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TV-Kritik: "Gott ist auch nur ein Mensch": Dieser "Tatort" ist überfällig

Wenn im Krimi ein kulturelles Großereignis ansteht und gleichzeitig jemand Böses plant, wächst zusammen, was zusammengehört. Auch wenn es dabei im Detail mitunter knirscht.
Aktionskünstler Zoltan Rajinovic alias G.O.D. (Aleksandar Jovanovic, rechts) stattet Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, links) einen Besuch in der Rechtsmedizin ab. Bild: WDR/Wolfgang Ennenbach Foto: (WDR Presse und Information/Redak) Aktionskünstler Zoltan Rajinovic alias G.O.D. (Aleksandar Jovanovic, rechts) stattet Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, links) einen Besuch in der Rechtsmedizin ab. Bild: WDR/Wolfgang Ennenbach

Seien wir ehrlich: Auf einen Krimi wie diesen warten viele. Hat sich doch schon Thriller-Ikone Raymond Chandler unter dem Titel "Die simple Kunst des Mordes" mit dem Kriminalroman auseinandergesetzt. Und Vincent Price als erfolgloser Schauspieler in "Theater des Grauens" oder rachsüchtiger Doc in "Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes" seine Gegner höchst kunstvoll ins Jenseits befördert.

In der Fiktion - und natürlich nur dort - passt Kunst und Killen also schon gut zusammen, und in Münster stehen die internationalen Skulptur-Tage an. Ideale Bedingungen für einen Kunst-affinen Serienmörder also. Die erste Leiche taucht denn auch in einer Clown-Skulptur auf. Zu Lebzeiten handelte es sich um einen ehemaligen Politiker, der an Minderjährigen nicht nur pädagogisches, sondern auch päderastisches Interesse hatte.

Ein Künstler wird zum Gott

Der zweite Tote, ein Hass-Poster gegen Flüchtlinge, rudert als Mumie ein Schlauchboot vor einem Flüchtlingsheim. Und Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) darf sich bei dem Aktionskünstler Zoltan Rajinovic  alias G.O.D. (Aleksandar Jovanovic) als berufener Schüler fühlen. Klar, dass er da noch übergeschnappter agiert als ohnehin schon. Zum Glück trifft Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) eine alte Freundin aus Kindertagen wieder: Die Kuratorin Klara Wenger (Victoria Mayer), mit der er einst Kleiner tauschte.

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Ihre Mutter Nika (Gertie Honeck), einst selbst Kuratorin, hat ihr die Wege ins Geschäft geebnet. Bei dieser Gelegenheit erfährt man nebenbei, dass die kettenrauchende Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann) Thiel auch schon gekannt hat, als der noch ein Kind war. Und das bekommt Thiel erst jetzt zu hören? Oh je! Zum Glück passt der Rest des Films dank des schwarzen Humors besser zusammen.

Zu viele Klischees, zu wenig Victoria Meyer

Wenn auch vieles nicht eben überrascht. Ist Kunst so wenig inspirierend? Natürlich sind Künstler allesamt komplett durchgeknallte Existenzen und Narzissten, und selbstverständlich gibt es die eine oder andere Witzelei darüber, wie und unter welchen Umständen Kunst entsteht und wie sie betrachtet wird. Klischees dieser Art verleihen der Geschichte mitunter eine gewisse Muffigkeit.

Erfreulicher zeigt sich da schon Victoria Meyer, die als Klara dem Ganzen eine frische Dosis Charme verleiht und der man eine größere Rolle gegönnt hätte. Der überraschende Schlussgag mit Konzeptkünstler Christian Jankowski gefällt ebenfalls. Gewohnt gut geraten sind die Frotzeleien zwischen Thiel und Boerne, und "Vom Arschloch zum Arschkriecher" könnte im Deutschen bald eine Standard-Beschimpfung werden.

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