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TV-Kritik: "Geldwäscher Josef Müller": Der Millionenbetrüger

Von "Tatort"-Star und Gefängnisarzt Joe Bausch interviewt einen echten Verbrecher: Josef Müller scheffelte Millionen mit der Koksmafia und Anlagebetrug.
Joe Bausch, Krimifans als Rechtsmediziner Josepg Roth aus dem Kölner „Tatort“ bekannt, interviewt den Anlagebetrüger Josef Müller. Foto: ZDF/Nordendfilm GmbH Joe Bausch, Krimifans als Rechtsmediziner Josepg Roth aus dem Kölner „Tatort“ bekannt, interviewt den Anlagebetrüger Josef Müller.
Sein Leben mutet an wie ein einziger riesiger Exzess: Josef Müller verkehrte mit virilen Filmstars wie Heiner Lauterbach, mit Polit-Prominenz wie Münchens langjährigem Oberbürgermeister Christian Ude und wurde sogar von Prinz Charles eingeladen. Er ließ sich als erfolgreicher Unternehmer feiern, am Steuer rasanter Motorboote und im schneeweißen Rolls-Royce Corniche ablichten.
 
Von glamourösen Kulissen zum halbseidenen Hintergrund ist es oft nur ein kleiner Schritt. Josef Müller wusch Geld für amerikanische Drogenschmuggler und verdiente dabei Millionen. Auch selbst verfiel er dem Koksrausch, dem wilden Leben und dem käuflichen Sex. Und er verführte Anleger aus dem bürgerlichen Milieu zu riskanten Börsengeschäften, in denen viele ihr gesamtes Vermögen verloren. Auch seine Opfer lässt der Film zu Wort kommen.

Gefängnisarzt trifft auf Ex-Häftling

Den Mann mit markantem Gesicht und Reibeisenstimme, der im Rahmen seiner Reihe "Überführt" das Interview mit dem sich geläutert gebenden Betrüger führt, kennen viele Zuschauer aus dem Kölner "Tatort": Dort spielt Joe Bausch, im richtigen Leben ein echter Gefängnisarzt, den Rechtsmediziner Joseph Roth. Josef Müller machte bisher eher in der Regenbogenpresse von sich reden, und das nicht ohne Grund: Eine reiche Begabung für das Showgeschäft kann man ihm ja auch beim schlechtesten Willen nicht absprechen.

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Seine Karriere begann er als Musiker. Eine besondere Leidenschaft entwickelte er schon früh für schnelle Wagen. Sie wird ihm zum Verhängnis: Infolge von Sekundenschlaf kommt er im Jahr 1973 knapp volljährig mit seinem Ford Mustang von der Straße ab und baut einen schweren Unfall. Als er im Krankenhaus erwacht, erfährt er, dass er den Rest seines Lebens im Rollstuhl verbringen muss.

Auch den Rollstuhl nutzte er zur Show

Ein Schicksal, an dem andere zerbrochen wären. Josef Müller handelt nach dem Motto "Jetzt erst recht!" und leistet als Querschnittsgelähmter Außerordentliches: Er wird Steuerberater und ist bald Chef mehrerer Kanzleien mit über fünfzig Mitarbeitern. Sein Talent zur Selbstvermarktung macht sich bezahlt. Und man kann ihn sogar ein Stück weit verstehen, wenn er schildert, dass er in seinem Erfolg sogar oft vergaß, ein Mann im Rollstuhl zu sein.
 
Aber bald gerät er mit dem organisierten Verbrechen in Kontakt. Über die Jahre hinweg entwickelt er sich nicht nur zum Honorarkonsul, sondern auch zum Millionenbetrüger und zum international gesuchten Kriminellen. Der es aber selbst im Geheimversteck noch ordentlich krachen ließ. Was Joe Bausch präsentiert, ist eine Geschichte um einen Aufstieg aus kleinen Verhältnissen, die sich kein Pulp-Autor besser hätte ausdenken können.

Blutiges Geld aus dem Koksgeschäft

Müller strahlt eine ungeheure Energie aus, die jemand, der nicht im Rollstuhl sitzt, "gar nicht draufhaben" würde, so seine langjährige Freundin. Seine Energie hat auch kriminelle Seiten. An Reue ist bei Josef Müller indessen wenig zu spüren. Man merkt ihm auch jetzt noch einen pfiffigen Stolz an, wenn er erzählt, wie er die Millionen des Koksbarons geschmuggelt hat. Und Mitleid mit den von ihm geprellten Anlegern ist ihm zumindest im Film schon gar nicht anzumerken.
 
Möglicherweise wird ihm die Dokumentation hier nicht wirklich gerecht: Andere Quellen legen die Vermutung nahe, dass er sich bei Opfern wie Helene Leuker besonders bemüht hat, sie zu entschädigen. Aber die Mischung aus Gier und Vertrauensseligkeit, die seinen Opfern zum Verhängnis wurde, stirbt nicht aus. Wie auch der kürzlich beendete Mammut-Prozess in Frankfurt um das Immobilienunternehmen S& K bewiesen hat, gibt es viele Josef Müller auf dem freien Markt – und erst recht viele Opfer.
 
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