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TV-Kritik: "Hit Mom - Mörderische Weihnachten": Frankfurter Putzfrau mit Nebenwirkung

Von Schwarze Komödie: Eine Raumpflegerin gerät durch groteske Zufälle auf die falsche Seite des Gesetzes und arbeitet als Auftragsmörderin.
Wer wie Aylin (Thelma Buabeng, links) die Raumpflegerin Hanni (Anneke Kim Sarnau, rechts) zur Kollegin hat, muss nicht über Langeweile klagen. Bild: HR/Bettina Müller Foto: (HR/Pressestelle) Wer wie Aylin (Thelma Buabeng, links) die Raumpflegerin Hanni (Anneke Kim Sarnau, rechts) zur Kollegin hat, muss nicht über Langeweile klagen. Bild: HR/Bettina Müller
Frankfurt. 

Killer haben einen grotesken Beruf: Obwohl  sie sich in der Wirklichkeit – oder was immer man als Laie auch dafür hält – im maximal gesetzfreien Raum bewegen, müssen sich im Film an eiserne Regeln halten. Sie reden wenig, agieren weitgehend emotionslos, schauen mit verkniffenem Blick und betrachten ihre Opfer bevorzugt durch ein Zielfernrohr. Aber natürlich geht auch an ihnen die Emanzipation nicht spurlos vorüber. In den siebziger Jahren sahen sie noch aus wie Charles Bronson ("Brutale Stadt", "Kalter Hauch") und jetzt wie Anneke Kim Sarnau.

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Eine Putzfrau zur Killerin zu machen, ist eigentlich eine geniale Idee: Diese Berufsgruppe müsste im Beseitigen von Fingerabdrücken und anderen Spuren ja besonders geübt sein. Und das Raumpflegerin Hanni (Anneke Kim Sarnau) mitunter von ziemlich bösen Gedanken heimgesucht wird, beweist sie schon zu Beginn dieses Films, wenn sie in dem Kaufhaus, in dem sie arbeitet, eine Spielzeugpistole zusammenbaut.

Lieber das Hackbeil als ein Schießeisen

Der Mörder, den sie bald danach zufällig davon abhält, eine alte Frau zu töten, bevorzugt allerdings ein alltäglicheres Tatwerkzeug: eine Axt, womit der Film eine nette Anspielung auf US-Krimis eingebaut hat. In Amerika wird ein Auftragskiller nicht nur als Hitman, sondern auch als Hatchetman (Axtmann) bezeichnet. Als der Killer Hanni jedenfalls als Zeugin beseitigen will, befördert sie ihn ins Koma und will sein Opfer warnen. Doch das Opfer überlebt die Begegnung nicht, und deswegen engagiert der Auftragsgeber des Killers nun Hanni an dessen Stelle.

Die kann im Prinzip das Geld gut gebrauchen, reicht doch ihr Verdienst nur mit Mühe, ihren arbeitslosen Mann und ihren Sohn durchzufüttern. So richtig liegt ihr das Totmachen allerdings nicht, weswegen sie froh sein kann, dass ein paar groteske Zufälle zu Hilfe kommen, als sie den  übersättigten und dekadenten Hit-Produzenten Walter Dietrichson (Wolfram Koch, der hier einmal  bemerkenswert nackig agiert) erledigen soll.

Grotesk, aber unterhaltsam

Was Schlüssigkeit und Logik betrifft, sollte man keine übermäßigen Ansprüche an den Plot stellen. Gemessen daran, dass der Film mitunter die Grenze zum Albernen streift, funktioniert er trotzdem ziemlich gut: Neben reichlich schwarzem Humor fehlt selbst eine wohldosierte Prise Sentimentalität nicht, als Ehemann Falk (Kai Ivo Baulitz)Hanni von seinem gelungenen Geschäft erzählt. Aber es sind vor allem zwei Schauspieler, die hier das Einschalten lohnen.

Da wäre einmal Jürgen Tarrach, der hier in seiner Rolle als korrupter und mörderischer Polizist ungeachtet seiner Erscheinung und der Invalidität seiner Figur ungemein leichtfüßig die Balance zwischen Schmierigkeit und dem Erwecken von Mitleid findet. Aber besonders Anneke Kim Sarnau liefert durch ihr beredtes und ausdrucksstarkes Mienenspiel ein überaus emotionales Wechselbad der Gefühle. Sie zeigt ein prächtiges komödiantisches Talent, das in ihrer "Polizeiruf 110"-Rolle nur selten zum Vorschein kommt.

In einer weiteren Nebenrolle als verhinderte Schriftstellerin ist noch Sarnaus "Polizeiruf 110"-Kollegin Claudia Michelsen zu sehen, die aber trotz mehr Szenen im Vergleich zu Wolfram Koch weniger zur Geltung kommt. Als makabre Groteske liefert "Hit Mom" trotzdem ein unterhaltsames Kontrastprogramm zum allgegenwärtigen Weihnachtsrummel. Anneke Kim Sarnau und Jürgen Tarrach geben der Geschichte dann noch die richtige Würze.

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