Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 9°C
1 Kommentar

TV-Kritik: "Ich war eine glückliche Frau": Ähnlich wie bei Eugen Roth

Von Eine Frau verliebt sich in das vermeintliche Glück ihrer Nachbarn, bis ihre Illusion zusammenbricht. Was die Geschichte mit dem genialen Dichter aus München verbindet.
Eva Sanders (Petra Schmidt-Schaller) – hier mit Tochter Lena (Momo Beier) – ahnt, dass etwas mit ihrem Mann Jan nicht mehr stimmt. Foto: (HR/Pressestelle) Eva Sanders (Petra Schmidt-Schaller) – hier mit Tochter Lena (Momo Beier) – ahnt, dass etwas mit ihrem Mann Jan nicht mehr stimmt.
Meister-Humorist Eugen Roth brachte es einst in seinem Gedicht "Optische Täuschung" – der geneigte Leser möge den vollständigen Wortlaut bitte googeln – perfekt auf den Punkt: "Darin besteht ein Teil der Welt / dass andre man für glücklich hält". Genau darum geht es auch in diesem Film nach einer Vorlage der Schriftstellerin Margriet de Moor, den Regisseur Martin Enlen in Oberursel im Taunus inszenierte.
 
Sylvia Blok (Imogen Kogge) ist regelrecht vernarrt in das Glück der Nachbarsfamilie Sanders. Zuvor versank die Frau mit universitärem Hintergrund lange regelrecht in Depressionen: Ihr Mann Hermann (Rainer Bock) war nicht in der Lage, sie aufzumuntern.  Bis die Nachbarn auf Betreiben von Familienvater Jan Sanders (Marc Hosemann) eine Blutbuche versetzen ließen. Von da an konnte sich Sylvia Blok von ihrem Fenster aus das Leben ihrer Nachbarn stundenlang betrachten und sich ungehemmt hineinträumen.
 

Das Glück war nur eine Illusion

 
Eva Sanders (Petra Schmidt-Schaller) erfährt davon, als ihre Ehe längst gescheitert ist. Der mittlerweile verwitwete Hermann Blok hat sie eingeladen, um mit ihr darüber zu sprechen. Hermann Blok weiß längst, dass in Wirklichkeit alles anders war, und Eva, anfänglich über seine Enthüllung geschockt, erzählt ihm schließlich bereitwillig Einzelheiten: Wie sie Beipackzettel übersetzte, als Sylvia Blok dachte, sie würde Kinderbücher schreiben.
 
Oder wie sie eine Gartenparty, die für Sylvia Sanders so lässig und glamourös erschien, durch ihre Eheprobleme in Wirklichkeit nur dick geschminkt und mit viel Alkohol überstand. Ihr Mann Jan wollte zunächst ständig Veränderungen, weswegen er auch die Blutbuche vor dem Haus versetzen ließ. Bald suchte er zunehmend Abstand zu seiner Frau und seinen Kindern, fuhr alleine weg, wollte eine Auszeit – er hatte eine neue Frau kennengelernt.
 

Ist Leben ohne Illusion überhaupt möglich?

 
Als Sylvia Blok erkennt, dass das Glück nur ein Phantasiegebilde darstellt, bricht sie bald vollständig zusammen. Zum Leben, so scheint es, gehört auch eine gewisse Dosis Illusion. Ihr Mann versucht, seiner todkranken Frau diese Illusion so weit wie möglich ein Stück weit zurückzugeben. Er selbst hat  den letzten Rest an Illusion verloren, als er im Krankenhaus die Diagnose ihres Arztes hört und in Tränen ausbricht. Ein besonders emotionaler Moment, zumal er ohne Ton abläuft.
 
Martin Enlen und Drehbuchautorin Edda Leesch erzählen die Geschichte vom Ende her. Die Kluft zwischen Sein und Schein in der Geschichte um eine betrogene Ehefrau entwickelt einen beachtlichen Sog, auch durch Petra Schmidt-Schaller: Wer könnte die Zerbrechlichkeit von bürgerlichem Glück und Lebensentwürfen besser und einnehmender verkörpern als Schmidt-Schaller, wenn sie am Ende mit nackten Füßen durch eine Wiese geht? Barfüßigkeit stellt in Filmen oft ein Symbol für Erotik wie für einen Bruch mit der Vergangenheit dar, etwa in den Filmen "Katharina Luther" oder "Tödliche Versuchung".   
 
Marc Hosemann, Rainer Bock und Imogen Kogge zeigen sich ebenfalls in Hochform. Die beiden Schwachpunkte sind einige überflüssige Szenen mit Erläuterungen aus dem Off und  Evas Tochter Lena (Momo Beier). Edda Leesch hat versucht, die ernste Geschichte durch etwas Dialoghumor aufzulockern. Was in einer Boulevard-Komödie zwischen Erwachsenen gut funktioniert hätte, geht hier schief, weil das Mädchen an manchen Stellen Antworten gibt, die erheblich zu altklug klingen.

Den ganzen Film gibt es hier

 
Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse