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TV-Kritik: "Helden am Herd": Diese Serie ist ein Knaller

Von Wenn sich hier Verlierer sich zusammentun, um alte Träume zu verwirklichen, ist Tragik, Komik und beste Unterhaltung garantiert.
In den acht Folgen bleiben heftige Blessuren nicht aus: Thomas (Martin Buch, li.) kümmert sich widerwillig um Dion (Esben Dalgaard, re.), der mit gebrochenen Armen Hilfe nötig hat. Foto: (ARTE France) In den acht Folgen bleiben heftige Blessuren nicht aus: Thomas (Martin Buch, li.) kümmert sich widerwillig um Dion (Esben Dalgaard, re.), der mit gebrochenen Armen Hilfe nötig hat.
Thomas (Martin Buch) einen Mann mit vielen Problemen zu nennen, wäre sicher her noch untertrieben. Seit seine Frau bei einem Unfall starb, hat sein Sohn Niklas (Viktor Lykke Clausen) kein Wort mehr gesprochen: Er hat mitangesehen, wie seine Mutter überfahren wurde. Und Thomas, ein arbeitsloser Sommelier, haust mit seinem Jungen in einer heruntergekommenen Bruchbude. Eine Situation, in der ihm durch die Schulpsychologin der Entzug des Sorgerechts droht, wenn er sich nicht endlich zusammenreißt und wie ein verantwortungsbewusster Vater handelt.
 
Was fehlt einem Mann in dieser Situation?  Ein guter Freund natürlich, einer wie Esben Dalgaard: Eben frisch aus dem Gefängnis entlassen, mit falschen Papieren ausgestattet – die noch nicht ganz bezahlt sind - und von dem durch Nicolas Bro gespielten Verbrecher "Zahnfee" (eine Anspielung auf den psychopathischen Mörder gleichen Namens im Hannibal Lecter-Erstling "Roter Drache") gejagt. Er kriecht bei Thomas unter, aber mit der geplanten Flucht nach Thailand wird es nichts, denn auch dort ist er vor Zahnfee nicht sicher.
 

Witz durch Tragik

 
Dion überzeugt Zahnfee, das ausstehende Geld mit der Eröffnung eines Restaurants abarbeiten zu können. Weitere Probleme gibt es durch Kisser (Lærke Winther), seine ehemalige Knastwärterin, mit der er ein verbotenes Verhältnis hatte, und durch deren Vater, Kommissar Berggreen  (Peter Gantzler. Eine überaus skurrile Mannschaft haben sich Henrik Ruben Genz (Regie) und Kim Fupz Aakeson (Drehbuch) hier für ihre achtteilige Mini-Serie „Helden am Herd“ ausgedacht.

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"Kummer, Qualen und Neid sind wichtige Zutaten für Komik" sagt Aakeson darüber und es wird schnell deutlich, wie Recht er damit hat. Ohne große schenkelklopfende Pointen zu liefern, widmet sich die Geschichte ganz ihren Figuren – und bringt es dabei fertig, ihre Tragik eben nicht klischeehaft schicksalsschwer, sondern mit einer oft anrührenden Leichtigkeit zu erzählen.
 

Subtil und wirkungsvoll erzählt

 
Schon der Auftakt macht klar, woran es etwa dem letzten Montagsfilm "Was ich von dir weiß" so mangelte. Dabei wirkt auch "Helden am Herd" optisch wie ein typisch deutsches Schicksalsdrama: fusselig graue Umgebung, ein Haus, das dasteht, als hätte es gerade noch so den letzten Krieg überstanden und eine Inszenierung, die vor allem auf lange Einstellungen vertraut. Zu Recht übrigens, denn so kommen die ausgezeichneten Schauspieler auch gut zur Geltung.
 
Aber sobald Dion auf der Bildfläche erscheint, ändert sich der Tonfall. Nur um Nuancen, aber die geben dem Geschehen subtil eine ganz eigene Note: Wenn Dion vor dem Kühlschrank steht und mit den letzten Resten daraus ein einfaches, aber schmackhaftes Essen zaubert, inszeniert Genz das mit einer kurzen Abfolge schneller Schnitte und einer Musik, die alldem erstmals so etwas wie einen Hoffnungsschimmer und einen Ausblick auf eine bessere Zukunft verleiht.
 

Das US-Remake floppte

 
Wie die Serie ihre Charaktere handhabt, in den acht Folgen in grotesk tragikomische Situationen verstrickt und dabei von Träumen erzählt, die gegen alle möglichen Widerstände zur Verwirklichung drängen, ist schon meisterhaft und hat bereits ein US-Remake unter dem Titel "Feed the Beast" veranlasst. Das allerdings schon nach einer Staffel abgesetzt wurde: Nicht immer hat Hollywood bei Neufassungen das richtige Händchen für jene Stimmung und Charakteristik, die das Original zum Erfolg machte. Dieses Original  zeigt Arte jetzt mit den ersten vier Teilen am Stück und die restlichen Folgen am nächsten Donnerstag.


 
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