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TV-Kritik: "Geron": "Harold und Maude" auf schwule Art

Von Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte hat Skandalfilmer Bruce LaBruce hier geschaffen: Ein 18-Jähriger verliebt sich in einem Mann von 81.
Der 18-jährige Lake (Pier-Gabriel Lajoie, re.) hat seinen Freund Melvyn Peabody (Walter Borden, li.) im Altersheim kennengelernt. Foto: MK2 Films Der 18-jährige Lake (Pier-Gabriel Lajoie, re.) hat seinen Freund Melvyn Peabody (Walter Borden, li.) im Altersheim kennengelernt.
Der 18-jährige Lake (Pier-Gabriel Lajoie) fühlt sich zu erheblich älteren Männern hingezogen. Als er in seiner Arbeit als Bademeister einen älteren Mann aus dem Wasser zieht und wiederbelebt, muss er massiv gegen seine Begierde ankämpfen. Seine Mutter Marie (Marie-Hélène Thibault) ist eine chaotische Lebenskünstlerin, die auch einmal mit einem blaugeschlagenen Auge nach Hause kommt und um die sich Lake mehr kümmern muss als dass sie ihre Mutterpflichten wahrnimmt.
 
Seine Freundin Désirée (Katie Boland) zeigt sich ebenfalls leicht exzentrisch. Lake beginnt in einem Altersheim zu arbeiten, wo er sich intensiv mit einigen Heiminsassen anfreundet. Besonders mit dem 81-jährigen Melvyn Peabody (Walter Borden): Aus der Freundschaft zu dem Mann wird bald mehr. Als die Liebesgeschichte herauskommt, nimmt Lake seinen Freund mit auf eine Reise: Melvyn Peabody will noch einmal den Pazifik sehen.
 

Tabus sind zum Brechen da

 
"Gerontophilia" heißt der Film von Regisseur und Autor Bruce LaBruce im Original – das Wort, das die auch erotische Lust von Jungen auf erheblich ältere Partner benennt. Ein Thema, das in gewisser Weise einen Tabubruch darstellt. Aber Tabus haben Bruce LaBruce, der als wichtiger Vertreter des Neuen Schwulen Kinos und Skandalfilmer gilt, noch nie sonderlich gekümmert. Es sei denn, sie zu brechen. Dabei hat er sich auch anderen Komplexen wie Sadomasochismus oder dem Amputationsfetischismus angenommen.
 
In "Geron" variiert er die Grundidee aus "Harold und Maude", in dem sich ein etwa 20-jähriger in die fast 80-jährige Maude verliebt. Dieser Film entstand zu Beginn der siebziger Jahre, und auf diese Epoche greift LaBruce auch unübersehbar zurück, wenn er Lake und Melvyn Peabody in einem US-Wagen aus der Epoche auf große Tour gehen lässt. Die Flammen-Dekoration auf dem Straßenkreuzer steht dabei symbolisch auch für die Lebenslust, die in dem alten Mann noch nicht erloschen ist.
 

Gegensätze ziehen sich hier an

 
Bruce Labruce arbeitet vor allem mit Gegensätzen, schon im Alter seiner beiden Protagonisten: 18 Jahre zählt der eine, 81 Jahre der andere. Hier die Enge des Altersheims, dort die Weite des Landes, als der Film schließlich in eine Reisegeschichte und ein Roadmovie mündet. Hier der junge und im wirklichen Leben heterosexuelle Schauspieler Pier-Gabriel Lajoie, der Lake überzeugend eine vorsichtig tastende und zwischen Anpassung und jugendlichem Ausbruch schwankende Aura verleiht.
 
Und andererseits Walter Borden (75), der als Autor und Schauspieler gleichermaßen bei vielen Gelegenheiten seine Homosexualität verarbeitete. LaBruce  schreckt in der Entwicklung seiner  Geschichte über das ungleiche Duo auch vor explizit deftigen Szenen nicht zurück, verleiht dem Ganzen dabei aber eine weiche und romantische Aura. Arte zeigt den Film in der Reihe des Senders über schwule Themen.

Den ganzen Film gibt es hier
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