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TV-Kritik: "Ich und Kaminski": Die Reise ans Meer

Von Wolfgang Beckers Verfilmung des gleichnamigen Romans von Daniel Kehlmann irritiert durch ihren uneinheitlichen Erzählstil.
Zöllner (Daniel Brühl, l) und Kaminski (Jesper Christensen, r) am Ende der Reise Foto: Gordon Photography (X-Verleih/WDR) Zöllner (Daniel Brühl, l) und Kaminski (Jesper Christensen, r) am Ende der Reise
"Ihr werdet noch von mir hören!" ruft Kunstkritiker Sebastian Zöllner (Daniel Brühl) in einer Szene lautstark. Ein trotziger Ausbruch von Selbstbehauptungswillen, den der abgebrannte Journalist auch bitter nötig hat. Er hält sich nur mühsam über Wasser, aber mit einem Buch über den Maler Manuel Kaminski will er ganz groß herauskommen. Deswegen ist er in ein abgelegenes Bergdorf in der Schweiz gereist, in das sich der mutmaßlich erblindete Kaminski zum Sterben zurückgezogen hat.

Wenn Journalisten in einem Spielfilm auftauchen, dann müssen sie geradezu zwangsläufig diese Qualitäten erfüllen: Abgebrannt, arrogant und wenig wählerisch in ihren Mitteln. Halt so wie einst Charles Tatum alias Kirk Douglas in „Reporter des Satans“. Klar, dass deswegen auch Zöllner aus dem letzten Loch pfeifen muss. Zu allem übrigen Ärger wirft ihn auch seine Freundin hinaus.  Aber das passt eigentlich bestens in seine Pechsträhne, die sich in dem Bergdorf bruchlos fortsetzt.

Auf zur letzten Reise

So wie Zöllner nicht nur in Kuhfladen, sondern auch sonst in jedes Fettnäpfchen tritt, kann es nicht verwundern, dass am Ende aus seinen hochfliegenden Plänen nichts wird. Da hat er mit Kaminski in dessen Jaguar eine Reise aus den Schweizer Bergen nach Norddeutschland angetreten, um Kaminskis alte Jugendliebe zu besuchen. Zöllner will aus dem Treffen für sein geplantes Buch Kapital schlagen. Aber für Therese (Geraldine Chaplin) spielt Kaminski längst keine Rolle mehr.

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Regisseur Wolfgang Becker hat sich mit seinem Film nach dem Roman von Daniel Kehlmann ziemlich viel vorgenommen. Berührende Künstlerbiographie, Satire auf Kunstbetrieb und allerlei Eitelkeiten und schließlich Road Movie ins endgültige Scheitern: eine vielversprechende Mischung, die zudem mit Jesper Christensen als Kaminski und Daniel Brühl zwei großartige Schauspieler bereithält.  Besonders Brühl gibt den arroganten Widerling überaus hingebungsvoll.

Etliche seltsame Ideen

Dennoch hält der Film nicht ganz, was er verspricht. So recht scheint sich Becker nicht schlüssig gewesen zu sein, in welcher Tonlage er die Geschichte erzählen will. Die Geschichte sprüht oft regelrecht vor Ideen, die aber längst nicht alle zünden wollen. Eher befremdlich wirkt es etwa, wenn zu Beginn Zöllner sich zu Beginn des Films vorstellt, einen Schaffner im Zug, der ihn eine Spur zu unsanft geweckt hat, über den Haufen zu schießen.

Überhaupt wirken hier viele Szenen hektisch und planlos aneinandergereiht.  Während etwa Zöllner an seinem Manuskript arbeitet und seine Aufnahmen dazu abhört, wird minutenlang auf Französisch parliert, ohne dass dabei eine Pointe zur Wirkung kommt. Eine durchgehend gelungene Mischung aus als Mix aus Slapstick und bisweilen besinnlichen Momenten, wie sie etwa Woody Allen in seinem besten Film "Die letzte Nacht des Boris Gruschenko" hinbekommen hat, ist Becker nicht gelungen.

Dennoch zeigt sich sein Film als einigermaßen unterhaltsam. Die richtige Intensität bekommt er jedoch erst am Ende am Meer. Von solchen Momenten hätte Beckers Film aber noch wesentlich mehr vertragen können.
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