britische Marineoffizier Brian Hawke (Errol Flynn) lässt sich als angeblicher Deserteur in eine Piratenbande auf Madagaskar einschleusen. Foto: ARTE / © Universal Television Der britische Marineoffizier Brian Hawke (Errol Flynn) lässt sich als angeblicher Deserteur in eine Piratenbande auf Madagaskar einschleusen.
Schon die Titel seiner Filme lesen sich wie ein einziges Verzeichnis knallbunter Bubenträume. Der Schauspieler Errol Flynn (1909-1959) prägte den klassischen Abenteuerfilm wie kein anderer. Seine Karriere begann Mitte der dreißiger Jahre mit "Unter Piratenflagge" und "Der Verrat des Surat Khan", erreichte ihren Höhepunkt mit "Robin Hood - König der Vagabunden" und "Der Herr der sieben Meere" und versandete nach den letzten Glanzlichtern "Die Liebesabenteuer des Don Juan", "Gegen alle Flaggen" und "Der Freibeuter" im Dauersuff und Drogenkonsum.
 
Arte widmet dem Star mit "Robin Hood" und "Gegen alle Flaggen" am Vatertag gleich zwei seiner Klassiker. Wobei im letzteren Film, gedreht im Jahr 1952, schon die Auswirkungen von Flynns Alkoholismus nicht zu übersehen sind: Flynn wirkt aufgedunsen und agiert eher lethargisch als sonderlich temperamentvoll. Sein einst strahlendes Aussehen hatte unter seinem Lebenswandel erheblich gelitten. Der Film bietet aber auch in Zeiten von "Fluch der Karibik" genügend spannendes Kampfspektakel. Eben genau das Richtige für Jungs und Junggebliebene.
 

Der Überfall auf die Mogul-Schiffe

 
Was "Gegen alle Flaggen" noch zusätzlich sehenswert macht, ist nicht nur die Zusammenarbeit Flynns mit Maureen O'Hara und Anthony Quinn, sondern auch sein historischer Hintergrund. Der Streifen zeigt Flynn nicht in seiner Standardrolle als Pirat, sondern als Piratenjäger. Der Marineoffizier Brian Hawke (Flynn) lässt sich als scheinbarer Deserteur in eine Piratenbande auf Madagaskar einschleusen. Er wird von deren Kapitän Roc Brasiliano (Anthony Quinn) misstrauisch beäugt, zumal auch die schöne Piratin Spitfire Stevens (Maureen O'Hara) sich an Hawke interessiert zeigt.
 
Der erfolgreiche Überfall auf ein Schiff des indischen Mogulkaisers lässt die Feindschaft zwischen Hawke und Brasiliano eskalieren - und genau diesen Überfall gab es auch in Wirklichkeit. Ebenso einen Piratenkapitän namens Rock Brasiliano, einen Holländer, der aber historisch weit früher - in den 1660er Jahren - in der Karibik aktiv war. Der im Film gezeigte Überfall fand jedoch Anfang September 1695 im Indischen Ozean statt, wo der Freibeuter Henry Every (geboren 1659) mit seiner Flotte aus drei Schiffen die Pilgerschiffe "Fatah Mohammed" und "Gang-i Sawai" aus dem indischen Mogulreich attackierte.
 

Weltweit gejagt und spurlos verschwunden

 
Besonders letzteres Schiff war ein ungeheurer Gegner mit nicht weniger als 62 Kanonen, von denen jedoch eine beim ersten Feuern explodierte und etliche Männer tötete. Nach einem Treffer am Hauptmast und zwei Stunden blutigem Enterkampf konnte Every das Schiff erobern. Zu dieser Zeit hatte er die "Fatah Mohammed" bereits unter Kontrolle. Die Beute ist bis heute die größte, die je bei einem einzelnen Überfall gemacht wurde. Sie bestand aus Gold, Juwelen und Bargeld im Wert von 600.000 Pfund, nach heutigem Wert rund 60 Millionen Euro.
 
Doch Every und seine Männer hatten nicht lange Freude an dem ungeheuren Vermögen: Der indische Mogulkaiser Aurangzeb war über den Raub so aufgebracht, dass er den Handel mit der britischen East India Company einstellte und erst nach üppigen Entschädigungszahlungen wieder aufnahm. Die East India Company setzte ein Kopfgeld von 500 Pfund für jedes Mitglied der Piratenmannschaft aus und die Jagd nach Every erreichte globale Dimensionen. Every segelte schließlich in die Karibik und wollte sich auf Jamaica für 24.000 Pfund ein königliches Pardon erkaufen.
 
So was war ein damals nicht unübliches Verfahren im Goldenen Zeitalter der Piraterie. Aber Every hatte sich schlichtweg mit einem zu großen Feind angelegt: Ein Pardon für ihn konnte es auch auf der anderen Seite des Erdballs nicht geben. Im Laufe des Jahres 1696 verschwand der mittlerweile als "Piratenkönig" bekannte Every schließlich spurlos. Einige seiner Crewmitglieder wurden zwar gefasst und gehängt, doch der Verbleib von Every und der Beute ist bis heute unbekannt. Der Schauspieler Guy Stockwell verkörperte Every schließlich in dem Abenteuerstreifen "Der Pirat des Königs", einer Neuverfilmung von "Gegen alle Flaggen". Im Original von 1952 taucht Everys Name nicht auf.
 

 
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