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TV-Kritik: "Goldbach": Wie zündet der erste Schwarzwald-Tatort?

Hans-Jochen Wagner und Eva Löbau verkörpern das neue Fahnder-Duo. Ihr erster Fall: Ein erschossenes Mädchen
Foto: (SWR-Presse/Bildkommunikation)
Das also ist das neue Kommissar-Team aus dem Schwarzwald: Friedemann Berg, gespielt von Hans-Jochen Wagner, und Franziska Tobler, verkörpert von Eva Löbau. Dazu kommt noch Steffi Kühnert als Cornelia Harms, Leiterin des Kommissariats. Ein Team, dass sich im ersten Fall noch angenehm zurückhielt: keine Streitereien, keine innerpolizeilichen Abgründe, keine Familiendramen bei den Ermittlern. Und auch sonst nichts, womit Drehbuchautoren gerne Zeit schinden.
 
Bis auf zwei Schnäpse zwischendrin, die Berg sich hinter die Binde kippen darf. Witze bleiben außen vor: Schließlich geht es darum, herauszufinden, warum die erst elfjährige Frieda Reutter erschossen wurde.  Der Film nutzt bereits die ersten Minuten klug, um Spannung aufzubauen: Eine Landschaft, in der ein Schuss knallt, und anschließend Berg und Tobler, die den Eltern des Mädchens die Todesnachricht überbringen müssen.
 

Wo sind Friedas Freunde abgeblieben?

 
Besonders bitter: Barbara (Victoria Mayer) und Jens Reutter (Godehard Giese) sind mit ihrem Kind extra weit weg in ein Dorf gezogen, um Frieda ein Aufwachsen in der freien Natur zu ermöglichen. Zwei weitere Ehepaare haben es genauso gemacht. Mit deren beiden Söhnen Paul Buchwald und Linus Benzinger war Frieda unterwegs. Doch die beiden Jungen sind verschwunden. Bis Paul Buchwald plötzlich wieder in der heimischen Küche sitzt und beiläufig nach Essen fragt.
 
Nahe der Leiche des Mädchens kommt in einem Schacht versteckt ein Waffenkoffer mit Gewehren und Pistolen zum Vorschein. Paul gibt an, nicht zu wissen, was mit Linus Benzinger und dem Mädchen passiert ist: Er habe sich von den beiden getrennt. Spuren führen zu dem Hersteller der Waffen, dem Berg einen Besuch abstattet, aber auch zu Martin Benzinger, einem Sportschützen, und dem örtlichen Schützenverein.
 

Hier wird Trauer knallhart gezeigt

 
Die Trauer der Hinterbliebenen thematisiert ein "Tatort" nur selten. "Goldbach" rückt diesen Aspekt dagegen zeitweise in den Mittelpunkt: Der Vater bricht zusammen, als er erstmals die Leiche seiner Tochter zu Gesicht bekommt. Die geschockten Eltern bekommen eine Auswahl mit Särgen für ihre Tochter vorgelegt. Der verzweifelte Vater – brillant gespielt von Godehard Giese – trauert auch anders als die Mutter des Mädchens.
 
Der düstere Wald, die nassen Straßen, der Schnee: Der Krimi holt eindrucksvolle Stimmungsbilder aus seinem Handlungsort. Im Zusammenhang mit der Filmmusik schafft das eine phasenweise ziemlich beklemmende Stimmung. Was aber leider nicht verdecken kann, dass der eigentliche Fall ziemlich dünn geraten ist. Dass Regisseur Robert Thalheim weitgehend auf Effekte verzichtet hat, liegt auch daran, dass die Geschichte einfach nicht viel hergibt.
 

Waffen lagern will gelernt sein

 
Spätestens nach der ersten Hälfte fängt die Sache an, sich merklich zu ziehen. Ohne Wendungen oder gar Überraschungen plätschert die Geschichte vor sich hin. Die aalglatten Waffenhersteller  wecken durch ihr stereotypes Auftreten – selbstverständlich leugnen sie jegliche Verantwortung - ebenso wenig Interesse wie deren angedeutete Verbindungen in die hohe Politik. Der Mikrokosmos der drei Familien und ihr Verhältnis untereinander zeigen keine echten Überraschungen, die Kinder bleiben bloße Schemen.
 
Dazu kommt ein massives Glaubwürdigkeitsproblem: Wer heimlich Waffen lagert, macht sowas mit Sicherheit nicht auf die Art, wie das in diesem Film geschieht. Und die Auflösung ahnt man eigentlich auch schon ziemlich früh. Fazit: Schöne Bilder, ein sehr authentisch auftretendes Ermittlerduo, eine glaubwürdige Chefin – aber dem Fall selbst geht dann doch ziemlich bald die Luft aus. Erst gegen Ende kommt noch ein wenig Spannung auf.
 
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