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TV-Kritik: "Herzblut": Müde Sorte

Von Der vierte Kluftinger-Krimi kommt trotz blutiger Details in Sachen Spannung nicht so recht in Fahrt. Nur die Schauspieler retten das Ganze.
Yoga mit Langhammer (Bernhard Schütz, links) und Kluftinger (Herbert Knaup, re.) macht dem Kommissar kein Vergnügen. Foto: (ARD Degeto/Programmplanung und P) Yoga mit Langhammer (Bernhard Schütz, links) und Kluftinger (Herbert Knaup, re.) macht dem Kommissar kein Vergnügen.
Das musste ja mal so weit kommen bei Kommissar Kluftinger: Bei der Vorliebe für deftiges Essen, bei dem Bauch, der sich bei seinem Darsteller Herbert Knaup dank Fettanzug so schön malerisch über dem Gürtel spannt. Dann auch noch der Vater (Tilo Prückner) wegen dem Herzen in der Klinik, da kann man es schon einmal mit der Angst zu tun bekommen, wenn sich ein stechender Schmerz aus der Brustregion meldet. Der Chefarzt der Klinik empfiehlt ihm den auch dringend, sich mal gründlich untersuchen zu lassen.
 
Und Kluftinger, der barocke Genießer aus dem Allgäu, mampft bald Rohkost statt bayrischer Brezn und steigt um auf koffeinfreien Kaffee. Yoga betreibt er auch noch, natürlich ausgerechnet unter der Regie seines Intimfeinds Dr. Langhammer (Bernhard Schütz).Was macht man nicht alles für die Pumpe in der Brust. Aber keine Sorge, am Ende wird sich alles trotz fataler Werte in Wohlgefallen und Kässpatzn (Kluftingers Leibgericht) auflösen. Das Herz steht aber, der Titel dieses Krimis verrät es schon, auch sonst im Mittelpunkt der Handlung.
 

Eine scheußliche Mordserie

 
Es geht nämlich um eine Mordserie, bei dem der oder die Mörder ihren Opfern das Herz aus der Brust schneiden Über das erste Opfer stolpert Kluftinger durch einen Anruf auf seinem Handy. Dass das blutige Organ ist mit einem Streichholzheft mit herausgerissenen Hölzchen dekoriert: Ein Hinweis darauf, dass es Kluftinger und sein Team mit einem Serienmörder zu tun haben. Und ein neuer Anlass, dass sich Kluftinger, der sich unter seiner Leibesfülle bemerkenswert zartbesaitet zeigt, nicht gut fühlt.
 
Zwischen einer blutigen Mordserie und dem üblichen Slapstick um Kluftinger und seine Kollegen bietet der vierte Kluftinger-Krimi -  der auf dem siebten Roman des Autorenduos Michael Kobr und Volker Klüpfel  beruht -  diesmal eine bemerkenswerte emotionale Spannweite. Aber die bewältigt er nicht immer zufriedenstellend: Kluftingers Eigenheiten stehen stark im Mittelpunkt, die Gags kommen eher müde, die eigentliche Krimi-Handlung erweist sich trotz schauriger Details als grob geschnitzt und nicht sonderlich aufregend.
 

Täter überzeugen nicht

 
Der Showdown in einer Geisterbahn ist eine hübsche Idee, aber Kluftingers scheinbare Herzprobleme sind im Prinzip spannender als der Rest. Bei einem Typ wie ihm erwartet man allerdings eher eine Bypass-OP statt nur Rohkost. Als großes Manko zeigen aber vor allem sich die Täter, die kaum in der Handlung präsent sind. Es mangelt deswegen an Stringenz und Plausibilität. Auch in Sachen Lokalkolorit bietet der Film nicht allzu viel.
 
Dass er noch halbwegs unterhaltsam wirkt, liegt an den Schauspielern, die mit Vergnügen bei der Sache sind, und vor allem an Herbert Knaup. Der Schauspieler, der tatsächlich aus dem Allgäu kommt, gibt den leidenden und ängstlichen Kommissar mit so viel Hingabe, dass es einfach Spaß macht, ihm zuzuschauen. Man vergisst dabei sogar, dass man Knaup aus anderen Rollen eher als schlank und schlaksig in Erinnerung hat.  Nächste Woche kommt der nächste und hoffentlich bessere Kluftinger: "Schutzpatron".
 
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