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TV-Kritik: "Harrys Insel": Wenn einer aus Liebe das Falsche tut

Ein entlassener Häftling trifft auf einer einsamen Privatinsel auf die streitbare Susan. Aus der Komödie entwickelt sich bald ein berührendes Charakterdrama.
Das ungleiche Paar rauft sich bald zusammen: Harry (Wolfgang Stumph) kann über Susan (Katrin Sass) oft nur staunen. Bild: ARD Degeto/Chris Reardon Foto: (ARD Degeto/Programmplanung und P) Das ungleiche Paar rauft sich bald zusammen: Harry (Wolfgang Stumph) kann über Susan (Katrin Sass) oft nur staunen. Bild: ARD Degeto/Chris Reardon

Anfangs erscheint es noch wie eine etwas bemühte Klamauk-Komödie: Harry Stockowski (Wolfgang Stumph) saß jahrelang im Gefängnis und sich will nach seiner Entlassung auf eine Insel in der kanadischen Wildnis zurückziehen, die er ersteigert hat. Doch auf der Insel trifft er auf unerwartete Konkurrenz: Die wilde Susan Bennett (Katrin Sass) hat sich dort festgesetzt und behauptet, ihrerseits die rechtmäßige Eigentümerin zu sein. Was Harry schnell seine Grenzen aufzeigt: Susan hat ein Gewehr und kann auch damit umgehen.

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Bis dahin liefert der Film wie schon der ARD-Freitagsmehrteiler "Unser Traum von Kanada" viel Augenfutter. Die Wildnis Kanadas kontrastiert ein kurzer Rückblick wirkungsvoll mit den grauen Wänden und der Enge von Harrys Vorgeschichte: Harry saß im Gefängnis. Einen gänzlich anderen Lebenslauf besitzt Susan, die einst heiße und umschwärmte Braut. Eine Rolle, die man Katrin Sass ebenso gerne abnimmt wie Wolfgang Stumph den etwas spießigen, jetzt aber zivilisationsmüden Aussteiger.

Figuren mit Vergangenheit

Als Typenkomödie wirkt der Film trotzdem zu Beginn nicht sonderlich glaubwürdig – ein Eindruck, der jedoch schlagartig verfliegt, als klar wird, dass Susan ernsthaft erkrankt ist. Die Geschichte zögert die Aufdeckung von Susans Hintergrund gekonnt hinaus: Anfangs weckt sie noch den Eindruck einer Rauschgiftsüchtigen. Aber auch Harry rückt erst spät damit heraus, weswegen er im Gefängnis war.

Später liefert der Film noch gute Begründungen für seine Ausgangssituation. Vor allem aber weckt er dadurch Interesse, wie intensiv und zugleich leicht und lässig sich das Drehbuch mit dem Thema der Selbstbestimmung und damit dem eigentlichen Kernthema der Geschichte auseinandersetzt. Dabei bleiben die Figuren angenehm vielschichtig: "Harrys Insel" verzichtet weitgehend auf jede Figurenzeichnung in Schwarz-Weiß.

Auch Susans Sohn will ihr Bestes

So bei Susans Sohn Jason Bennett (Philipp Rafferty), der anfangs noch als ein Mann erscheint, der seiner Mutter die Freiheit nehmen will. Später entpuppt er sich ber als liebevoller und besorgter Sohn, der für Susan das Beste will. Anna Justice, Ehefrau von Schauspieler Florian Lukas, hat nicht nur Katrin Sass und Wolfgang Stumph, sondern auch Rafferty und Cosima Henman als Susans Enkelin Jennifer gekonnt geführt. Ihr gelang ein Höhepunkt im ARD-Freitagsfilm.

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