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TV-Kritik: "Hausbau mit Hindernissen": Nicht nur Ziegen machen Ärger

Von Dieser ARD-Freitagsfilm rührt bewährte Zutaten aus Familienfilmen ganz neu zusammen. Und das mit einem überzeugendem Ergebnis.
Der anfangs schrullige Nachbar Rufus (Peter Franke) freundet sich mit Mats (Arne Wichert,li.) und Finja (Lili Ray) an. Foto: ARD Degeto/Boris Laewen Der anfangs schrullige Nachbar Rufus (Peter Franke) freundet sich mit Mats (Arne Wichert,li.) und Finja (Lili Ray) an.
Dass die ARD nicht zumindest ahnt, was seine Zuschauer gerne sehen, kann man dem Ersten nun nicht vorwerfen. Dieser Film beweist es: Aus Krankenhausserien wie "In aller Freundschaft" kommt die Krankenschwester – hier in Gestalt von Karla (Katharina Schüttler) – aber statt eines souveränen Oberarztes ein selbständiger Fliesenleger namens Martin (Hans Löw). Und eine ländliche Szenerie macht sich immer gut, wenn man am Freitagabend vor dem Fernseher ein wenig die Seele baumeln lassen will.
 
Karla und Martin wollen aufs Land ziehen. Steigende Mieten in der Stadt haben sie dazu veranlasst, ein renovierungsbedürftiges Haus zu kaufen – im Grünen, aber auch mit weiterem Arbeitsweg. Nun geht es darum, die Renovierung gemeinsam zu stemmen, und das ist keine leichte Sache. Schon gar nicht mit einem schrulligen Nachbarn wie Rufus (Peter Franke), dessen freilaufende Ziegen zu Beginn der Geschichte für einigen Ärger sorgen.

Feine Charakterstudien von Jung und Alt

Aber den Zuschauer erfreuen: Tiere bringen schließlich auch oft eine gewisse Entspannung mit. Und die Entspannung, die dieser Film vermittelt, resultiert aus einem gut zusammengestellten Paket. Es ist einerseits eine Häuslebauer-Komödie, andererseits ein Familienfilm, in dem auch Finja (Lilli Ray) und Mats (Arne Wichert), die beiden Kinder von Karla und Martin, über eine vom Drehbuch gut ausformulierte Persönlichkeit verfügen. 
 
 
Filmfans werden sich überdies über ein Wiedersehen mit Angela Winkler ("Die verlorene Ehre der Katharina Blum") freuen. Und darüber, dass der Film im Gegensatz zu anderen Filmen um das Thema Hausbau nicht mit aller Gewalt als Komödie versteht, sondern Raum lässt für feine Charakterstudien. Dabei zeigt schon die Aufteilung zwischen Karla und Martin einen originellen Ansatz: Sie ist zugleich abenteuerlustig und der ruhende Pol der  Familie, er zeigt sich als ängstlich bis zur Hysterie und skeptisch.

Alter Gag mit Liebe aufbereitet

Ein bisschen Slapstick muss natürlich dennoch sein. Aber "Hausbau mit Hindernissen" präsentiert selbst spritzende Fäkalien mit einem erstaunlichen Maß an Fingerspitzengefühl: Der Gag wird nicht nur einfach lieblos abgespult, sondern als Teil eines ausgetüftelten emotionalen Wechselbads mit der Handlung verflochten. Erst Karlas leuchtende Augen, als sie übermüdet von ihrer Nachtschicht nach Hause kommt und das neue Bad erblickt, und am Ende die stinkende Dusche.
 
Der Zuschauer sieht es und leidet mit. Das ist auch ein Verdienst der Schauspieler und vor allem Katharina Schüttler, die selbst im Blaumann etwas Verführerisches ausstrahlt, sowie Hans Löw: Von den beiden und ihrem betont natürliches Spiel lässt sich der Zuschauer gerne mitnehmen in das Abenteuer Hausrenovierung – einer Aktion, die sich durchaus auch als Metapher darauf sehen lässt, sich ein halbwegs passables Leben zu zimmern.
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