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TV-Kritik: "Gracia Patricia – Fürstin von Monaco": Der Flop um Grace Kelly

Das Leben Grace Kelly in den frühen 60ern hätte einen guten Filmstoff hergegeben. Woran der Film jedoch scheiterte.
Alfred Hitchcock (Roger Ashton-Griffiths) bietet Fürstian Gracia Patricia (Nicole Kidmann) die Hauptrolle in seinem neuen Film "Marnie" an. Foto: (ARD Degeto/Programmplanung und P) Alfred Hitchcock (Roger Ashton-Griffiths) bietet Fürstian Gracia Patricia (Nicole Kidmann) die Hauptrolle in seinem neuen Film "Marnie" an.
Das Leben von Grace Kelly als Filmstoff? Warum nicht, wenn die Macher das Thema richtig umsetzen. Positiv wirkt sich hier schon einmal aus, dass der Streifen die normale Laufzeit von 90 Minuten nicht überschreitet – das schließt einen Mega-Langweiler wie „Wyatt Earp“ mit Kevin Costner schon mal aus. Und der Film versucht auch nicht, Kellys ganzes Leben zu erzählen, sondern konzentriert sich auf einige Monate zu Beginn der 1960er Jahre, als der Staat Monaco in eine schwere Krise schlitterte.
 
Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle wollte damals die Souveränität Monacos beenden. Viele französische Unternehmen verlegten ihren Geschäftssitz in den Zwergstaat an der Riviera, um Steuern zu sparen. Der blutige Krieg in Algerien, der 1962 mit der Unabhängigkeit des nordafrikanischen Landes endete, hatte Frankreichs Finanzen erschöpft und auch in selbst Frankreich für erhebliche Turbulenzen gesorgt. Der Film thematisiert an einer Stelle auch das Attentat der OAS auf de Gaulle am 22. August 1962.

Die brüchige Fassade

Dazu kamen Eheprobleme für Fürst Rainier III. Grace Kelly war der Wechsel zum Star in Hollywood zur Landesmutter in Monaco nicht bekommen. Sie vermisste Kollegen, Freunde und Dreharbeiten, lernte nur mühsam die französische Sprache und konnte sich nicht an das Hofprotokoll in Monaco gewöhnen. Anfang der 60er Jahre musste sie zudem Fehlgeburten und den Tod ihres Vaters – den der Film nur streift – verkraften.
 
In dieser Situation musste ihr das Angebot Alfred Hitchcocks, gespielt von Roger Ashton-Griffiths, wie eine Rettung erscheinen: Er bot ihr die Titelrolle in seinem Film "Marnie" an. Grace Kelly hätte nur allzu gerne angenommen, aber das hätte wohl die Trennung des Fürstenpaares bedeutet. So wie Grace Kelly mit Monaco fremdelten auch die Monegassen mit ihr. Speziell die Rolle der "Marnie" – die einer Kleptomanin, deren Verhalten aus Frigidität resultiert – hätte hier für die Bewohner des Fürstenstaates einen Schlag ins Gesicht bedeutet.

Die Hauptgeschichte kommt zu kurz

Eine Frau, hin- und hergerissen zwischen Familie und (altem) Beruf, zwischen Mutterliebe und künstlerischen Neigungen: eine spannende Situation, die der Film aber nicht wirklich gekonnt umsetzt. Die politische Querelen und andere Vorgänge in und um Monaco nehmen viel Raum ein. Die Geschichten stehen sich dabei aber gegenseitig im Weg und können sich durch den ständigen Wechsel von Erzählstrang zu Erzählstrang kaum entfalten.
 
Gegen Ende versucht Regisseur Olivier Dahan sogar, der Geschichte das Flair eines Politthrillers zu verleihen und scheucht Nicole Kidman wie einst in ihrer Rolle in "Bangkok Hilton" durch endlose halbdunkle Gänge. Auch macht das Drehbuch zu wenig aus der spannendsten Geschichte des Films, Grace Kellys Eheproblemen. Tim Roth erscheint als Rainier III in erster Linie kraftlos, überfordert und seiner Frau kaum gewachsen.

Kidman schlägt sich wacker

Erst spät gelingt es Roth, seiner Rolle ein wenig Ambivalenz zu verleihen. Seine Mitspieler wie Robert Lindsay als Onassis haben aber das gleiche Problem: Um sich wirklich in Szene zu setzen, fehlt es an markanten Szenen. Dagegen kann sich Nicole Kidman schon ganz gut behaupten. Kidman, während der Dreharbeiten schon eine Mittvierzigerin, nimmt man schon von ihrem Typ her die Rolle der rund zwölf Jahre jüngeren Grace Kelly mühelos ab.  
 
Etwas Augenfutter durch den Schauplatz Riviera kommt dazu. Zu Beginn des Films darf Nicole Kidman sogar ihrem Frust am Gaspedal freien Lauf lassen – am Steuer eines offenen Porsche 356, der in der gleichen Farbe gehalten ist wie der Sunbeam Alpine Mark III, den Grace Kelly in "Über den Dächern von Nizza" steuerte. Eine gelungene Anspielung an den Hitchcock-Klassiker.
 
Zum wirklich gelungenen Film fehlt dem Film aber die notwendige Verdichtung oder die entsprechende Fiktionalisierung des Stoffes. Auch wirken einige Szenen, etwa die Lektionen in entsprechender Bewegung am Hofe, bei einer legendären Stilikone wie Grace Kelly grotesk unglaubwürdig. An der Kinokasse fiel das Werk durch, aus nachvollziehbaren Gründen.
 
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