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TV-Kritik: "Gesetzlos": Warum diese Reihe unbedingt bleiben sollte

Von Der zweite Teil der Reihe "Über die Grenze" knüpft nahtlos an den Vorgänger an. Wo seine Schwächen und Stärken liegen.
Jegor Sobolew (Johannes Krisch) hat einen tödlichen Auftrag erteilt und wartet nun an seinem Schreibtisch, bis die Nachricht über dessen Erledigung kommt ... Bild: SWR/Polyphon/Benoit Linder Foto: (SWR-Presse/Bildkommunikation) Jegor Sobolew (Johannes Krisch) hat einen tödlichen Auftrag erteilt und wartet nun an seinem Schreibtisch, bis die Nachricht über dessen Erledigung kommt ... Bild: SWR/Polyphon/Benoit Linder
Frankfurt. 

Zu Beginn geht, wie in vielen guten Krimis, etwas schief: Die Ermittler überwachen einen Drogendeal im Straßburger Hafen und wollen die Beteiligten auf frischer Tat ertappen, mit allen Beweismitteln. Doch dann müssen die Beamtem mitanhören, wie einer der beiden jungen Russen erschossen wird. Sein Kamerad überlebt, will aber nicht aussagen. Besonders brisant: Der Tote ist der Sohn von Jegor Sobolew (Johannes Krisch), einer ganz großen Nummer in der russischen Mafia.

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Steffen Herold (Thomas Sarbacher) und sein französischer Kollege Yves Kléber (Philippe Caroit) kennen den Mafiapaten nur allzu gut. Sobolew hat ein handfestes Druckmittel gegen die beiden in der Hand. Und er wird den Tod seines Sohnes rächen müssen, um in der Unterwelt nicht an Macht und Ansehen zu verlieren. Droht der Ausbruch eines Bandenkriegs? Als Mörder des Patensohns kommt aber nur jemand in Frage, der bisher für den Paten selbst gearbeitet hat.

Vater gegen Sohn

In Sobolews Familie gibt es nämlich ein hochexplosives Geheimnis. Der zweite Teil um das deutsch-französische Ermittlerteam knüpft direkt an den Vorläufer „Alles auf eine Karte“ an und tritt dabei auch von Anfang an ordentlich aufs Gaspedal.  Schon wie Steffen Herolds Tochter Leni (Anke Retzlaff) und ihr Entführer und Vergewaltiger im Krankenhaus eingeliefert werden, gibt der Geschichte eine ordentliche Dynamik, die sich auch bis zum Schluss nur wenige Ruhepausen gönnt.

Das Drehbuch, an dem gleich drei Autoren zusammengearbeitet haben, schafft als Hintergrund der Geschichte mit Erfolg eine glaubwürdige Unterwelt mit eigenen Regeln. Dass Buch wie Regie dabei auch reichlich die Ikonographie des Mafia- und Killerfilms miteinbeziehen – so durch einen Killer mit auffälliger Adlertätowierung und viele Nahaufnahmen von Waffen – macht sich dabei im Prinzip auch nicht schlecht. Allerdings zeigt gerade "Gesetzlos" immer wieder die Grenzen dieses Konzepts auf.

Die Gefahr der Überinszenierung

So passt Johannes Krisch vom Typ her zwar ziemlich gut in die Patenrolle. Regie und Kamera geben sich aber sehr viel Mühe, ihn so oft wie möglich im diffusen Licht zu filmen – wie im Bild zu dieser TV-Kritik zu sehen um ihn noch bedrohlicher wirken zu lassen. Zeitweise tragen  Manierismen dieser Art zu dick auf und strapazieren unnötig die Glaubwürdigkeit mancher Szenen, zu spüren etwa in dem Gespräch Sobolews mit Steffen Herold in der Mitte des Films. Allerdings ist Sobolew als Rollencharakter ohnehin nicht die stärkste Seite des Films.

Für einen echten Verbrecherboss zeigt er sich einfach nicht effektiv genug. Abgesehen von der Szene, in der er einen Mann zusammenschlägt, agiert er überwiegend statisch, blickt finster und gibt kryptische Sätze von sich. Diese Schwäche zeigt sich besonders am Schluss in der zu breit ausgewalzten Szene mit Yves Kléber im Auto. Dass ein großer Mafiaboss sich so leicht von jemandem, den er erpresst, überwältigen und sogar umbringen lässt, ohne sich in einer solchen Situation durch seine Handlanger schützen zu lassen, mutet unglaubwürdig an.

Zwei Schauspielerinnen sind besonders stark

Sobolews Druckmittel gegen die beiden Polizisten überrascht nicht: Dass Steffen Herold und Yves Kléber ein homosexuelles Verhältnis hatten, weiß man eigentlich schon, seit im ersten Teil "Alles auf eine Karte" Kléber Herold im Auto an der Hand berührte. Spannend wird die Vergangenheit der beiden aber kurz vor dem Ende noch einmal, als Steffen Herolds Frau Sabine (Jenny Schily) kurz die Szene betritt. Die wieder einmal sehr starke Jenny Schily hat hier nur eine kurze Szene, in der sie Sabine aber eine enorme Präsenz verleiht.  

Auch Anke Retzlaff kann sich wieder gut in Szene setzen. Ihre Rolle als Steffen Herolds Tochter Leni, Lenis Verhalten schon im ersten Teil und das, was ihr dort passierte, stellen zwar nicht das Optimum in Sachen Glaubwürdigkeit dar. Das gilt auch dafür, dass Leni nicht einmal der Ärztin von ihrer Vergewaltigung erzählt. Anke Retzlaff verkörpert Leni mit allem Schmerz, aller Unsicherheit und Wut aber mit so viel Intensität und explosiver Energie, dass solche Mängel kaum ins Gewicht fallen.

Wenn Leni von dem russischen Killer als Geisel genommen wird und sich befreien kann, knüpft "Gesetzlos" zudem gekonnt an den Vorgänger an. Gut auch, dass der Film am Ende nicht alle Probleme löst und Leni noch einen Abgang verleiht, der große Erwartungen weckt. Neben den Bozen-Krimis hat das Erste mit der neuen Reihe also endlich wieder einen überzeugenden Donnerstag-Krimi ins Programm genommen. Wann kommt der nächste Teil? Hoffentlich bald!

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