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TV-Kritik: "Hexenjagd": Dicht und dramatisch

Von Die letzte Episode aus "Die Chefin" glänzt besonders mit ihrer straffen und ökonomisch inszenierten Geschichte.
Szenenfoto Foto: ARD Szenenfoto
Die zierliche Katrin Moschner (Ann-Kathrin Kramer) ist zugleich drahtig und schnell. Das bekommt auch der Polizist zu spüren, der an der Tankstelle ihre Papiere kontrollieren will: Moschner bricht ihm die Nase und verschwindet zu Fuß im nächtlichen Dunkel. Im Kofferraum des Wagens, den sie steuerte, liegt eine Tote: Birgit Ludwig, auch die Besitzerin des Autos. Moschner hatte die lesbische Frau kontaktiert, nachdem sie von Weiss, mit dem sie eine Affäre hatte, vergewaltigt worden war. Später soll sie Weiss, den sie zum Krüppel fuhr, erstochen haben.
 
Birgit Ludwig hatte sich in dem Verein "Hände weg e.V." für solche Frauen engagiert. Aber mit Moschner hatte sie keine Affäre. Kommissarin Vera Lanz (Katharina Böhm), die Moschner noch aus ihrer Schulzeit kennt, stößt auf ein spannungsgeladenes Beziehungsnetz: Da sind Moschners Mann und Sohn, die sie beide verlassen hat, als sie unter Mordanklage stand. Da ist Saskia Seitz (Tanja Wedhorn), die neue Lebensgefährtin von Moschners Ehemann, die die marode Firma der Moschners umgekrempelt und auf gesunde Beine gestellt hatte.
 

Viele Verdächtige und Motive

 
Und dann noch Daniel Burgstaller (Jan Felski), der die Tote beschuldigt, seine Frau gegen ihn aufgehetzt zu haben. Und Max Kerber ( Gian Rupf), der zu der Witwe von Weiss in einer offenbar sehr engen Beziehung steht. Eine überaus reiche Anzahl an Verdächtigen, Motiven und Alibis also – aber dennoch verliert der Film nie den roten Faden. Die Polizisten bleiben nämlich angenehm zurückhaltend. Die Tochter der "Chefin", in früheren Episoden mit dem einen oder anderen Auftritt bedacht, bleibt angenehmerweise völlig außen vor.
 
Der Film konzentriert sich auf die Verdächtigen und ihr Umfeld und holt mit seiner straffen und ökonomisch inszenierten Geschichte ein Maximum an Wirkung heraus. Dabei verdankt er viel den realistisch spielenden Darstellern und einem gut integrierten Maß an melodramatischen Verstrickungen der Protagonisten untereinander. Wie in vielen guten Kriminalfilmen sind auch die Täter am Ende eher tragisch als durch und durch bösartig gezeichnet.
 
Was auch den Zuschauern die Identifikation mit ihnen erleichtert. "Die Chefin", deren Erstausstrahlung sich 2017 zum fünften Mal jährt, dürfte den Zuschauern auch nach dem Ende der siebten Staffel – "Hexenjagd" stellt die letzte Episode dar – erhalten bleiben. Und der "Tatort" könnte sich gelegentlich auch mal eine Scheibe davon abschneiden.
 
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