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TV-Kritik: "Gestüt Hochstetten": Überflügelt die neue Serie die Krimi-Konkurrenz im ZDF?

Von Eine junge Arbeiterin erbt ein Gestüt – und gerät damit einen wahren Hexenkessel an Ehrgeiz und Intrigen. Warum der Auftakt Lust auf die Fortsetzungen macht:
Alexandra (Julia Franz Richter) sieht zum ersten Mal ihr Erbe, das Gestüt Hochstetten. Foto: ARD Degeto/Servus TV/SAM Film/Martin Hörmandinger Alexandra (Julia Franz Richter) sieht zum ersten Mal ihr Erbe, das Gestüt Hochstetten.
Der Titel hört sich verheißungsvoll an. "Gestüt Hochstetten" klingt schließlich nach einem ehrgeizigen Unternehmen, glanzvollen Kulissen und Intrigen auf höchster gesellschaftlicher Ebene. Im Original genauso: "Trakehnerblut"  heißt dort die Serie, die vom österreichischen Sender Servus TV produziert und vom Münchner Filmunternehmen SamFilm  umgesetzt wurde. Die ARD serviert die Serie, deren Folgen im Original jeweils 45 Minuten lang waren, nun zur besten Sendezeit in vier Portionen zu je 90 Minuten.
 
Im Mittelpunkt steht Alexandra Winkler (Julia Franz Richter), die als ungelernte Arbeitskraft in einer Wiener Großbäckerei arbeitet. Bis sie erfährt, dass sie das Trakehnergestüt Hochstetten erben soll. Bald lernt die auch ihren Halbbruder Maximilian (Christoph Luser) kennen: Er bietet ihr 200.000 Euro, wenn sie auf ihr Erbe verzichtet. Ein gewaltiger Betrag für die junge Frau, die Geld bis dahin eher vom Hörensagen kennt. Und die auch geneigt ist, anzunehmen – bis sie selbst Hochstetten einen Besuch abstattet.

Die Figuren sind nicht wirklich neu

Natürlich entscheidet sie sich dann anders, natürlich unternehmen dann ihr Bruder und seine berechnende Geliebte Maggie Loss (Jeanette Hain) alles nur Denkbare, die neue Halbschwester wieder loszuwerden. Klar auch, dass es dort noch zwei weitere Halbgeschwister gibt:  Sylvia (Patricia Aulitzky) will sich als Künstlerin selbst verwirklichen und Leander (Laurence Rupp) ist ein haltloser Playboy mit einer Vorliebe für Alkohol und Drogen, aber auch noch mit einem kleinen Rest von Ehrgefühl.
 
Ähnlich wie Paul Newmans Brick Politt in "Die Katze auf dem heißen Blechdach" also. Die Charaktere lassen somit keine großen Überraschungen erwarten. Doch die Umsetzung erstaunt: Lea Schmidbauer (Drehbuch), als Autorin der Pferdefilm-Reihe "Ostwind" einschlägig erfahren, und Regisseur Andreas Herzog  haben es nämlich auf bemerkenswerte Weise geschafft, ihre Figuren mit Leben zu füllen. Etwa dadurch, dass nicht nur Alexandra, sondern auch die anderen handelnden Personen hier Potential zur Identifikation bieten.
 
So verzichtet die Geschichte dankenswerterweise auf simple Schwarz-Weiß-Malerei: Maximilian zeigt sich hinterhältig und machtbesessen, aber er hegt auch höchst ehrgeizige Pläne für das Gestüt, wenn er ein wichtiges Reitturnier nach Hochstetten holen will. Einen besonderen Pluspunkt stellt dabei Jeanette Hain dar: Als Maximilians kaltblütig berechnende und intrigante, aber unternehmerisch ungemein kompetente  Geliebte ist Hain einfach ein Genuss.

Suche nach Entscheidung als Spannungsfaktor

Auch langweilt der Film nie, weil er einfach seine Laufzeit clever nutzt: Andreas Herzogs kompetente Regie zeigt sich unter anderem daran, mit wie viel Feingefühl er seine Schauspieler geführt hat. So holt er etwa gerade aus Alexandras Zögern, wie sie sich angesichts ihrer neuen Lage entscheiden soll, eine hohe Spannung heraus. Dabei geht es um das Bewusstwerden ihrer Familiengeschichte und neuer Möglichkeiten,  um Aufbruch ins Ungewisse und Bruch mit einem alten, engen, aber gewohnten Leben.
 
Aber ebenso auch um Loyalität zu alten Freunden. "Gestüt Hochstetten" will deswegen nichts Neues erzählen, das Altbekannte aber so gut wie möglich. Zusammen mit der flüssigen und unprätentiösen Erzählweise schafft die Serie es deshalb, sogar Zuschauer zu faszinieren, die mit Pferden bis dahin nicht viel am Hut haben.
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