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TV-Kritik: "Ich gehöre ihm": Der beste TV-Film des Jahres!

Eine Geschichte wie ein Schlag in die Magengrube: Cora verliebt sich in einen Jungen, der sie eiskalt manipuliert und auf den Strich schickt.
Versprechen auf eine Zukunft: Cem (Samy Abdel Fattah) überrascht Caro (Anna Bachmann) mit ihrer gemeinsamen Wohnung. Foto: WDR/Kai Schulz Versprechen auf eine Zukunft: Cem (Samy Abdel Fattah) überrascht Caro (Anna Bachmann) mit ihrer gemeinsamen Wohnung.
Loverboys suchen sie sich mit Kennerblick immer die gleiche Sorte Opfer: Mädchen in der Pubertät nämlich, die sich ihrer selbst nicht allzu sicher sind. Ein Mädchen wie Caro (Anna Bachmann) zum Beispiel. Sie schmeicheln sich ein, überhäufen das Mädchen anfangs noch mit Komplimenten und Geschenken. Und jammern dazwischen immer wieder auch einmal über ihre eigene Situation: Dass sie Schulden haben etwa. Loverboys wie Cem (Samy Abdel Fattah) wissen, wie sie ihre Opfer umgarnen: Ein Mädchen, das für sie auf den Strich geht.

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Dabei endet der erste Sex schon grauenhaft für sie: Cem lässt Cora hinterher von zwei Freunden vergewaltigen. Weil man bei ihm alles teilt, wie er ihr versichert. Cora flüchtet, vertraut sich aber aus Scham niemandem an. Und geht ihm schnell ein weiteres Mal in die Falle. Ausgezogen bis auf die Unterwäsche empfängt sie bald ihren ersten Freier. Einen Mann, der sie fragt, ob sie "ihn" schon einmal in den Mund genommen habe.

Die ahnungslosen Eltern und der Zuhälter

Und sie glaubt, sie tue es für ihre große Liebe, für die gemeinsame Zukunft. Für Cem mit dem weißen Mercedes und der großen Wohnung, der ihr anfangs noch so imponierte, weil er ihr das Gefühl vermittelte, sie in die große weite Welt einzuführen – etwa, als er sie an der Warteschlange vorbei in eine Disco führte. Ihre Eltern, gespielt von Maria Simon und Bernd Michael Lade, bleiben lange ahnungslos. Als sie Cem auf der Straße kennenlernen, sind sie voller Verständnis für ihre Tochter, die sich erstmals verliebt hat.
 
Sie wissen nicht, dass er ihre Tochter zur Prostituierten gemacht hat und dass der ältliche Mann, dem sie eben noch die Hand geschüttelt haben, schon ihr nächster Freier ist. Zwar fällt ihnen so manche Veränderung an Cora unangenehm auf, so etwa, dass ihre Tochter neuerdings raucht und trinkt. Aber Cem achtet penibel darauf, dass Cora zuhause weiterhin die brave Tochter spielt und auch genügend für die Schule lernt.

Am Ende die blanke Hilflosigkeit

Ihr Herr Yildrim (Billey Demirtas), ihr Lehrer und Baseball-Trainer, merkt, was läuft, als er Cora auf dem Straßenstrich trifft. Aber er schweigt selbst aus Scham. Der Film findet starke Szenen für Coras Situation: Wie sie immer weiter zurückweicht, als sich ihr erster Freier ihr nähert, bis der sie buchstäblich in die Ecke gedrängt hat.
 
Anna Bachmann beweist in ihrer ersten Rolle eine enorme Ausdrucksvielfalt. Wie sie Cora vom verliebten und zweifelnden Mädchen bis zur abgebrühten Straßendirne mit dem leeren Blick eines Zombies spielt, brennt sich im Handlungsverlauf immer stärker ein. Samy Abdel Fattah steht ihr nicht nach: Er gibt Cem sehr gekonnt mit einer Mischung aus stets präsentem Charme, perfider Manipulation und eiskalter Brutalität.
 
Im Vergleich dazu gewinnen die  Nebenrollen wie etwa der Lehrer oder Coras Eltern und ihre beste Freundin erst später an Konturen. Ihre Hilflosigkeit angesichts Coras Situation verleiht dem Film eine brennende Intensität. "Ich gehöre ihm" ist bisher der beste TV-Film des Jahres, was das schockierende Ende noch einmal knallhart unterstreicht. Die nachfolgende Doku „Verliebt, verführt, verkauft“ über Loverboys zeigt, wie nahe an der Realität sich der Film bewegt hat.
 
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